§. 93. Heilige Zeiten; Ostcrstreit; kirchliche Versammlungsorte. 219
Die ältesten Jahresfeste waren Ostern und Pfingsten; denn Chri-stus der Gekreuzigte und Verherrlichte bildete die Grundlage des Christen-tums (1 Kor. 15, 3—4. Rom. 4, 25.), und die Idee der Nachfolge Christides Gekreuzigten und Auferstandenen hatte ja die ersten und meisten Bezie-hungen zum Leben der Christen '). Das christliche Pascha- oder Oster-fest bestand ursprünglich aus zwei Haupttheilen, der Feier des Todes Jesua-rangchoi^ov) und der Auferstehung «rao-rä-
u,„or). DieZeit der Paschafeier gab Veranlassung zu der erstenurößern Streitigkeit in der christlichen Kirche, und da dieselbe durch Juden-christen veranlaßt ward, so machten sich alsbald auch hier die strengernund milderen Ansichten der Judaisten geltend (s. S. 109.). Die strengere,häretische Partei der Ebioniten behauptete wie die fortwährende Verbind-lichkeit des mosaischen Gesetzes überhaupt so auch die Geltung des jüdi-schen Pascha's, so daß sie hier für kein christliches, sondern ein rein jüdi-sches Paschasest eiferte, und durch diese häretische Ansicht sich außerhalbder Kirche stellte. Dagegen blieben die hier hervortretenden zwei anderenParteien aus kirchlichem Boden; doch waren sie nicht nur in Betreff derZeit für das Paschafest und des davor stattfindenden Fastens verschiedenerAnsicht, sondern auch in der Auffassung des Todestages Christi als Freu-den- oder als Trauertag wie auch noch darüber, ob Jesus am 14.Nisan mit den Juden das Paschalamm gegessen habe oder bereitsgekreuzigt w ord en, ausMatth. 26, 18 ff. oder Joh. 18, 28. u. 19, 14.sich stützend^). Nachdem man aber die gemeinsame Paffahfeier mit denJuden aufgegeben, entstand endlich noch die besondere Schwierigkeit einerneuen Osterbercchnung. ES feierten nämlich wahrscheinlich auf Veranlassungder Judenchristen viele orientalis che Gemeinden nach dem Vorbilde Christizugleich mit den Juden ein Paschamahl am 14ten Nisan in der Agape desAbendmahles; andere morgenländische und besonders die abendlkin-dischen Christen aber begingen den Todestag Jesu an dem darauffolgendenFreitag als clies pasetmo und fanden in jener Unterbrechung des besondersin der großen h. Woche uc^oibi;) streng beobachteten Fastens
versiu sst: alii cluobus, olii pluribus, iionuulli etniin guitäriichntu Iivris ilinrnisne iiiicturnis conixutatis tlioni suiiin inetiuiitnr. ^Itgue baeo in obssrvanäoMmio vuriotas non nostru primuin aotuto natu vst, secl louZe nuten UMti.UIUM 08 nostros eosxit ete.
l) Ueo U. ssrniu 64. e 1. Oinnia giiiäeni teniporu Oliristiunornin -rniiiiostinramonto Ooniinicuo iiassionis et rosurreetiouis exereent, neeiiie ullumisligianis uoslrus otNiiuni 68t, guo non tam inuneli rseoneiliatio, giiüm tiu-nuuiuo in Oliristo naturae assunizitio eelebretur. soxp. eäil. /tatler/n?. Vensl.^153. I. I. p. 247.) Achnlich in /.aekant. Institut, clivin. VII. 19.
*> Doch hielten alle Parteien an dem A. T. Ausdrucke „Pascha" fest, wasspmcll an das Vorübcrgehcn d. Würgengels in Erod. 12, 21. u. 27. er-innerte, denn dri"OS ist die aramäische Form für fi^T — Uebcrgaug. Hier gab
man dem Worte die allgemeinere Bedeutung „Erlösung aus Aegypten" u.in dies. Sinne konnten cs die Christen als ihr Fest der Erlösung v. Joch d. Sünde(Aegypten figiirl. gefaßt! auffaffcn u. anwendcn. — Die Nachrichten üb. dsn.vtreit b. Auseä. b. e. V, 23—25; rA. vila Oonstuntini bl. 1!I. 18. ,8'ocrat. Ir.
21. - Walch, Kcßcrhist. Th. I. S. 666-85. Rcttbcrg, d. Pascha-mn IN s. Bedeutung u. s. Verlause. (Jllgen, Ztschr. f. histor. Thcol. 832.Bd. II.) »Hcscle, im Freib. Klcrik. Bd. VII. S. 871-82. u. Concilicngesch.. Bd. I. S. 286-319.