§. 81. Die verschiedenen Formen der kirchlichen Wissenschaft. 187
göttliche Offenbarung weit über jede Philosophie erhaben'), undhielten überall, wie auch von Origenes geschah, an der kirchlichen LehreireLuIs liclei) als Norm und Richtscheit bei der Beurtheilung und Ausschei-dung des Falschen vom Wahren, wie überhaupt bei allen wissenschaftlichenBestrebungen fest. Daß Origenes aber, trotz der zu dem bezeichnetenstwecke im Periarchon vorausgeschickten Glaubensregel, namentlich über dasVerhältniß des Sohnes zum Vater-), Gottes zur Welt, dieschöpferische Allmacht und absolute Güte Gottes, in der An-nahme einer Präeristenz der Seele und der Negirung der ewigenDauer der Höllenstrafen irrte, auch eine ganz vergeistigte unkirch-liche Auferstchungslehre vortrug, hatte seinen Grund darin, daß erschon in frühester Jugend, ohne die christliche Heilölehre in allen ihren Be-stehungen und ihren Tiefen erfaßt zu haben, allzu rasch zum Studium dergriechischen Philosophie überging und dann sogleich Theologie und Philo-sophie gleichzeitig lehrte. Auch trieb ihn sein glühender Eifer für diekatholische Kirche, den Gnostikern gegenüber, welche bei ihren selbstcrdachtenTheorien leicht ein Religionssystem aufstellen konnten, die kirchliche Lehreebenfalls in ein System zu bringen. Seine Aufgabe war aber bei der Be-handlung eines gegebenen Stoffes voll der tiefsten unverletzbaren Myste-rien eine ungleich schwierigere, und zwar um so mehr, als die zu diesemZwecke angewandte Philosophie nicht besonders förderlich war. Daherkann das theilweise Mißlingen des sonst löblichen Versuches, zumal bei derdamals noch unvollkommenen wissenschaftlichen Form der Kirchenlehre,nicht gerade befremden.
Gegen dieses Bestreben einer philosophischen Behandlung des Christen-tums durch die alerandrinische Schule, das sich als gegenüber der
d. i. der schlichten Auffassung des Christenthums im Glauben geltendmachte, bildeten die Vertreter und Vertheidiger der oben bezeichneten mehrpraktischen Geistesrichtung oft eine Opposition, und nannten jenes Unter-nehmen, bald verdient, bald es verkennend, ein eiteles und dem Christenthumewiderstrebendes'). An der Spitze derselben steht der Kleinasiate Irenaus,B. von Lyon (177—202), ein philosophisch durchgebildeter, klarer undgemäßigter Mann, welcher die phantastischen Gebilde der Gnostiker mit
1) ./nst. npol. II. e. 10.:
UV.«?« X. /. 1, 20. p. 370.
2) Darüber trug er eine Art Subordinationiomus vor, dock) nicht dem Wesen
t>üi») der Gottheit nach, sondern der Entstehung, dem Ursprünge »ach,
wvniach ihm der n»gezeugte Urgrund ider Vater) über dem gezeugtenUrgründe (dem Sohne) stand) ähnlich Hippolpt. Vgl. auch HNamers, desLngencs Lehre v. d. Nuferst. Trier 851.
3) Len e.nnlr. Imer. II. 28 u. 1—2. u. 6. Dertnil. ela prnescr. e. 14. ln-ue5, ungut, tun te snlvwn t'ecir: na» exereitutia 8( riptururniu. leckes in raZulaP»sitn Mt, Iindens leZenr et snlntein cke observntiona leZls; excr« itutia nntemn> liirivsitme evnsistit, Inrlnnis gloilani solnin eie seientiao stnckia. Oeilnt enria-«ttrrs ückei. p. 236. u. e. 8. biadis curiositats opn« nau est post Obristuui ,1e-enw nee iinpiisitiank! post evunZelinm. <)»nm ersckiinns, niliil «lesickeramns ultraereaere. Vorher schon e. 7. Ipsue clenigne bnereses n plnlasnplna suborunntur,