tz. 7l. Entstehung in Grundzüge d. Gnosticismus.
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Allen gnostischen Systemen lag bei Lösung des Problems von der Welt-schopsung acht heidnisch ein Dualismus zu Grunde, und zwar entweder ein ur-sprünglicher oder ein erst gewordener; nämlich Gott und die ewige Materie, jenachdem die letztere parsistisch als von einem bösen Principe beseelt und be-herrscht und darum im Kampfe mit Gott (dem guten Principe), oder plato-nisch als wesen- und gestaltlos f/-.z L„) und dann ohne feindlichen Gegensatz zuGott gedacht wird. Diese wie andere Doctrincn entwickelten die Gnostiker nichtnach Art der Abendländer in streng logischem Denken in abstractcn Begriffen, son-dern i» der Weise des Morgenlandes in bildliche» Anschauungen undallegorischen Darstellungen der Ideen.
Zunächst au Philo's Lcbrc von dem verborgenen, jenseitigen höchsten Gotte(s. S. 66) anknüpfcnd, der mit der materiellen, bösen Welt nicht in unmittelbareBerührung kommen könne, setzte» Gnostiker in Acgyptc n eine sinnlich anschau-liche E ui a » a t i o n S l c h r c. Darnach sei and dem höchsten Gotte, dem In-begriff aller Vollkommenheiten und Inhaber alles Lebens, eine lange absteigendeReibe von immer unvollkommneren göttlichen Geister» s»<^--;) hervorge-ga ngcn'). Durch ein solch untergeordnetes göttliches Wesen sei
dann die Welt aus der ewigen Materie gebildet und die Menschen geschaffen wor-den. Da Manchen aber die Entstehung der bösen Welt auch in dieser entferntenAbstufung von dem höchsten heiligen Gotte nicht zulässig erschien, so verbandenandere Gnostiker in Syrien damit noch die Annahme eines dem höchsten Gotteentgegengesetzten bösen Principes. Dadurch ward unverkennbar aus diespätere Entwickelung der persischen Lehre von Ahriman, dem Geiste der Finstcr-niß und des Bösen hingewicscn, welcher durch seinen Angriff auf das Lichtrcichdes Ormuzd eine Bcrmischung des Lichts mit der Finstcrniß, des Göttlichen undUngöttlichen hcrbcigcfnhrt hatte.
Darin lag den gnostischen Systemen auch die weitere Lehre von der Er-lösung ganz nahe. Es sei, sagten die Gnostiker, zur Befreiung des Geistigen,Göttlichen von der bösartigen Materie ein Aeon der obersten Ord-nung bestimmt, thcils aber solle dieselbe durch eigenes Bemühen vollendet wer-den. Und hier knüpften sic ihre phantastischen Theorien wie Simon Magus undCcrinth an die christliche Lehre von der Erlösung und an die Person Christian. Da sie letzterer bei ihrer Ansicht von der Materie keinen materiellen Leibzuschreibcn konnten, ohne die Sündelosigkeit Jesu aufzugcbcn oder in Frage zustellen, so war der Dokctis m u s in allen gnostischen Systemen eine nothwcn-dige Folge. Doch ward derselbe in dreifacher Form ausgebildet: l) der vonder Materie erlösende Aeon Christus hatte keinen wirkliche» Leib, seine äußeremenschliche Erscheinung war eine Art optischer Täuschung; 2) sein Körper waraus einer himmlisch-ätherischen Substanz gebildet; 3) der Erlöser besaß die Macht,sich zeitweilig eines fremden Körpers als seines Organs zu bedienen. Seine er-lös c n d c T h ä t i g k c i t für die Menschen bestand übrigens nur in der M i t-thcilung einer höheren Erkennt» iß (/»-n--,-) über das Wesen Gottesund die menschliche Natur. Da der Gnosticismus aber die Menschen nach derPlatonischen Trichotomie in . «dax-xsi und sondert, je nachdem
Pneuma, Psyche oder Hyle in ihnen vorherrscht, so nimmt er die Pneumatischenallein als zur befähigt an, während die Psychischen es nur zur
bringcn, und die Hylischcn den bösen Mächten rettungslos verfallen bleiben.
Ans diesen theoretischen Jrrthnmcrn entwickelten sich dann praktische: einefalsche Askese, die ursprünglich einen hohen Flug nahm und sehr strenge war.Nach dem Grunddogma: daß die Materie der Sitz der Sünde sei, war dasPriucip der gnostischen Sittenlehre Losmachung von den Fesseln des De-miurgcn und der Materie, so daß die sittliche» Bestrebungen vielfach vomethischen in das physische Gebiet gezogen, in Bekämpfung der Materie, Ent-haltung von ihren Genüssen, von der Ehe u. A. gesetzt wurden. Später jedochverfielen mehrere Gnostiker in das entgegengesetzte Ertrem des Antin omismu sff),
^ l> Ueb. die Zeit der Entst. des gnost. Aconensvstems sTüb. Q.-Schr. 852.L>. 442—44».)
4) e.tr. tlnnst.imw. <'.15. Nitz sch, die Gesammtcrschcinung des
Antnwinisinus «thcol. Sind. u. Kritiken, 846. H. 2.).