148 I. Zeitraum, 1. Periode, 2, Zeitabschnitt. 2, Capitol,
Walt hatte die Kirche gegen solche Mitglieder zu bestehen, welche die mitSimon MaguS und mit Ccrinthus begonnene theologisch-philosophischeSpeculation in das äußerste Ertrem fortbildetcn, und in der Form des ägyp-tischen und syr i s ch en Gn o st i ci smns aufstellten. Im N. T. bezeichnetim Gegensatz zu ar/bi-ia und >ii'ao<Iieatio ocetasisstiaii eine tiefereErkenntniß der Neligionswahrheiten '), welche nicht bloS bei den historischenThatsachen und den einfachen Glaubenssätzen stehen bleibt, sondern nach denGründen des Gegebenen forscht, eine tiefere Erkenntniß der überliefertenLehre erstrebt. Dagegen betrachteten sich nach dem Vorgänge Philo 's dieVerbreiter des Gnosticismus in selbstsüchtiger Ueberhebung als die Erken-nenden (^wg^avrec), welche neben der öffentlich verkündeten Kirchen-lehre noch eine verborgene höhere Weisheit besäßen, die der Volksmenge(c>l TrnXXvi.) unzugänglich sei. Es galt hier also einen Kamps zwischen deinhistorisch überlieferten Christenthume und einer vermeintlich tieferen Auffas-sung desselben durch Beimischung fremdartiger Philosophen«und Religionsideen. Dadurch sollte eine Art christlicher Geheim- oderesoterischer Lehre innerhalb der christlichen Kirche gestiftet werden, neben wel-cher jedoch die größere Masse der s. g. Psychiker in ihrem durch die Kirchevermittelten Autoritätsglauben ungestört bleiben könnte. Hier prägte sichbereits der C har akter der H är cs i e mit ihren stets wechselnden und sichverändernden Meinungen gegenüber der von den Aposteln überlieferten unddurch den h. Geist in den legitimen Organen bewahrten Einheitder Lehrein der katholischen Kirche vollständig aus.
Das Hauptthema dieser Religionsneuercr ist der ganze Weltpreisund zerlegte sich in folgende Fragen: 1) woherdasBöse; 2) woherdie Materie; 3) wie ist die Welt entstanden (gebildet); 4) wiekam Geist und Materie in Verbindung; 5) wie wird der GeißvonderMateriebefreit (erlöst) u n d z u m G ö t t l i ch c n zurückgeführt?
Die Beantwortung, welche die Lehre der katholischen Kirche über dievier ersten Fragen gab: daß die Sünde aus dem Mißbrauche der Frei-st eit entstanden und die Materie und Welt mit Allem, was sie erfüllt, durcheinen Act der Allmacht von dem Einen Gotte aus Nichts geschaffen schfanden einige zum Christenthume übergctretene Gelehrte, „welche aus der7r«z.ak« cpi,-.ocrochi« (d. (der hellenischen Philosophie im Gegensatzzum vermeintlichen NeoteriSmus des Christentbums) hergekommen wa-ren und sich Gnostiker nannten, für ungenügend')" und suchten sicdeßhalb durch Philonismus, Parsismus und theilwcise Buddhaismus') j»vervollständigen. DieWeltentstehung nahmen sic meist aus dem Hei-denthume, die Idee der Erlösung dagegen aus dem Christenthume, an diePerson Christi anknüpfend. Die letztere ward jedoch so willkührlich umge-deutet, daß sie fast verschwand, weshalb diese Gnostiker vorherrschend Phi-losophen, kaum christliche Häretiker waren, und mehr in die Geschichte derPhilosophie als in die christliche KG. gehören Haben sie ja auch (Mama«ausgenommen) keine christlichen Gemeinden, sondern nur Schulen gebildet,
t) Vgl. l Kor. 8, 7; 12, 8. 3, 2. Hebr. 5, 13-14 u. 6, lj
II Petr. 3, 18. Apg. 26, 3.
2) So berichtet /Är-M«,,-. emisail. II. lib. st. — 3) Die materiellen Zuthatc«in den gnostischcn Systemen aus dem Parsismus weisen besonders Neandcrund Giesel er, aus dem Buddhaismus Schmidt und Baur nach.