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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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90
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t. Zeitraum, i. Periode. I. Zeitabschnitt. 2. Capitel.

seine erworbene klassische und jüdische Bildung, seine reichen Talente, seine» kräf-tigen Willen und sei» feuriges Gcmiith, noch mehr aber durch die Verb indnngmit Christus (Gal. 2, 20. Phil. 4, l3.) war er zur Losung von Aufgabenbefähigt, fiir welche kein anderer Apostel in gleichem Maße geeignet erschien.

Durch ihn wurde die Kirche Christi am weitesten nach Außen verbreitet, undihre Lehre dem Juden- und Heidcnthnmc gegenüber in ihrer ganzen Tiefeerfaßt und in bewunderungswürdiger Klarheit enthüllt. Indem der Wcltapostelzu richtiger Würdigung der Stellung, Bedeutung und Aufgabe des Christcnthumsin der Weltgeschichte wiederholt aufden von Anfang der Welt her ver-borgcncn göttlichen Rathschluß" hinwcist (Ephcs. l, 412. 3, 812.Nom. 16, 25. 26.1, welcher den prophetische» Weißagnngcn gemäß durch Chri-stus in der von Gott bestimmt bemessenen, der Fülle der Zeit (Galat. 4, 4.Ephes. 1, lO.i ausgeführt werden sollte; so bezeichnet er das Verhältnis; der vor-christlichen und aller Zeit überhaupt zu Christus also: Christus sei der Mittelpunktaller Zeit, das Ziel (--);) des ganzen Mcnschcngcschlecbtcs (Ephcs. 1, 4.; Tit.I, 3.; I Timoth. 2, 6. Rom. Cap. 1. u. 7. Galat. 3, 24. Apg. 17, 2627.).Dem Judcnthumc gegenüber erklärte er: der A. B. müsse dem N. T. weichen;das Heil bcruhcnicht aus Werken des Gesetzes, sondern wie schon das BeispielAbrahams gezeigt, ans dem Glauben an Christus. Bei Gott gelte kein An-schn der Person, darum können die Heiden wie die Juden ohne das Medium dcSJudcnthums Christen werden. Aber auch vorwärts schauend lüftet er den Schleier,der die diesseitige Zukunft des Menschengeschlechtes deckt (Nöm. Cap, 11.), indemdie Betrachtung der ganzen zeitlichen Entwickelung der verschiedenen Völkermafscnzum Gottcsrcichc sich in dem Aussprüche auslöst:von ihm und durch ihn und Zuihm sind alle Dinge" (Nöm. 11, 36->- Und sogar über die Periode zeitlicherEntwickelung den Blick in die weite Zukunft erbebend, erklärt er den Ausgangs-punkt derselben dann ciiurctend:wo Gott Alles in Allem sein wird" (1 Kor. l5,28.). Durch diese Andeutungen hat der Wcltapostel die Grnndzüge einer wahrenPhilosophie der Geschichte nicdcrgclegt. In der Entwickelung dieses Jdecn-krciscs wie überhaupt in seiner ganzen apostolischen Thätigkeit erschien PaulüSsogleich als eine neue Geburt in Christo (2 Kor. 5, 17.). Dieser gänzlich»mgcändertcn Denk- und Sinnesart war dann auch eine Acndcrnng des NamcnSin Paulus (Apg. 13, 9.) angemessen, wofür die gewöhnliche Sitte bei denNabbincn, das Beispiel Petri wohl das Vorbild, und die Bekehrung des Statt-halters Sergius Paulus vielleicht de» Namen gab (Apg. 13, 7 ff.).

§. 46. Ankündigung d. Christenthnins unter den Heiden.

Dem Petrus, der von Samaria aus die Seestädte besuchte, war in einerVision auch die Aufnahme der Heiden in das Christenthum eröffnetworden: da taufte er den Centurio Cornelius zu Cäsarea, der wahr-scheinlich ein Proselpt des Thores war. Dies erregte anfangs große Unzu-friedenheit unter den Judcnchristen, besonders in Jcrusalein. Da aber Petrussie belehrte, daß dies auf eine besondere göttliche Offenbarung ge-schehen sei, und daß die Heiden bei der Taufe in gleicher Weise wie dieJuden die Gaben des heil. Geistes empfangen hätten (Apg. e. 10. u. o. 11.),so beruhigten sie sich, und gewöhnten sich vorläufig daran, daß die Heidenohne vorhergegangcne Beschneidung getauft wurden; doch sollten dieselbengleich den Prosclytcn des Thors zur theilweisen Beobachtung des mosaischenGesetzes verpflichtet sein. Unter dieser Voraussetzung wurden zahlreicheHeiden zu Antiochien (Apg. 11, 20.) unter die Gläubigen ausgenommen,als zumal Paulus mit Nachdruck Hervorbob: daß der Mensch nicht durchWerke des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Christus und seine Gnadegerechtfertigt werde, das mosaische Gesetz auch nur temporär sein und einenpädagogischen Zweck erfüllen sollte. Bald stellten jedoch einige bekehrte jü-dische Priester und Pharisäer mit ihren Anhängern sogar an diese Heiden-christen die strengen Anforderungen der Proselyten der Gerechtigkeit. Diese