q. 8l. Die verschiedenen Formen der kirchlichen Wissenschaft. 189
Tertullian mit allem Nachdrucke gegen die Dialektik, ob schon er bei verschie-denen Veranlassungen einen stärkeren Gebrauch von ihr gemacht hat, als diewärmsten Vertheidiger derselben. Hat diese Opposition die abendländischenTheologen an der Speculation überhaupt theilweise verhindert, so hatsie aber auch andererseits gegen manche Uebergriffe der andern Richtung undbesonders gegen Vermischung der Philosophie und Theologie wohlthätigeingewirkt, namentlich zu größerer Vorsicht aufgesordert. Aber allmählig»ahmen auch die abendländischen Theologen fast unbemerkt manches Gutedes entgegengesetzten StrebenS an. Hatten sich ja auch beide Richtungengegenseitig zu ergänzen: auf ihrem Gegengewichte beruhte das Gleich-gewicht und auf ihrer Einheit die Wahrheit der Entwickelung des christ-lichen Geistes.
Theils mit JrenäuS und Tertullian übereinstimmend, theils zwischenibnen und den Alexandrinern vermittelnd zeigten sich mehrere zu Rom ingriechischer und lateinischer Sprache thätige Schriftsteller. So der KleinasiateCasus, ein Schüler des hl. JrenäuS, der unter P. Zephyrin nach Rom kam,und hier Presbyter wurde. Er bekämpfte Montanisten, Monarchianer u. a.Häretiker. Hippolyt, wahrscheinlich auch aus Kleinasien stammend, alsB. von PortuS Romanus bezeichnet, erwarb sich als Ereget, Dogmatiker,Polemiker und Chronologe Ruhm und derartige Anerkennung, daß ihmwahrscheinlich die älteste aus christlicher Zeit herrührende marmorne Statueerrichtet ward mit dem Verzeichniß seiner Schriften. Durch P. Kallistuswegen seiner Irrlehre in der Trinität ercommnnicirt, versöhnte er sich spätermit der Kirche und starb als Märtyrer um 250. Der störrige und rigoroseNovatianus, der nachmalige schismatische Gegenbischof, verfaßte seinHauptwerk de triniinte gegen Antitrinitarier, zugleich die Lehre vom hei-ligen Geiste (e. 29) bebandelnd. Daran schlossen sich die römischenBischöfe Cornelius, Stephanus und Dionysius mit ihren schrift-lichen Erörterungen über verschiedene Materien I.
Die theologische Schule zu Antiochien erhielt in dieser Periode inden beiden Presbytern Dorothcus (um 290) und Lucian ), welcherletztere als Märtyrer starb (31t), erst ihre Vorläufer. Auch sie erstrebteneine eigenthümliche Vermittelung zwischen den Vertretern und Gegnernder Gnosis, und setzten dem oft willkürlichen Allcgoristren der Alexandrinerdie Grundsätze einer grammatisch-historischen Exegese entgegen,vgl. unten §. 114.
l) Fragmente der Schriften des disputatio adv. krooium.
in VÄ/anck. bibl. D. II. u. relig. sucr. D. II. vgl. Möhler
Patrol. Bd. I. S. 617—20. — Die erhaltenen Schriften des in
Msä. OM ecl. Ilumb. 718. 2 I. u. in S-r»anck bibl. D. II. vgl.
Möhler I. e. Seite 587—620. u. Döllinger, Hippolytus u. Kallistus, Rc-gensb. 853, der zugl. die verschied. Heiligen gleichen Namens u. derenVerwechslung mit dem unsrigen ausführlich behandelt. — Die Schriften des Ilch-de trinituts, de ribis dudrucis ste. am besten in bibl. vgl.
Möhler, I. o. S. 894—899. u. über die drei römischen Bischöfe: Corne-llus, Stephanus u. Dionysius ebendas. S. 638-644.
2s Luseb. Ii. tz. VII, 32. ÄsanonM»». de vir. illustr. c. 77. Imeiunus, virainertissimus, ^ntioebsnue seriesius presbzder, tantum iu serixturururn Studiomvoravit, ut usgue nunc guaedum exemplariu ecrivturarum I-ucisuea nuu-eugentur etc.