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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 95. Das religiös-sittliche Leben der Christen.

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würdigen. Wir stellen uns hiebei zunächst auf den Standpunkt der Zeit-genossen und bcurthcilcn die Christen im Gegensätze zu den Heiden. Hierkönnen wir mit Justinus Martyr sagen'):Diejenigen, die einst (wie

der Wollust dienten, haben jetzt nur ihre Freude an Sittcnreinheit; dieeinst Zauberei trieben, haben sich nun dem ewigen nngczcugtcn Gotte ge-weiht; die einst Geldgewinn über alleö liebten, geben jetzt alles, wüsstebesitzen, zum allgemeinen Gebrauche für die Dürftigen; die einst einanderbüßten und mit Fremde» wegen Verschiedenheit der Sitten keine Gemeinschafthaben wollten, leben jetzt nach Christi Erscheinung mit ihnen zusammen ; jasiedeten für ihre Feinde und suchen die zu besänftigen, die sic mit unge-rechtem Haffe verfolgen/' Aehnlich spricht der Verfasser des Briefes anDivgnctH:Sie bewohnen jeglicher ihr Vaterland, jedoch mit der Ge-sinnung eingckehrter Fremdlinge; gleich Bürgern haben sie mit Andern allesgemeinschaftlich; gleich Fremdlingen ertragen sie jede Trübsal; jede Fremdesst ihnen ein Vaterland und jedes Vaterland eine Fremde. Wie alle übrigenvermählen sie sich und zeugen Kinder, doch sie setzen ihre Kinder nicht aus;

sie leben im Fleische, doch nicht nach den Gelüsten des Fleisches; siewandeln auf Erden, doch im Himmel sind sie eingebürgert; sie befolgen dievorgeschricbcnen Gesetze und übcrtrcffen durch ihre Lebensweise die For-derungen aller Gesetze; sie lieben Alle und werden von Allen verfolgt;sie werden ermordet und der Tod ist ihnen der Beginn des wahren Lebens."Und den Heiden ruft Tcrtullian') zu:Ihr tadelt uns, weil wir unslieben, während ihr einander hasset; weil bei uns einer für den andern zusterben bereit ist, während ihr zu gegenseitigem Morde geneigt seid. Wirsind Brüder auch durch die Gemeinschaft der Güter, und diese zerreißengerade bei euch jede Brüderschaft. Alles haben wir gemein, außer die Frauen

und ibr habet nur hierin Gemeinschaft." Diese Charakteristik vervoll-ständigt Origenes^):Das Werk Christi offenbart sich in der ganzenMenschheit; wo christliche Gemeinden gestiftet werden, sind ihre Glieder vontausend Lastern bekehrt worden, und noch jetzt bringt der Name Jesu einewunderbare Sanftmuth, Menschenliebe und Milde bei denen hervor, welcheden Glauben au die Lehre von Gott und Christus nicht um irdischer Vortheilewillen erheucheln, sondern ihn aufrichtig annehmcn." Ja er konnte sichdarauf als eine weltbekannte Thatsache berufen:daß die Christen, mitihren heidnischen Volksgenossen verglichen, wie Leuchten in der Welt er-scheinen." (Vgl. auch S. 125.)

Nehmen wir zu diesen sanften Tugenden der Milde, Sittcnreinheit undEnthaltsamkeit noch den in den Verfolgungen bewiesenen Hcldeumuth derChristen hinzu, so können wir mit Cyprian ausrufen^):O glückseliguipere Kirche, welche die Ehre her göttlichen Gnade so beleuchtet, welche dasruhmvolle Blut der Märtyrer in unserer Zeit so sehr verherrlicht; vorhinwar sie durch die Werke der Brüder weiß, nun ist sie purpurroth durch dasBlut der Märtyrer geworden; ihrem Blumenschmucke fehlen weder Lilien«och Rosen." Der heilige Ernst der Christen zeigte sich aber besonders inder steten lebendigen Erinnerung an den Erlösungstod, daher sie sich beiMchem Unternehmen die Stirn mit dem heil. Zeichen des Kreuzes be-

ll äuslr». upolox. I. c. ,4. vgl. 0. 1517.

2) HuÄ, vwgimt, e. 5. 3) DertM. axologst. e. 39. 4) OrrFsn.couir. Osts. I, 67 . IIP 29. 5) CMi-ra-i. 8 . ( martxres kt ennlosuorsspiUzog'ö Lirchmgcschichte. 7. Auflage. . 15