168 1. Zeitraum. 1. Periode. 2. Zeitabschnitt. 2. Capitcl.
Werke bestimmter ausgeprägt'). Wenn Christus nämlich die Apostel ansdie Herabkunft des heil. Geistes vertröstete, so wollte er nicht andeuten, alsob die Offenbarung durch ihn noch nicht vollendet sei, vielmehr er-klärte er ausdrücklich: „Er wird cs von dem Meinigen nehmen und derWelt mittheilen (Joh. 16, 13. 14.), er wird von Mir Zeugniß ablege«und euch dann an Alles erinnern, was ich euch gesagt Habs" (Joh. i(26. 15, 21.), so dass er nur das bereits durch Christum Dargebotene derWelt zueigncn und weiter entwickeln sollte. Dieses Verhältnis ganz über-sehend und die Worte Christi: „Noch Vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihrkönnet es nicht ertragen" (Joh. 16, 12.) mißdeutend, behauptete Tertnl-lian, die Zeit der Nachsicht mit der menschlichen Schwäche sei nun vorüber;der heil. Geist habe sich setzt durch Montanus und die beiden Prophetinnenmitgetheilt und die frühere Offenbarung vervollständigt, um das christ-liche Leben zu seiner Vollendung zu führen; darum sei cs unerläßliche Pflichtder Gläubigen, die neuen Gebote des heil. Geistes gewissenhaft zu beobach-ten. Da die katholischen Bischöfe Asiens diese Lügcnpropheten zugleich fürbesessen hielten, wollten sic den Erorcismus an ihnen vornehmen, „wasdiese Heuchler nicht zulicßcn." Als sic nun aber auf mehreren Syno-den verurtheilt und aus der Kirchcngemeinschaft gestoßen wurden, wandte«sie sich um Unterstützung bittend an die Confessorcn zu Lyon und Vienne.Als diese zwar im Interesse des KirchenfriedcnS an die Brüder in Asien undPhrygien wie an den römischen B. Elcutherus schrieben, sich dabei abergegen den Montanismus aussprachen, versuchten die Montanisten ihreWiederaufnahme in die Kirche selbst in Rom. Als der getäuschte Pafst(Elcutherus oder Victor?) sich schon günstig für sie zeigte, enthüllte der nachRom geeilte Confeffor Prarcas ihr trügerisches Wesen, so daß sic auchhier verworfen wurden. Nun steigerte sich ihre Polemik derart, daß ste 'die Lehrautorität der katholischen Kirche bisweilen gänzlich verwarfen). ^Doch zerfielen sie wie alleSekten bald in verschiedene Parteien: Artotyrite«, !Taskodrugiten, Quintillianer, Tertullianistcn u. A. Alssie ^dadurch schon ihrem Verfalle entgegen gingen, wurden später noch die Go-se tz e d e r christlichen Kais er gegen die Kctzer gegen sie angewandtIn Aegypten war der Gnostiker Hierakas ^) seinen asketischen Grund-sätzen nach nicht nur verwandt mit den Montanisten, sondern überbot sie i»Forderung sittlicher Strenge noch um Vieles.
Aus einer leidenschaftlichen Polemik gegen die schwärmerischen Montani-sten bildete sich in einem kleinen Kreise ein anderes Ertrem, wornach nichinur das Prophctenthum der Montanisten, sondern auch die Geistesgabenüberhaupt geleugnet wurden. Da die Montanisten sich aus das Evange-lium Johannis in Betreff des Parakleten und auf die Apokalypse zur Be-gründung ihres Chiliasmus beriefen, verwarfen jene Gegner ver-möge ihrer stachen, einseitigen Geistcsrichtung diese Schriften. Ja sie triebenihre Opposition bis zur Bestreitung der Gottheit Christi und der Lehre von !der Verbindung des göttlichen Logos mit der menschlichen Natur; daher gab !
1) Vgl. Dieringcr, Syst. d. göttl. Thai. d. Christenih. II. Bd. S. 208. ,
D III. 211-220. ,
2) Oe puüicitia c. 21. blt also ecelesm gunlein Oelieta clonnbii, seil >occlesia Lpiri'.ns per spiritualem Iwininoin (lKoutanistnrum), non scelssia nume- i
eprs'coparnm (Datlwlicor.). Domini enini, non tninuli vst jus et arbiiriuni. !Dsi ipsius, non sucerstocis p. 744. — 3) baer. 67. fopp. T. I. p. 709 sg.j !