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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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97
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§ 5l. Zerstörung Jerusalems. Trennung t. Kirche von d. Synagoge. 97

andere Anverwandte auf Pontia verweisen, den Apostel Johannes aufPatmoS verbannen'). Confiscation der Güter soll eines der leitendenMotive gewesen sein. Einige Anverwandte Jesu citirte er als seine vermeint-lichen Nebenbuhler nach Rom, entließ sie aber beim Anblicke ihrer vonschwerer Arbeit genarbten Hände '). Unter Nerva's nur kurzen Regierung(gggg) wurve die seither erhobene Klage aus Gottlosigkeit und jüdischeGebräuche als unbegründet abgcwiesen ').

§.51. Zerstörung Jerusalems. Trennung d. Kirche von d. Suuagoge.«/ox. ils ball« .Iml. libl». VII. fopp. eck. //«osreamF.) eil. l'ui-iUvollOxou. 857. 5. Val. (erzählt größtenthcils als Augenzeuge.) a. d. Grieck.übers, m. geogr. u. histor. Erlänt. Gsrörer, Sttütg. 836. 2 Thl. Trrc//.lii-it. V, I15. /At-re/-. li. a. lll. 58. Stolberg, Th. VII. S. 1165.

Das Judenthum als Vorbcreitungsanstalt auf das Christenthum hattemit dem Eintritt deö letzteren seine welthistorische Sendung und seinen Zweckerreicht; eS mußte darum nach dem ewigen Rathschlusse Gottes dem Christen-thmne weichen. Jerusalem mit seinem Tempel als Mittelpunkt des jüdischenCultus hatte jetzt nicht mehr die srübere Bedeutung, und das fernere Bestehenderselben war »ach mehrfachen Erfahrungen dem Ehristenthume sogar nachthei-lig. Sie drohten den Christen mit einer doppelten Gefahr: derVerfolgung,besonders von Seiten der Judenchristen, die ihrerseits bei dem immer nochnicht abgebrochenen Zusammenhänge des christlichen Cultus mit dem Central-punkte des jüdischen, einen dem Christcnthume ganz fremden Sonderungsgeistgegen die Heidenchristen geltend machten, oder einer beklagenswerthen Ver-- Mischung des ChristeuthumS mit dem Judentbume. Die Zerstörung Jeru-salems und des Tempelsmit einer Bedrängniß wie sie nie warnoch sein wird" (Matth. 24, 2l.), war daher für daS fernere Gedeihender Kirche Christi ein höchst bedeutungsvolles Ereigniß *). Darum hattees auch der göttliche Erlöser, als der von Hcrodcs d. G. umgebaute Tempelnoch in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit da stand, bestimmt vorher -gesagl (Luk. 21, 5 ff.). Die Juden, einst zur Erfüllung der göttlichen Zweckedie auserwählten Werkzeuge in der Hand Gottes, wollten jetzt durch ihrenP ar kieula rismns gegen andere Nationen aus Vorzüge trotzen, für welchesie kein Verdienst hatten. Weder die rührendsten Beweise des Erbarmens,noch das strengste Zuchtmittcl hatten dies hartnäckige Volk dahin gebracht,sich mit freier Selbstbestimmung seinem hohen Berufe und den AbsichtenGottes zu fügen. Selbst die erhabensten Weissagungen von dem Er-löser hatten sic rein politisch und particularistisch gedeutet, und erstrebtendamals gerade deren Realisirung um so leidenschaftlicher, je mehr dieseErwartung durch die von dem schmachvoll verworfenen Jesus gegründeteKirche und durch den Fortbestand vcs römischen Reiches getäuscht wurde.

Der Druck der römischen Procuratoren zu Cäsarea erschien dem frühernLieblingsvolkeJehovahS als ein zu rächender Frevel, und führte endlich unterdem. Stattkalter Gessius Florus (s. 1,4) einen offenen Widerstand her-bei, als ein Heide in der Nähe der Synagoge den Juden zum Hohn Vögelopferte. Als der Statthalter sich auf die Seite der Heiden stellte, wälztesich ker Aufruhr nach Jerusalem und trieb die Juden sogar zur Gegenwehr

l l Imoe. 56. 6 . o. l II, 18. 2> I>. o.

UI. ,20. - 5 . (Ä-m. I,X.V1ll, 1.

*) Vgl. Dierinsirr,Svstem d. göttl. Lhm. Bd . I. S. 240 ff. bcsonv. 362396.ÜUzog'ö Kirchcngcschichtc. 7. Auflage. 7