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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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84
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84 1. Zeitraum. 1. Periode, l. Zeitabschnitt, l. Capitcl.

klärung dienen. 1) Die große Menge faßte die Auserwählung Israels undseine Bestimmung zu äußerlich aus; die verheißenen Einwirkungen Göltetauf die Seelen der Menschen z» wahrhafter Heiligung wurden zu wenig ver-standen, und so auch alles menschliche Mitwirken nur in AcußerlicheS gesetzt.Wobl brachten sie daher mancherlei Opfer, trieben wobl sogar einen reichenPrunk damit, sie vergaßen darüber aber das Wesentliche Liebe und Ge-horsam, und waren oft vermessen genug zu glauben, daß Gott nur denJuden gnädig sei. Hiemit hängt 2) zusammen, daß dieses Volk in demverheißenen Messias nur eine äußerlich glänzende Erscheinung, eine» großenHelden und Krieger erwartete, welcher die Inden zu einem mächtigen herr-schende» Volke erbeben würde. Die prophetische Schilderung des leiden-den und von der Sünde erlösenden Messias') war an ihnenspurlos vvrübergegangen, ja fast ganz vergessen worden. Machte doch Jesussolche schmerzliche Erfahrungen sogar in dein engen Kreise seiner Apostel undJünger bis an seinen Tod. l)) Die in äußerer Werkheiligkeit am meistenBefangenen und das Volk beherrschenden scheinheiligen Phari-säer mußten bei dem entgegengesetzten Streben Jesu seine strafenden An-griffe am meisten empfinden, und wurden »m so erbitterter, als Jesus immernoch Anstand nahm, sich für den M e ss i a s i n i b r em i n n e zu erklären(Job. 1l), 24.). Daher suchten sie das Volk vom Glauben an Jesus alsden Messias zu entfernen, was ihnen um so leichter gelang, da 4) der Geistund die Lehre Jesu dem Weltgciste in jeder Beziehung entgegen war, unkden irdischen Neigungen und Erwartungen überhaupt wenig entsprach, anwenigsten denen des entarteten Judentlmms. So von allen Seiten verkannt,sah Jesus nack dreijähriger Wirksamkeit jetzt das Ziel des göttlichen Ratli-schlusses nabe. Ohne den Tod zu suchen oder ihm zaghaft auszuweichen,ging er mit seinen Aposteln aus religiöser Pflicht nach Jerusalem zum letztenPassahfeste ( Luk. 18, 31. vgl. Luk. 9, 51. Joh. l O, 18.), jetzt noch bestimmterals früher seinen Tod andentcnd, aber auch seine siegreiche Auferstehungnach 3 Tagen, so wie er nun zugleich die fernen Schicksale Jerusalems mitseinem göttlichen Blicke weinend enthüllte (Luk. 19, 41 ff.).

§. 4l. Gcdächtnifimahl und Tod Jesu.

I» der Gewißheit seines Todes, so wie des Fortbestandes seines begon-nenen Werkes stiftete Jesus beim letzten Passah voll sehnsüchtigen Verlangen«und nach den rührendsten Beweisen seiner Liebe und Demuth (Luk. 22, 14 ff.vgl. Joh. 13, 1 ff.) ein Gedächtnis;- und Bund es mahl zu fortwäh-render Präsenz in seiner Kirche des N. B., wie Gott einst im Paradiese de»ersten Menschen gegenwärtig war, und vorbildlich im A. B. in der Wolltüber der Stiftshütte (Erod. 4», 3239) und im Allerheiligsten. Um diesessollten sich seine künftigen Anhänger versammeln, indem er darin bis an dasEnde der Tage sich ihnen geistig und leiblich mitthcilen wollte. Es erfüllt!sich jetzt sein früheres bedeutungsvolles, weißagendes Wort:Mein Fleischist wahrhaft Speise und mein Blut wahrhaft Trank" (Joh. 6, 56.). Wcam Anfänge seiner öffentlichen Wirksamkeit bestand Jesus jetzt am Endederselben nochmals einen schweren Kampf gegen die Schwäche dieses Leibes(Matth.. 26, 37 ff.). Während dessen überredeten die Pharisäer und derhohe Rath sich u nd das Volk, Jesus sei ein Gotteslästerer; bei dem römischen

1) Vgl. ck-keinLe, ex8A88is eritiea in öe.8. e. 52, 1353. 8. <lo bluZsia er-pjg-wrs. x<i,88uro et morituro cowmsut. Llonsst. 836. Mack, d. mcsfian. Erwar-tungen u. Ansichten der Ztgcnoff. Jesu (Tüb. Q.°Schr. I. 836. S. 1.-56.)