§. 68. Die Lage der Christen im 3. Jahrhundert
l33
seiner Verhöhnung der Bruderliebe und des Märtyrerthums der Christenmußte er wider seinen Willen ein treffliches Zeugnis; für ihre Würde ablegcn')(s. unten 8. 92). Die heroischen Tugenden der Christen verhöhnte er alsblinden Aberglauben, und sie selbst als gutmüthige betrogene Menschen. Cel-sus, wohl derselbe, an den Lucian seinen Alerander gerichtet, eignete sichin seiner s. g. wahrhaften Rede, obschon er wahrscheinlich Epikuräeroder Eklektiker war, plato »i'sch e und stoische Sätze an, um das Christen-thum desto gründlicher zu widerlegen'). Seine Angriffe sind zunächst gegendie göttliche Würde, Sendung und die Lehre Christi gerichtet, und sollen ihnals boshaften Betrüger darstellcn. Seine wunderähnlichen Thaten hättennichts Auffallendes, da man sich solche von ägyptischen Gauklern täglich könnevormachen lassen. Und selbst wenn er wirkliche Wunder verrichtet hätte,seien die Christen nicht berechtigt, ihn für den Sohn Gottes auszugebcn, daja auch die Heiden den Aristeas von Prokonnesus, Abaris den Hyperboräeru. m. A. ungeachtet der von ihnen verrichteten Wunder nicht für Götter oderSöhne Gottes ausgegeben hätten. Die Christen suchte er als beschränkteMenschen zu verhöhnen, die immer nur blinden Glauben und unbedingtenGehorsam fordern, mit dem auch ihre Lehre allein bestände, da sie nicht diegelindeste Prüfung aushielte. Nichtig sei ihre Berufung auf Erfüllung vonWeißagungen des A. T. in und durch Christus; dagegen gäbe es unter ihnenso viele Spaltungen, daß sie fast kaum mehr als den Namen gemeinsamhätten, so daß man nicht recht wisse, wovon man bei den Christen reden solle.
§. 68. Im 3. Jahrhundert.
Unter dem Sohne des Severus Caracalla (211—17), der seinenBruder Geta meuchelmördcrisch beseitigt hatte, fehlte es nicht an einzelnenVerfolgungen; denn er erließ kein besonderes Gebot, die Christen zu schonen.Es bedurfte darum einiger Zeit, ehe die veränd erte Gesinnung und Po-litik des neuen Herrschers das Schicksal der Christen in allen Provinzen mil-derte^). Caracalla'S Mordanschlag auf Macrinus, den Obersten seinerLeibwache, schlug in seine eigene Ermordung um. Macrinus schwang sichauf den Thron und erleichterte das Schicksal der Christen während seiner19monatlichen Regierung durch das Verbot: irgend einen wegen des Ver-brechens derVer ach tung derGötter zu verurtheilen"). InFolge der Unzufriedenheit bei dem Heere ward er getödtet, und der 14jährigeEnkel Caracalla'S, Avitus Bassianus, von dem syrischen Sonnengotte Helio-gabalus genannt, aus den Thron erhoben (218—22). Er wollte denCult des Heliogabal zum alleinherrschenden machen, und die Verehrung derrömischen Schutzgötter, wie Jebovah's und Christi damit verbinden. Bei dem
1) Tne/nnl opp. ed. Ue/rma-rn. Ups. 822. 9 3'. Das Christcnth. berühren nur:H e. 25. 28. 7757 7 -7-:; N5,77L'/,2>-,ou c. 11 —16.
I, 22. 30. II, 4. II. vgl.LVe/rstnck'/ prog'r. : Lneianus NIIM serip->is suis ndpivare relißlonsin ebr. volusrit? C. G. Jacob, Charakteristik Lucian's.Hamb. 832. Ucbcr den dem Lucia» fälschlich zugcschriebenen Dialog „Lln'Iopn->ris" s. unten 8- 103. zu Anfang.
2s 6'etsud', die Hauptsätze in d. Widerlegung des Origcncs ent-
halten. (Opp. Or,F. od. cks ka Äne 3'. 1). Vgl. It'e-rAsr, clo 6olso Upicnreo.Uavn. 828. Le 6olsc> disputntnr et Irn.o'mento. liliri enntr. Lbristinnos eolli-zumui'. kexittm. 836. 4. de Cslsi plnloseplmndi Aknere. Lvral. 836.
Bonner Ztsckr. f. Philos. u. kath. Theos. H. 21. Baur, die ckr. Kirckc d. 3erst. Jahrh. S. 368—95 mit tcndcntiöscr Ausführlichkeit!
3> vertut/, od 8eopnl. e. 4. k/tziiM!/. lilib. X. de ettlein Lroeons.
z. je». Zeit geschricb. vgl. Uaotant. inst. dir. V, 11. — 4>/1/o (>«««. lib. 78. e. 12.