15i) >. Zeitraum. 1. Periode. 2. Zeitabschnitt. 2. Capitcl.
nicht nur in die Bekämpfung des jüdischen, sondern jeden Sittengesetzes, sich sig.lichcn Ausschweifungen ergebend, angeblich »m durch Mißbrauch und Schwä-chung der Materie dieselbe zn ertödtcn ls-S.115). Ilm aber ihre ebensowillknhrlichen als wunderlichen Ansichten wenigstens scheinbar zu begründen, beriefensich die Gnostiker dem Autoritätsglauben und dem lebendig verkündeten Worte in duKirche gegenüber auf die h. Schrift und eine vermeintlich von den Aposteln einigenAnscrwählteu anvertrautc Geh ei in lehre, weil die Kirche im Lause der Zeit durchfremdartige Zusätze verunreinigt worden sei. Bei dem Gebrauche der h. Schrift er-laubten sic sich aber die zügelloseste Willknhr: verwarfen entweder ganze Bücher,oder einige ihrer Lehre unbequeme Stellen, substituirten »nächte Evangelien »ntApostelgeschichten'), und deuteten vermöge ihrer a l l c g o r i s ch e n A u s l c g uugeinzelne Stellen so maßlos willkührlich: daß sic nach des Irenaus beißend»Bemerkung') im Stande waren, aus dem herrlich geformten und reich verziertenBilde eines Königs das eines Hundes oder Fuchses zu machen, und dann behanp-tele», so erst gleiche das Bild dem Könige.
Sind damit im Allgemeinen die materiellen Bestandtbcilc des Gnosti-cismus angedeutet, so ist doch noch keineswegs der Grund der so sch nellenVerbreitung und der langen Dauer desselben vollständig erkannt. Dafürdürfte cS ersprießlich sein, einen theilweisen Gebrauch von der tiefsin-nigen Ansicht Möhlers ") zu machen und die Anregung hervorzuheben,welche durch daö Christenibum den damaligen religiösen Denkweisen ge-geben wurde.
Den Haupteintheiluugsgrund für die gnostischcn Systeme bildetd er Ausgangspunkt vom hcllenischen vder parsischen Dualismusder ägyptischen und syrischen Gnostrkcr. Daneben aber gibt die verschiedeneStellung, welche in ihnen das H eid enthum, Judeuthum und Chri-stenthum zu einander einnimmt, wie der größere oder geringere Ge-brauch oder die Zurückweisung von Elementen aus diesen Anlaß zu Unter-abtheilungcn *).
Die am meisten ausgcbildeten gnostischcn Systeme sind die dcS Basi-lides, Valentiuian und Marcion, welch letzterer entschieden zmKirchenlchre einlenkt, und statt des theoretischen Len sittlichen Standpunktbetont, während der ManichäismuS, die persische Form der Gnosis,sodann ein dem Gnosticismus mangelndes Kirch enthum anbahnt.
1) 2'erkuK. äs prassen, llasrot: llsru luisrvsis non rsoipit gunsänm soriMrns isacrns), et si guas recipil. non reeipit integrum, tulseetienibus et detraetw-uilms ml (lispasitionem iimkitiui 8ni iiitorvsrlit: er si nlignntennL into^ras prues-tat, nilnlominus diversa» expasitiones eommsntntn eonvvrtit. e. 17. Vgl. Ire-naens. näv. Inrores. III, I.
2) /ren. eoirtr. baer. I, 8. n. I. p. 36.
3> „Der lange in der Außenwelt n. im irdischen Streben versunken gewescmliicnschlichc Geist ist durch das Christenthum mit einer solchen Gewalt »ach Innenu. Oben gerichtet worden, daß diese Richtung bei vielen Christen in ein krank-haftes Ertrem hinauslicf, und sie einen unendlichen Ekel gegen die ErscheinungS-wclt gefaßt batten. Das Wort, in welchem sich diese weltvcrachtcnde Empfindungaussprach, lautete: die sichtbare äußere Welt ist das Böse selbst. Ilmdie sich hier anschließende» Fragen zu beantworten, wendete man sich allerdingsan die älter» Philosophcme, Thevsophicen n. Mpthologicen; allein dieser Schn»nach Außen hin war nicht das erste, sonder» das zweite Moment in daGeschichte der Gnosis." Nach der obigen Mitthcilung aus korply-r. wie naidder ganzen geschichtlichen Entwickelung fand gerade das umgekehrte Bcrhältmß statt!
Eine Zusammenstellung der hiernach gemachten abweichenden Einthcilunqcnder gnost. Systeme bei Neander, Ni ebner, Baur, Giescler, Hase u.Lindncr s. in Kurtz Handln d. allgem. KG. Bd. I. Abth. l. S. 131.