§. 28. Das Israel«. Volk in seiner Selbstständigkeit ». Untersochung. 63
eines Lebens »ach dem Gesetze, von Sehnsucht erfüllt, in ihrer Hoffnung be-lebt durch die Verheißung Daniels von der Errichtung des mächtigen, ewi-gen Reiches des Menschcnsohnes (Dan. 2, 4L ff. 7, 1,3. 14. 27-4nach 70 Jahrwochen (Dan. 9-4, welches alle Sünde und Mifsethat til-gen und Gerechtigkeit schaffen werde, versuchten sie abermals die mosaischeVerfassung wiede'rherzustellen. Dieses Streben hat sich besonders in dem Füh-rer des ersten Zuges Zorobabel, noch mehr in Esra und Nehemia,am bestimmtesten in der Vollendung eines neuen z w e l t e n T e m p e l 6 zuJerusalem (515. vgl. Esra 1, l—4. 6, 1 ff-4 kundgegeben. Die ProphetenHaggai und Zacharia l um 5204 hatten den Eifer zur Beschleunigungund Vollendung des Hauses Gottes angefeuert und verkündet: der neue Tem-pel werde den Salomonischen unendlich an Herrlichkeit übertreffen; denn dervon allenVölkern Ersehn teund derTrost alle rHei den(Haggai 2, 8-4 werde darin auftrcken. Unter mancherlei Begünstigungen derpersischen Oberregicrung konnte sich auf dieser eigenthümlichen nationalenGrundlage eine nationale Regierungsform ausbilden in dem Hohepriester,der an der Spitze des Volkes stand, und in dem ihm zu Jerusalem beige-ordneten, aus 70 Mitgliedern bestehenden Synedrium (nach Nun». 11,l st. >, an welches alle wichtige Angelegenheiten des öffentlichen Lebens zurEntscheidung gebracht werden mußten. Als aber auch setzt die Juden in demneuen herrlichen Tempel Gott nur unvollkommene Opfer brachten, strafte sieder Prophet Maleach i, und sah in der Ferne bereits das r eine u n ku n b e fl e ck t c O p f e r, welches Jehovah nicht mehr allein im Tempel zuJerusalem, sondern von Aufgang bis zum Niedergang, von Juden unkHeiden dargebracht werden soll (Mal. 1, 1t.); schaute auch den Messiasals Gott und den Vorläufer, der ihm den Weg bereiten soll(Mal. 3, 1.4 und ein neuer EliaS sein werde. Bis zu dessen Auftretendürfe das silbische Volk keinen Propheten mcbr erwarten; das Gesetz Mosismüßte ihnen genug sein. Darum schloß Maleachi seine Weissagung mit denmerkwürdigen Worten: „Gedenket des Gesetzes Mosis, meines Knechtes;siehe, ich will senden den Propheten Elia, der die Herzen der Väter zu denKindern, und die Herzen der Kinder zu den Vätern bekehren soll" — derdiesen zeigen wird, was sene nur gehofft haben. Im Gesetz und den Pro-pheten war Alles nunmehr sorgfältig ausgezeichnet, was Gott seinem Volkezum Unterrichte geben wollte; darum verstummte von setzt an der Geistder Weissagung.
Obschon der neue südische Tempelstaat gerade von senen gegründet wor-den war, die am tiefsten von der Sehnsucht nach einem Leben gemäß dem Ge-setze des Herrn ergriffen waren, so gewannen doch bei oen späteren Generatio-nen gri ech ische B ildung und rö misch e In st itutionen allmäligeinen Einfluß auf ihre Denkweise. Seit Aleranders d. Gr. Eroberung( 323 4 standen die Juden Palästinas nämlich bald unter der Herrschaft derPtolemäer 'Aegyptens, bald unter den Selenciden Svriens. Ant > ochusEpiphaneS (l75- 164 v. Ehr.) ging bei senicm grausamen und gott-losen Charakter in den gewaltsamen Maaßregeln und Versuchen die Judenzu gräcisiren, so weit, daß er gegen die gesetzmäßige Folge den JudenHohepriester aufkrängen wollte, die Strengen und Opponircndcn alsRebellen behandelte, sich der Stakt Jerusalem bemächtigte, die heil. Bücherverbrennen, das Heiligtbum schänden ließ, und die Juden zum griechischenGötzendienste zwingen wollte. Eine völlige Vernichtung derselben durch