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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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89
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§. 45. Der Christenvcrfolger Saulus; dcr Weltapostel Paulus. 89

ducäer gegen sie; die letzter» wurden besonders durch die laut verkündeteAuferstehungs-Lehre verletzt (Apg. 4, 2. 5, 17. 23, 6.). Sie zogen daherPetrus und Johannes vor den hoben Rath, der sic nach dcr Autorisation fürihre Lehre fragte (Apg. 4, 3.). Er gebot ihnen Schweigen; sie erklärtenaber mit Freimüthigkeit:man müsse Gott mehr als den Menschengehorchen, unmöglich könnten sie von dem schweigen, was sie gesehenund gehört hätten" (Apg. 4, 192N. 5, 29.). Aus Furcht vor der Volks-wuth wurden sie mit verstärkter Drohung entlassen. Dem Muthe der Apostelkonnte aber nichts mehr Schranken setzen (Apg. 4, 31.), und der hohe Rathmußte den Vorschlag des edlen, aber unentschiedenen Gamalicl ) befolgen:man solle abwarten, ob sich dieses Unternehmen als Sache Gottes bewährenwürde" (Apg. 5, 38. 39.). So wurde der Fanatismus der Sadducäcr nocheine Zeitlang zurückgehalten. Da aber dje neue Lehre immer mehr Eingangfand, wurde sie Gegenstand von Streitfragen, die mit um so größerer Hef-tigkeit geführt wurden, als frühere Lehrer des Judenthums nun als Verthei-,digcr und Verkündiger des ChristenthumS austraten und ihren Feinden über-legen wurden. Einen solchen Sieg der Wahrheit büßte in diesem Kampfeder Diakon Stephanus, zufolge seiner begeisterten und schön gegliedertenhistorisch-apologetischen Rede, mit dem Tode der Steinigung um36 n. Ehr. (Apg. 7, 58 ff.); die apostolische Kirche erhielt in ihm dene r st e n Ä ä r t y r e r.

Durch Vereinigung der Sadducäcr und Pharisäer kam es nun sogar zueiner allgemeinen Verfolgung (Apg. 8,1 ff.), durch welche jedoch die weitereVerbreitung des Christenthums in Judäa, Samaria, wo Christus be-reits die Gemüther vorbereitet hatte (Joh. e. 4.), in Syrien, Phöni-zien und Cypern herbei geführt wurde, aber bis jetzt nur unter den Juden(Apg. 11, 19.). Selbst unter diesen Stürmen waren die Apostel aus Jeru-salem nicht gewichen; nur Petrus und Johannes gingen nach Samaria, umden durch den Diakon Philippus bereits Getauften die Hände aufzulegen (Apg.8, 14 ff.). Doch traten damals in Samaria Religionsncuerer(D o si th euö,Simon Magus, Men and er) der weitern Verbreitung des Christcn-thums entgegen. Ihre verkehrten Theorien werden unten 8. 59 vorgetragen.§. 45. Der Christcnverfolgcr Saulus; dcr Weltapostell Paulus.

(Hug, Einl. in das N. T. Th. II Tholuck, LcbcnSumständc, Charakter u. Sprachedes Paul. (verm. Schrift. Th. II. S. 272 ff.) ffUcb. den Beruf, die Leide»».Verfolg, d. Apost. Paulus (BonncrZtschr. neue Folge, I. IV. 1843.)

Bei dcr ersten Christenverfolgung und dcr hcrbeigcftthrtcn Steinigung desStephanus hatte fick besonders ein fungcr Pharisäer, Saulus, ausgezeichnet.' Zu Tarsus in Cilicicn aus dem Stamme Benjamin und zugleich als römi-scher Burger geboren, hatte er sich die damals dort blühende und von denHellenisten theilnchmend anfgcnonimcnc griechische Littcratur und Wissenschaft an-geeignet. In dcr Folge wurde er zu Jerusalem unter Gamalicls LeitungPharisäer und in die höhere jüdische Theologie ciugcweiht, für welche er selbst beidem Geschäfte eines Zcltmachcrs die Liebe und Begeisterung nicht verlor. ImInteresse des engherzigen Pharisäismus trieb ihn sein feuriger Geist zur Ver-folgung dcr Christen (Apg. 8, 3.). Auf einer solchen Verfolgungsrcise nach Da-, maskus (37 n. Chr.) erschien ihm aus dem Jenseits Christus, den er früherpersönlich gekannt hatte l l Kor. 9, 1. 2 Kor. 5, 16.): aus einem Verfolger derKirche wurde er ein mächtiges Werkzeug zur Verkündigung ihrer Lehre ( Apg. 9, 19.; 22,411.; 26,1220.; 1 Korinth. 15, 89.), und Wat zu allgemeinemErstaunen als Weltapostcl auf. Doch gerade durch seine frühere Stellung,

1) Schön spricht darüb. warn. 14. in aota ^.zmstolor.