Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

§. 68. Die Lage der Christen im 3. Jahrhundert.

135

mehrt. Da das Bekenntniß jetzt nicht wie früher schwere Opfer forderte,hatten sich denselben auch viele Unberufene beigesellt, und diese vermehrte»noch durch ihre sittliche Lauheit die schon in einzelnen christlichen Gemeindenbervortretendc Erkaltung der christlichen Bruderliebe. Es bedurfte darumeines reinigenden und verzehrenden Feuers, welchesDecius (24951)

anziindete, welcher Philipp entthront hatte. Seinen Regierungsantritt er-öffnet? er mit wohlerwogenen Reformen im Heere und Senate, wo er dieCensorwürde wiedcrherstellte. Das verrieth die Absicht, daö vielfach zer-klüftete römische Reich durch Wiederherstellung der alten Religio«, Sitte undInstitutionen wieder zu einigen und zu neuem Ruhme zu erheben. Darumerließ er Strafgesetze gegen das Christenthum. An alle Proconsuln ergingder Befehl, die Christen anfznfordern, ihre Religion zu verlassen und denGötzen zu opfern. Die Widerspenstigen sollten durch die Tortur dazu ge-zwungen werden. Schon die Bekanntmachung des Edicts erregte allgemeineBestürzung; zahlreiche Christen, besonders der höheren Classe, fielen ab.Da Decius es auf gänzliche Ausrottung der christlichen Kirche besondersdurch Beseitigung der Geistlichen abgesehen hatte, war gleich zu Anfangdie Todesstrafe gegen die Bischöfe bestimmt worden. Das Motivdazu war keineswegs, wie Eusebius meint, sein Haß gegen Philippus Arabsund dessen Stellung zum Christenthume, auch nicht eine besondere Vorliebefür die heidnische Religion; vielmehr schien ihm zum klaren Bewußtseingekommen zu sein: daß das Christenthum seinem innersten Wesennachsichniemalsmitdem römischen Staate undseinerTen-denz vereinen lasse. Darum drang er auf Ausrottung der Bischöfe,Zerstörung der Tempel, Anwendung der raffinirtesten Qualen, ohneRücksicht auf Alter, Stand und Geschlecht. Die Kirche hatte den Schmerz,viele im Glauben wanken, heucheln oder ganz Schiffbruch leiden zu sehen(lapsi: tllm il'icoti, sucrillcsti liOollatici, acta laoiontcs). Doch habendie meisten denselben mit ihrem Tode besiegelt, u. A. die Bischöfe Fabianvon Rom, Babylas von Antiochien, Al er and er von Jerusalem, Pio-nius, Presbyter von Smyrna. Die Flüchtigen retteten zwar ihr Leben,verloren aber Vermögen und die Erlaubniß zur Rückkehr '). Als Deciusgegen die Gothen gefallen war, ließ die Verfolgung unter Gallus undVvlusianus (25153) etwas nach, und die Christen erfreuten sich inFolge politischer Wirren einiger Ruhe; die Verfolgung beschränkte sich aufVerbannung der Geistlichen. Der römische B. Cornelius, sein Nach-folger Lucius u. A. wurden verwiesen, nachher hingerichtet'). Doch selbstdie Bedrängnisse durch die Gothen und andere Barbaren, die EroberungAntiochiens durch die Perser, die ausgebrochene Pest, was Alles von dem em-pörten Pöbel den Christen zur Last gelegt wurde, konnten den Kaiser nicht zuso grausamen Maßregeln gegen die Christen bestimmen, wie sie unter Deciusangewandt wurden.

Sein Nachfolger Valerianus (25300) war anfangs den Christengünstig, doch brachte ihn sein Vertrauter und Günstling der ägyptische TheurgMacrianus zu einer planmäßigen Verfolgung derselben. Er verordnete zuerst(257): daß die Bischöfe und Priester erilirt, die religiösen Zusammenkünfte

I) L'r^. VI, 3942. T'mctant. de mortib. porsceuwr. c. 4. tV/M'/a». dulapsis kt cgp. ill, tkmyniüs. 2) b. b. c. Vll, I.

t'M,-. cy. 57. 204. cg. 58. Ob. ail llkiuctiiou. ji. 431.