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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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H. 29. Die Juden außerhalb Palästina.

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den gleich annehmbar wäre. Als taugliches und erprobtes Mittel hiezubediente sich Philo der besonders durch ihn selber ausgcbildeten allegorisch-mystischen Auslegung, m'ttelst welcher er die göttlichen Gedanken aus derHüllcdes Buchstabens im Pentatcuche ausdeutcte, und mit den plato-nischen Theorien in Ucbereinstimmung zu bringen suchte. Wie Plato »ahmauch er neben dem Einen Gotte zugleich die Präeristenz der Ma-terie an. Mit der letztern habe der höchste, selige, Gott nicht in Berüh-rung kommen können; vielmehrbediente er sich znr (Weltbildung) seinernnkörpcrlichen Kräfte, der Ideen, um jeder Gattung die ihr angemesseneGestalt angedeihen zu lassen." In bestimmterem Anschlüsse an Stellen derdeuterokanonischen Bücher über diegöttliche Weisheit" wie an diePlatonischcIdccnlehre läßt Philo vom höchsten Gotte den göttlichen^oe, dann ll-'naut,-,, X-l-c,, (Mittelkräfte) als Inbegriff der weltbilden-den Idee oder als intelligible Welt cmaniren. Diese

Ideen haben sich in der Materie realisirt, ihr die Gestalt gegeben, indemdie in sich beschlossene göttliche Vernunft (Xn/»c k^lllaAe-roe) sich durchdas göttliche Sprechen (X,,)»e 7e,ic>Po,,,x,>^) im Endlichen geossenbart hat.Noch stärker tritt der Platonismus bei Philo in seiner Lehre von den See-len hervor: Engel, Dämonen und Seelen sind ihm nur verschiedene Namenfür ein und dieselben Wesen. Dagegen schließt er sich in seiner Ethikvielfach an die Stoiker an, dringt auf Unterdrückung und möglichste Be-schränkung der sinnlichen Triebe, Bedürfnisse und Affecte. Doch hebt er beider sittlichen Ohnmacht des Menschen die Nothwendigkeit der unterstützendengöttlichen Gnade mit der heil. Schrift stark hervor. Die praktisch-religiöseClaffe der Anhänger dieser Ncligionsplnlosophie scheint weit über Aegyptenverbreitet gewesen zu sein; am bekanntesten wurde jedoch ein asketischer Ver-ein um den See Möris unweit Alexandrien: die Therap euten '), welchewie die späteren Anachorcten einzeln in ihren Ccllen (ceezereiolc,p,'<»<,) sich aufhielten, von Wasser und Brot lebten und sich im Fasten übten.Die Benennung derselben (Arp-xncvi'n-,) faßt Philo als AraiJ

andere als Erx-se- Nur die Verbindung beider Ableitungen

dürfte die Tendenz der Therapeuten vollständig bezeichnen. Eine ähnlicheAnnäherung an die Juden bewirkte bei den Römern der wissenschaftlichgebildete Jude Jo sep hus Fl av ius (st 93 n. Ehr.).

Aber auch die im Exil zurückgebliebenen, und unter alle Völker zerstreu-ten Juden hatten eine Mission im göttlichen Erziehungsplane der Menschheit.Fast unbemerkt siel die Schranke, welche dem einst so verhaßten Volke den Zu-gang zu anderen Völkern verschloß, und dadurch wurden die Juden auch derBildung anderer Nationen zugänglich. Im mannigfachsten Verkehre mit denbedeutendsten Völkern des Alterthums haben die Juden ihrerseits mit demihnen cigenthümlichen Eifer in jenen die Keime der wahren GottcSerkenntnißausgcstrcut, ihnen die Achtung vor dem Judenthuine nahe gelegt und wirklichcingeflößt, alle Welt mit ihren Hoffnungen eines neuen GotteSrciches bekanntgemacht. Und sie fanden in den letzten Zeiten vor der Erscheinung des Soh-nes Gottes um so mehr Anklang, als viele Heiden nach schmerzlicher Erfah-

1 > Die Hauptgnelle bei sta vita evntemplativa. vgl. auch bist,

eecl. II, 17 ., der sie Thcrapemc» siir Christen hält! Bcllcrmann, gcschichtl.Nachr. aus d. Alterth. üb. Effäcr u. Therapeuten. Bcrl. 82l. -j-.Äaer, st,?Lsssnis m 2'/imVraklll. 829. Dähne, geschichtl. Darstell, der jüdisch--alercmdnii. RcliglonSphilos. Hal. 834. Abth. I. S. 439.

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