Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

OK I. Zeitraum, !, Periode, I, Zeiladsebnitt, 2, (lapiiel,

gegen die römische Macht ss, 66); die dem Eestins Gallus bcigcbrachleNiederlage erniutbigte sie. Da nechete aber schon furchtbar der Tag heran,an welchem das entsetzliche Wehe, welches der Heiland mit Thräncn vorherverkündet hatte, über Jerusalem hereinbrcchen, daS Blut des Gottmenschenüber die Kinder des verworfenen Israels kommen sollte. Nero ernannte denVcspasian zum Fcldhcrrn gegen die Juden, der »ach Bereinigung mitsciniem auS Aegvvten hcrbcizichcndcu Sohne Titus mit großer Heercsmachl(67) in Galiläa einrücktc. Nach hartnäckiger -Massiger Verthcidigung nahmer die stärkste Festung Galiläaö, Jotapata ein: 40,000 Juden wurdenerschlagen; nur wenige mit ihrem Anführer Io sep huS kamen mit dem Lebendavon; ganz Galiläa mußte sich sogleich ergeben. Mit Ungeduld wolltenschon setzt die siegreichen römischen Soldaten durch die Zerstörung Jerusalemsden jüdischen Krieg beendigen; doch Vcspasian wollte erst durch die unter de»Juden ausgcbrochcnen Zerwürfnisse und Spaltungen den geeigneten Zeitpunktabwarten. In Judäa stritt nämlich die unbesonnene und kampflustige Jugendgegen die friedfertige Gesinnung dcS durch Erfahrung gereiften Alters, undgewann auf Jerusalem loSstürmcnd durch I o h a n » von Gisch ala Ansnabmc. Vespasian unterwarf ganz Judäa und blich im Frühjahr 68 drohendvor de» Mauern Jerusalems stehen, um erst die Befehle dcS ncitzm nachNcro's Tode auf de» Thron erhobenen Kaisers zu erhalten. Als er in Folgemehrfacher Gcwaltscencn im römischen Heere zum Augustus ausgcrufen wurde,führte Titus von Cäsarca ans i, I. 70 gegen Ostern, wo außerordentlichviel Volk in Jerusalem zusammcngcströmt war Z, »och größere Streitkräflegen Jerusalem, dessen Eingeweide blutgierige Kämpfe zerfleischten.

Die Christen, setzt eingedenk der Worte ihres Herrn:Wenn ihr dieStadt von Heeren umlagert sehet, so wisset, daß ihre Verwüstung nahe ist,"flüchteten nach Pella in Pcräa, Die Juden in Jerusalem sahen nun alle übersie von dem göttlichen Heilande gcweißagtcn Drangsale (Matth, e. 24. Luk,2 l, 6 ff.) b u ch st ä b l i ch in Erfüllung gehen. Doch Bürgerkrieg, Hunger undBedrängnisse jeglicher Art beugten ihren hartnäckigen Widerstand nicht. Diewahnsinnige Wuth des Hungers und der Verzweiflung offenbarte sich in dergräuelvollstcn Gestalt an Maria, Eleazars Tochter. Die Rotte dcS S imonhatte dem vornehmen rsschcn Weibe alle ihre Habe gewaltsam entrissen; sicverschmachtete vor Hunger, und sah auch ihren Säugling an den vertrocknete»Brüsten verschmachten, Da tödtcte sie das Kind ihrer Liebe und ihrerSchmerzen, briet cs, verzehrte die eine Hälfte, die andere aber lieferte sic derwiederholt gierig spähenden Rotte mit furchtbarer Besonnenheit und dumpfbinbrütcnder Wutb mit den Worten aus:Es ist mein Kind; und mein ist dieThat; esset, denn auch ich; oder wollet ihr mitleidiger und zarter sein alsein Weib, eine mitleidige Mutter?" Blitzesschnell verbreitete sich die Kundcvon dem furchtbaren Gräuel durch die Stadt und selbst im römischen Lager,Aber ancb dieses Entsetzen und die Erinnerung an die wcißagenden WorteEhristi:Selig sind (dann) die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht ge-baren, und die Brüste, die nicht säugten," blieben an den Inden fruchtlos!Da ergriff aber die überlegenen Römer mit dem Abscheu das ungeduldigeVerlausten, solchen Gräuel in den Trümmern der Stadl zu begrabe». Furchtbar war der Fall Jerusalems, Trauer und Entsetzen erregend die Einäscherung

l) Nach 7-7,<v, 4n IwIM ,I,u>, Vl, !>, waren zusammen 2,700,000 Men-

schen ; 7Vre, Pwl, V,, 43, will nur von 600,000 vernommen habe».