65. Die Ursachen der schnellen Verbreit, des Christentums. 125
Flug nimmt Ter tulli an: „Die Panther, Meder, Elamiten, ruft er aus,die Bcwobner Mesopotamiens, Armeniens, PhrygienS, Cappadociens, vonPontus, von Kleinasien, von Aegypten, Cyrene, die vielfachen Stämme derGetuler und Mauren, die Völkerschaften Spaniens, Galliens, Britanniens,Gcrmaniens u. s. w. haben Gläubige in ihrer Mitte." An einer anderenStelle behauptet er: die Christen seien zahlreich genug, um so bedeutendeHeere wie die Parther und Markomannen ins Feld zu stellen. Doch darf beidiesen Schilderungen nicht unbeachtet bleiben, baß doch überall den Christeneine weit überwiegende Anzahl von Heiden gegcnüberstand. Das geht schondaraus hervor, daß unter Constantin d. Gr. und seinen Nachfolgern noch sogewaltige Maaßregeln nothwendig waren, um das Heidcnthum im römischenReiche zu unterdrücken, sa daß selbst 50 Jahre nach der öffentlichen Anerken-nung des ChristenthumS der Kaiser Julian abermals den Versuch machenkonnte, das Heidcnthum zur Staatsreligion zu erheben,tz. 65. Die Ursachen der schnellen Verbreitung des Christen thums
liegen zum Theil inänßern Umständen,, noch mehr aber imGeistedeSChristenthumS selbst. In Betreff der elfteren ist an daS Resultatunserer historischen Einleitung rcsp. an die negative und positiveVorbereitung auf Christus unter Heiden und Inden zu erinnern (S. 71 ff.1,welchesämmtlich Weißagungen über einen zukünftigen Erre tter hatten').Dem im ganzen römischen Reiche tief empfundenen religiösen Bedürfnisse,das weder die philosophischen Bestrebungen, noch auch der hierher verpflanzteorientalische Cultus befriedigen konnte, kam daS Christenthum entgegen undstillte den angstvollen Ruf des Sünders.
In Betreff des letztern empfahl sich die christliche Lehre denunbefangenen Gemüthern unter den Heiden wie unter den Juden (Matth. 7,28—29.) als die wa hre R el igi o n mitinn erer Kr aft (Röm. 1,16.).Sie gewährte dem Zweifelnden Zuversicht, dem Sünder Trost, dem Ver-brecher Gnade, den Armen dieser Welt die Hoffnung himmlischer Freuden.Den Sklaven predigte sie eine höhere innere Freiheit und lehrte sowohl sicals auch ihre Herren die Menschenwürde kennen und achten. Dabei wirkteauch noch wohlthätig das große Gottvertrauen, mit welchem die Missionäresprachen, indem sie zugleich die Weißagungen der Propheten über Christus,wie die heidnischen Sibyllen als erfüllt darstellten. Noch mehr wirkte2) der W a nd el dieser Glanbensboten, so wie das Leben der erstenChristen überhaupt. Durch ihre Erhabenheit über die Welt, ihre Sitten-reinheit, ihre gegenseitige aufrichtige Liebe, ihre Woblthätigkeit, Sanstmuthund Versöhnlichkeit gegen ihre Feinde, besonders durch ihren Heroismus fürdie Sache Gottes in den Verfolgungen erregten sie Staunen, und selbst dieHeiden konnten ihnen ihre Bewunderung nicht versagen. Die Christen, sagtder Heide Cäcilius bei Minutius Felir, lieben sich, ehe sie sich noch kennen;und Tertullian erwähnt des staunenden Ausrufes der Gegner: Sehet,wie sie sich untereinander lieben, und wie sic für einander zu sterben bereitsind ). Ganz besonders erregte aber 3) die Freude und der Hcldenmuth, mit
1) lieber die Chinesen s. Windisch mann, Gcsch. d. Philos. im Fortg. u. s. w.
l. Th. S. 364 ff. u. 434; üb. d. Perser vgl. ilo IM. vt, Osiiiel. < .
>7. u. Zcnd-Avcsta, übers, v. Kleukcr. II. Th. S. 175. III. LH. S. tll., d.Anhang Klcukcr's z. Zend-Avesta I. Th. S. 127—441. "Lasaulr, Sühnopferd. Griechen u. Römer, ihr Verhält«, zu dem aus Golgatba Würzb. 844.
2) Te/'tutt. upolagst. o. 39. e. 9.