134 I. Zeitraum. I. Periode. 2. Zeitabschnitt. 1. Capitcl.
Uebermaaße von Ausschweifungen und knabenhaftem Uebermuthe vergaß erfast der Christen und schonte sie, um sie desto eher für den syrischen Sonnen-dicnst zu gewinnen'). Nach seiner Ermordung ward der ihm ganz unähn-liche Alexander Severus (222—35) zum Kaiser erhoben. Er hattevon seiner Mutter Mammäa, welche sich durch die Vorträge des Origencöangezogen gefühlt hatte, Vorliebe für das Christenthum erhalten. In dmBetsale (Inmiinm) stellte der treffliche Jüngling neben den Bildnissen desOrpheus und Apolloniuö von Tyana auch die von Abraham und Christusauf. Den Grundsatz der christlichen Sittcnlehrc bei Matth. 7, 12. führteer stets im Munde, ja er schmückte mit dieser Inschrift den Eingang seinesPalastes und andere öffentliche Gebäude ^). Die Sorgfalt der Christen beider Wahl ihrer Vorsteher pflegte er als Muster für die Ernennung obrig-keitlicher Personen zu empfehlen. Während dieser 20jährigen Ruhe sah manbereits an vielen Orten christliche Gotteshäuser entstehen.
Aber nun begann eine neue Verfolgung unter Alexanders Nachfolger undMörder Maximinus Thrax (235—38). Er verfolgte die Christen,weil Alexander sie begünstigt hatte, und er befürchtete, sic möchten seinen Todrächen. Auch fachten abermalige Erdbeben die Wuth des Volkes gegen dieChristen an. Aus seiner kurzen Regicrungszcit erwähnt die Geschichte beson-ders unter den Geistlichen mehrerer Bekenner: den Diakon Ambrosiusund Priester Protoktctus zu Cäsarea, und vieler Märtyrer; der Bi-schöfe Pontianus und Anthcrus von Rom'). Auch das vielbesprocheneMärtyrerthum der heil. Ursula und ihrer Gefährten wird in jene Zeit ver-setzt, zuverlässiger aber nach bestimmten Andeutungen der Legende in die ZeitAttila's nach 451 angenommen"). Nachdem die Soldaten den rohenThracicr erschlagen, saßen Pupicnus und Balbinuö vorübergehend auf demThrone (238); Gordianuö hielt sich bis 244 durch die Siege seinesFreundes Mesitheus im Orient. Nach dessen Tode aber machte PhilippusA rabs ihm daS Heer abwendig, und beraubte ihn des Lebens und desThrones. Während seiner Regierung (244—49) bewies er den Christensolche Gunst, daß sie, eingedenk der frühem Verfolgungen, glaubten, er seiselbst ein Christ. Nicht lange nach seinem Tode ging sogar die Sage, erhabe am Osterfeste an der Feier der heil. Geheimnisse Theil nehmen wolle»,sei aber wegen seiner frühem Frevel vom B. Babylas von Antiochien vor-läufig abgewiesen worden, und habe sich den Büßenden bcigcscllt'). SeineGemahlin Scvera stand mit Origenes in Briefwechsel.
Während der längem (fast 40jährigcn) nur durch Maximins kurze Ver-folgung unterbrochenen Ruhe waren die ärgsten Vomrtheile gegen die Christenverschwunden, und die Zahl der Gläubigen hatte sich darum bedeutend ver-
1) ck-amM/ck/us in Ilsliozab. c. 3.
2) L'r«.?eü. VI, 21. 28. Da»y>ri'ck. in Xlex. 8ever. c. 22. 28. 29. 43. u. 41.
3) TÄseü. VI. 28. u. 29. — 4) Die Angabe von 11,000 Jungfrauen hatman neuerdings mehrfach als falsche Deutung d. Lesart Ursula et XI. N. (artxros)V. (irchiios) od. Ursula et Dnckecimilla v>m. wart, nämlich in Ursula et XI.will. virA. bezeichnen wollen s. Floß im Aschbach'scheu Älcxikon Bd. IV. S.1102—8. Jungst sind ausfnhrl. Untersuchungen erschienen in d. Forts, von Äü-tanck. acta Lancturum ack 21 Oetolir.
5> ckt'n.eeb. !i. v. VI, 34. u. 36. und im cbranic. ml a. 246. (aber nur inder latcin. Uebcrsctzung des Hieronymus nicht im ächten Texte der arab. Ver-sion! wird Philippus bestimmt der erste christliche Kaiser genannt, was aberanderwärts Eusebius ausdrücklich Eon staut in d. Gr. vindicirt.