80. Drei Hauptsckten d. Pharisäer, Sadducäer u. Essener.
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vorzugsweise zur Beweisführung für ven außerordentlich vermehrten RituSund eine Menge von Ceremonieen. Nach ihrer ganzen Tendenz unterdrück-ten sie den lebendigen Geist aus dem Rituellen (Matth. 15, 6.), und die soalles inneren Lebens beraubten Ceremonieen erschienen gleichwohl als dasWesentliche. Daher war ihr Widerstand gegen Jesus und die von ihm ver-kündete Gottesverehrung im Geiste und in der Wahrheit von vornherein bestimmt (Matth. 12, 14.), anhaltend und zuletzt entscheidend. Inihrer praktischen Wirksamkeit zeigten sie ein beharrliches Streben, oft sogargroße Gewissenhaftigkeit in Ausübung äußerer Werke; bisweilen aber ver-barg sich dahinter die innere Schlechtigkeit. Schon durch ihre Erziehunghatte ibr ganzes Leben einen st o i s ch e n Charakter erhalten, daher suchten sieauch durch Strenge und Heiligkeit sich über den gemeinen Haufen auf jedeWeise zu erheben. Auf diese vorherrschende Richtung deutet wohl unstreitigder Name nach der besseren Ableitung von d. i. der vom Volke Ab-
gesonderte, Auüerwählte, Fromme ). Diesen Hochnmth und dieseScheinbciligkeit griffJesus besonders an (Matth. 23, 5—7. 13 ff. 28—32.Luk. 11, 37—54.); nicht minder geißelte er ihre Heuchelei (Mark. 7, 2 ff.Matth. 15, 2—3. Joh. 9, 10.). Nach ihrer ganzen Stellung waren diePharisäer die politisch-religiösen Lenker des Volks, und wollten auch als diePatricier des hebräischen Volks angesehen sein, die allein dem Staate seinealte Verfassung und Rechte aufrecht hielten, während sie diesen Einfluß nichtselten für ihre Herrschsucht benutzten. Gleichwohl dürfen die berührten Schat-tenseiten nur auf die Mehr-, nicht aber auf die Gesammtzahl der Pharisäerbezogen werden. Durch Vcrthcidigung der Lehre der Freiheit des mensch-lichen Willens, der Unsterblichkeit der Seele, und besonders durch ihr aufge-stelltes Princip: „sestzuhalten am göttlich en Worte," standen sie un-gleich höher als die Sadducäer. Und daß wirklich Manche unter ihnen, wieNikodemus, Gamaliel u. A. (Joh. 3, 1—21. Apg. 5, 37 ff.) redlichnach Ueberzcngung strebten, bezeugt die Geschichte Christi, so wie die charak-teristischen Gegensätze der S chul e d es H i l l el und Scham m a i.
Die Sadducäer traten den streng orthodoxen und werkhciligen Pharisä-ern mit einer kritischen und freigeisterischen Denkart entgegen. Ihr Name istnicht von ^2, sondern nach der talmudischen Sage von einem gewissen Zadok(um 240 v. Cbr.) abzuleiten* *). Ihr vorgebliches Hauptstreben war, den rei-nen Mosaismus zu reproducircn. Daher nahmen sic zwar auch die übrigenBücher des A.T. als übereinstimmend mit dem Pentateuch an, verwarfen aberdie Tradition; auf Ceremonieen legten sie einen geringen Werth. In ihrenreligiösen Ansichten zeigte sich ein vornehmer Jndiffcrentismus, in ihremganzen Wesen Gemächlichkeit und Neigung zu epikuräisch cm Wohlleben,welches die höheren Bedürfnisse der menschlichen Natur vergessen läßt. Dazupaßt auch ihre Vorstellung von der Vorsehung als einem ziemlich müßigenZuschaueu Gottes bei dem Weltlaufe. Den Glauben an Unsterblichkeit
t> Vgl. ,/osieM. nnt. XVII, 2. 4. /ch-Z-i/i-tn. Imar. >6. e. I. zu Ende.
*) Die Talmud. Sage berichtet üb. d. Entstehung d. Sekte: Zadok, einSchiller des AntigonuS Socho, hadc d. Lehrsatz sein. Meisters, d. Tugend muffeohne Niicks. auf Belohnung geübt werden, zur Ableugnung eines einstig. Vcrgel-tungszustand. u. somit d. jcns. ^Lebens überhaupt gedeutet. Vgl.üe pliilo8npl>ia Lnclilucaaor. lg,i. 836. und Win er im biblischen Realwörtcrb.u. v. „Sadducäer."