Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146 1, Zeitraum, l. Periode. 2. Zeitabschnitt, i. Capitcl.

Os marlzri» I'ül)<mi j>i). Vielmehr hatte das Märtyrertbum seinen Grundzunächst in der Ueberzcugung, cs sei das Mittel, in sich selbst die Liebe Got-tes (Joh. 3, 16.«10, 1 l. 17. 18.) zum Bewußtsein zu bringen und zu bethä-tigcn, gemäß der Vorhcrvcrkündigung Christi: der Jünger ist nicht über de»Äeistcr (Matth. 10, 24. Job. 15, 20.). Das allgemeine Motiv lag in de»beseligenden Worten Christ:: Fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leidtödten, aber die Seele nicht tödtcn können (Matth. 10, 28.); wer sein Lebe«zu erhalten sucht, der wird es verlieren, und wer um meinetwillen sein Lebe»verliert, der wird es erhalten (Matth. 10, 39. 16, 25. Mark. 8, 35. Luk.4, 24. 17, 33.), der wird auch da sein, wo ich bin (Joh. 12, 25. 28.)Noch mehr erhob das Wort: euer Lohn ist groß im Himmel (Luk. 6, 2223.) und wiederum: sterben wir mit ihm, so werden wir mit ihm leben;dulden wir, so werden wir mit ihm (Christus) herrschen, 2 Tim. 2, 12., vonihm vor dem himmlischen Vater bekannt werden. Die Bedingung dazu war,daß ste ihn vor den Menschen bekannten (Matth. 10, 32. Luk. 0, 26.). Mannannte daher auch diejenigen , welche den wahren Glauben an Christus mitihrem Blute bekannten und besiegelten, Zeugen sua-g-r-r-gec) der Göttlich-keit der christlichen Religion; die den Glauben nur unter Lebensgefahr oberbei dem Verluste der Chre und irdischen Güter bekannten, ohne den Tod z»schmecken, hießen Bekenner (scml'sssorr-s).

*Diese allgemeine Hingabe in den sonst schauervollen Tod unter dem frcu-digen Ausrufe: Christus ist mein Loben, Sterben mein Gewinn (Phil. 1,21.), hat zur Befestigung und Verbreitung der christlichen Kirche nicht wenigbeigetragen: das Blut der Märtyrer wurde ein Saamc der Christen, wieTertullian so schön gesagt hat. Dieses welthistorische Factum des Mär-tyrerthumö hat aber auch daö eigenthümliche Wesen der katholischen Kirchebekundet. Wie sie nämlich ganz in den Leib Christi ausgenommenist'), so theilt sie auch mit ibm das Märtyrerthum des Kreuzes. Darm»starben auch nur ihreBekenner so häufig und freudig, während von den Hä-retikern und Schismatikern nur sehr wenige den Tod der Märtyrer litten')sich nicht alsAeste desKrcnzes zeigten! Sie nannten sogar dasBekemit-niß des christlichen Glaubens vor den Menschen nichtig, und den Märtyrer-tod einen Selbstmord, da daS Bckenntniß im Innern genüge. Solche Aus-flüchte rügte die katholische Kirche als Sophismen zur Beschönigung dcrFeig-hcit; sie erschienen ihr verdammlich'). Ihr unveränderlicher Grundsatz war:die innere Gemeinschaft aller Gläubigen müsse sich in einer entsprechende»äußern bcthätigen; wer den Glauben im Herzen trage, müsse ihn, woeSgelte, auch offen bekennen; die innere Verbindung mit Christus gehe verlöre»,wenn die äußere verleugnet würde. Ehe sich daher die Christen von Christo,

1) Hmat. vp. -ul 1i-a.II. II. 2) ./ttdtrn. blart. azinl. I. e. 26. lertnitseurpiace e. I .: tzumu iMtur tülos uestuat. st eeclssia exuritur äs tigurarudi.kniro KnosenMnt, tune «muss mruts-

rim»m rotia^atorss ebulliunt, (-alsntes st Prä'onilore, liZsrs, ossielsrs. p. 816.

3) LVcm. ström. IV, 4. p. 571.:Die Einen sagen, das Märtyrer-tbum bestehe in der wahren Erkenntniß; Zlndcrc, es wäre Selbstmord, wenn im«mit Gefahr seines Lebens Gott bekenne; nach Anderen gibt die Furcht ähnlich«Soph-smen ein. Die katholische Kirche dagegen fordert von ihren Mitglieder»,wenn sic auch Sclbstangcbcrci aus guten Gründen nicht billigt, dennoch strenge,daß der Glaube an den Sohn Gottes vor der Obrigkeit offen bekannt, wo mög-lich vcrthcidigt, immer aber mit dem Opfer des Lebens selbst das Bekenntnisnöthigenfalls besiegelt werde." Vgl. ström. IV, 7. p. 582 sg. IV, lO. p. 5ö7