Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
429
Einzelbild herunterladen
 

§. 180. Die Slaven und ihre Gotterlchre.

429

ersten B. von Skalholt weihte (1056), der in dem Rufe eines Heiligenstarb (1080). Schon 1107 erhielt Island zu Ho rlnm ein zweites BiS-biM, und von da an auch Schriftsteller, unter denen Snorro Sturle-so» der Vater der nordischen Geschichte und hervorragende Staatsmann,der berühmteste war. Auch die Farörischen, Orkadischcn und S ch et-ländischcn Inseln erhielten durch Veranstaltung Olav Trygvcsen'sKunde vom Christcnthumc, und die ersten sogar einen eigenenBischofNamensMatthias (s 1157). Von Island aus wnrdcGrönland i. I. 982 ent-deckt und um 1000 bekehrt. Die ersten Bischöfe soll es von Bremen, dannvon Norwegen aus erhalten haben '), die ihren Sitz zu Gar dar hatten.

Die Bekehrung dieser nordische» Stämme war für die Civilisirung Euro-xa's von der größten Bedeutung '); erst nachdem dieselbe erfolgt, waren dieKüstenländer sicher und der weitern Cultur fähig.

§. 180. Die Slave» und ihre Gotterlchre.

Mo»c, Gcsch. d. Hcidcnth. im nördl. Europa. Bd. I. S. 111 ff. Hannsch,die Wissenschaft d. slav. MpthnS im weitesten, d. altprcust. litthauischc»Mythus umfassenden Sinne. Lemb. 842. Schaffarik, Gcsch. d. slav.Sprache ». Litt. Ofen 826.; derselbe, üb. d. Abkunft der Slave». Ofen828. cko/r. 7.a»fcLf, de liün Lnmexilan. Ilnsil. 615. fitem, de Hussnium.Lloseoviturnm ete. reliMono. 8>sti-!>o 582. Treuest, de diin 8«ea6c>r. eta>. 8Iavvr. (77vFMani!, eeriptor. reu. I>us:U. D. II.) DÄrrt^ernfee-, Iiisto-ym unrodu iiolslcioM. II. (nur Nonienclatur slav. Götter).

(l/iese Ztaroxytus (üb. Litthauen). IVilno 4. D. Rettbcrg, KG. Dcutschl.Bd. II. S. 545 ff.

Die Slaven, nächst den Germanen der zweite große im Mittelalterhervortrctende europäische Hauptstamm, erstreckten sich von der Saale biszum Ural und vom adriatischen bis zum baltischen Meere. Ihre frühesteGeschichte ist dunkel, beruht ans späteren Volkssagen und ist durch feind-selige Berichte vielfach entstellt. Kein alter, einheimischer Dichter hat überihre Anfänge und Jugendgcschichte Gesänge hinterlasscn; kein Taeitus derSlaven Charakter und Sitten der Nachwelt überliefert. Slaw, seit demItcn Jahrh. als allgemeiner Volksname, wird schwankend abgeleitet vonslinva (Ruhm), slorvar (Mann, Mensch), richtiger vielleicht von slorvo(Wort, wovon Slowanen, Slawcnzen) in der Bedeutung Sprachgcnofsen-schast. Dafür spricht besonders die bei den meisten slavischcn Stämmen üb-liche Bezeichnung der Nichtslaven durch »iamise (Stummer), der Sprach-genossenschaft nicht theilhastig. In der Geschichte traten die Slavenzuerst seit ihrem ersten Zusammentreffen mit den Deutschen auf, und schonda nicht in freier, aufstrebender Entwickelung. Ihr starker, gedrungenerKörperbau mit schöner Kopfbilduug war unempfindlich gegen Beschwerdeund Schmerz: im Angriff zeigten sie sich kühn und gewandt, im geselli-gen Verkehr genügsam, gutmüthig und gastfrei. Ihre Fröhlichkeit stei-gerte sich bei Volksfesten zu rauschendem Jubel; daher besitzen sie zahl-reiche gcmiithliche, aber auch elegische Volksgesänge in schönen Mollton-arten. Mitten zwischen thierischen Asiaten und überlegenen Zwingherrenzeigten sie leidenden Gehorsam, dabei viel Geschick, fremde Vorzüge,namentlich Sprachen sich anzueignen. In dem Weibe erkannte der Slavenicht wie der Germane sein Ebenbild, sondern theilte die Mißach-tilng der Frau mit den V ölkern Asiens; Töchter konnte die Mutter gleich

kroeul. rwtitiua. Ilutü. 706. Müntcr, Bd. I. S. 555 ff.

>0 Acta,». 75'eme»«., de situ Oan. c. 96