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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 174. Carl der Große.

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bin schon durch den Glanz des von der Kirche sanctionirten Kaisertums ge-wonnen hatte, schuf er noch das oben erwähnte Institut der kaiserlichenSendboten (miss! äominioi). Dasselbe begegnete zugleich der für die per-sönliche Sicherheit der Unterthanen im fränkischen Reiche so gefährlichenVerbindung der richterlichen und erecutiven Gewalt in einer und derselbenPerson. Indem Carl die letztere den betreffenden Herzögen und Grafen be-ließ übertrug er das Richteramt der durch Intelligenz, Bildung, wie durchbeharrliche Aufmerksamkeit bei Untersuchung und Beurtheilung der Thal-sachen mehr ausgezeichneten, weil besonders auserwähltcn kaiserlichen Missionsnüssio clormmca),Der fromme Kaiser wollte so, sich seiner Huld gegendie Armen, Witlwen und Waisen seines ganzen Reiches erinnernd ), welchebisher nicht genügende Gerechtigkeit erlangen konnten, diesen zunächst, aberauch dem ganzen Volke volle Gerechtigkeit ohne Kosten und Beschwerden ver-schaffen." Seiner Antrittsrede v. 802 entsprach auch die Mahnung auf demReichstage zu Aachen 813 an seinen Sohn Ludwig, dem er hier die Succes-ßon sicherte.Seme erste Sorge solle sein, Gott über Alles zu lieben, zufürchten und seine Gebote zu halten. In dieser Gesinnung solle er der Kircheseinen Schutz weihen; die Bischöfe als seine Kinder ehren , die Bösen züch-tigen, um sie auf den Weg des Heils zu führen, ein Tröster der Mönche undArmen sein."

In dieser allumfassenden Wirksamkeit legte Carl den Grund zu allenjenen herrlichen im Mittelalter weiter ausgebildeten Richtungen und Bestre-bungen. Wirklich kannte die dankbare Liebe des Volkes späterer Jahrhun-derte auch keine große Erscheinung, die es nicht aufCarl. d. Gr. zurückbezog').Wie aber der Kaiser alles Große künftiger Zeiten in seinem Streben weis-sagte, wurde er auch in manchen ernsten Stunden von düsteren Ahnungen fürsein Reich erfüllt. Von einer Veste an der Nordsee den flüchtigen Schiffender seeräuberischcn Normannen mit thränenvollcm Auge nachblickcnd, spracher auf die Frage nach der Ursache dieser Trauer das prophetische Wort:Wenn diese schon bei meinem Leben solches wagen, was wird meine Nationerst von ihnen leiden müssen, wenn ich nicht mehr leben werde." Möchtennur in seinem ehelichen Leben weniger dunkle Flecken Vorkommen, damit dieHerzenSergießungen dcS Kriegers in ungestörtem Gebete bei dunkler Nachtdesto reiner erschienen! Eingedenk seiner unvergleichlichen Verdienste um dieKirche und der ungeheuchelten Frömmigkeit versetzte Paschal is, der Gegen-papst Alexanders NI-, Carln unter die Heiligen, und die folgenden Päpstetolerirten cs. Aber im lebhaften Andenken an die Entweihung der Ehe undseine allgemein gekannten natürlichen Söhne Drogo, Theodcrich und Hugonahmen Viele daran Anstoß. Darum ward auch sein Name weder im römi-schen Kalender, noch auch in dem Breviere der von Carl so sehr begünstigtenBenedictiner ausgezeichnet^). Niemals aber ist ihm der Beinamed eSGroßen" versagt worden. Wer vermöchte es auch in Erwägung seinerSchöpfungen für Wissenschaft, Geschmack und Verfassung, und bei einer

4) So lautet die kaiscrl. Verfügung auf der Synode zu Aachen 802. (Lars-asM' 1. 1 . p. Zgz ) vgl,Carl's d. Gr. Gesetze für Wittwcn u. Waisen, ArmeRasende" shtstor. polit. Blätter Bd. I. S. 406-13).

2) Vgl. Cantu, allgcm. Wcltgcsch. deutsch von Brühl Bd. V. S. llXIV.Das oKeium äs 8t. Ouuolo bei Oanr'sE-LasnaAo, Isett. antig. 1. III-^ fr g. 205 sg. vgl. Iristoriu Oanoiu8a,t,ionm 6aroli N. -Ion. 750.

Koser, Osnabr. Gcsch. Th. I. S. 320.