§. 28. Das israelit. Bolk in seiner Selbstständigkeit u. Unterjochung. 6l
zweite nothwendige unk wesentliche Institution der Theokratie kaS Pro-vhetenthu m, das in der W e i s s a g n n g v o m M e s s i a s den Mit-tel- unk Zielpunkt erhielt. Was jedoch der mosaischen Verfassung nochfehlte, worauf aber schon Rücksicht genommen war (Deut. 17, 14 ff.), warein Haupt, der Führer des Volks, der von Gott als Stellvertreter gesetztwäre. Nach Eroberung dcö gelobten Landes durch Josua bildete das heroischeZeitalter der Richter (von Othoniel bis Eli und Samuel) einen natürli-chen Uebergang zur königlichen Würde. Und Gott gab seinem Volkeeinen König in der Person des S a u l (1095) als Repräsentanten der un-sichtbaren, aber gegenwärtigen, stets wirksamen königlichen Macht JehovahS.Hohespri est crth um, Prophetenthum und Königthum, diesed rei wesentlichcnJnstitute der Theokratie in ihrer nothwendige« Einheit wa-ren in der Weissagung Typen aufdiedreiAcmterdes erwartetenErlösers. Wie Eli mit der Hohenpriesterwürde die höchste bürgerlicheGewalt, und Samuel die letztere mit der Prophetcnwürde verband, so ver-einigte auch Dav id, der zweite König (1050), die königliche Würde mitder Gabe des Propheten. Er machte Jerusalem durch Erbauung der BurgZion zu einem festen Sitze, zum Mittelpunkte des Reiches und brachte dieBundeslade dahin. Als er alle seine Feinde überwunden, die Eroberungendes Volkes Gottes bis an den Euphrat ausgedehnt und überall die Ruhehergestellt hatte, war sein Geist der Einrichtung des Gottesdienstes zuge-wandt. Auf göttlichen Befehl (2 Sam. Capit. 7.) wollte er Jchovah einewürdige Statte bereiten; die Ausführung dieses Unternehmens aber sollteerst unter der mehr friedfertigen Regierung Salomons (1000) gelingen,der einen Tempel mitbewundernswürdigcr Pracht nach dem Typus der Stifts-Hütte baute (2 Chrom m 3 — e. 7.). Glücklich war Salomo und seinReich, so lange er der weise König war; als er aber unweise wurde undvon Gott zu den Götzen überging, zog sein Fall den des Reiches nach sich.
Schon 775 zerfiel der mächtige und blühende Staat in Folge innererSpaltungen in Juda und Israel (1 Köm m 12.), wodurch die Kraft desisraelitischen Volkes im Kampfe um die Selbstständigkeit mit den Syrern,Aegyptcrn und Chaldäern bedenklich geschwächt wurde. Aber in der Zeit derErniedrigung der königlichen Würde und des politischen, religiösen und sitt-lichen Verfalls erhob sich die Stimme der Weissagung. Ju Elia s,dem Propheten Israels unter Ahab und.Ahasja (918—896 v. Ehr.), wargleichsam ein anderer Moses erschienen. Herrlich in Thaten und Wundern,glühend vor Eifer für Jehovah, kühn und unerschrocken geißelte er den Ab-fall vom Jehovähdicnste (1 Köm c. 17. — 2 Köm c. 2.), und drang aufWiederherstellung der Verfassung, wie sie unter David und Salomo bestan-den. Nach seinem vergeblichen Ringen blieb der gewaltige, zürnende und dräu-ende Geist der Weissagung stehen. Nach dem bewunderungswürdigen, erziehen-den Rathschlusse Jchovahs traten in Zwischenräumen Propheten in gro-ßer Anzahl auf, von denen vier (Jesaia, Jeremia, Ezechiel und Daniel)diegroßen, die zwölf andern als die kleineren bezeichnet werden.Damals weissagten unmittelbar nacheinander und zum Theil gleichzeitig Io-,n aS, Joel, H o s e a, A m o s, I e s a i a, M i ch a und Nahu m. Den-noch erfolgte wegen der Verderbtheit und Hartnäckigkeit des Volks die Auf-lösung Israels bereits 722 durch Salmanassar von Assyrien.Die Einwohner wurden zum größten Tbeile ins Eril geführt, und assyrischeColonisten bevölkerten das Land. Diese vermischten sich mit den zurückgeblie-