§. 26. Religion, sittl. ii. sociale Zustände d. Griechen. 51
Denker aller Zeiten finden darum bei ihm manche Vorklänge christlicher Wahr-beiten, erfreuten sich aber besonders an dem durch das ganze System sich hin-durchziehcndcn Gefühle einer Hilfsbeb ürftigkeit, einer Art vonWeissagung auf die Welterlösung '). „Aber wenn Plato sich auch über alleherrlichen Gestalten Griechenlands erbob, so blieb er dennoch ein Sohn sei-nes Volkes. Wie dessen Hauptstreben nur die Schönheit war, und zwardie sinnliche Schönheit, welcher die höbere Weihe fehlt, deren Wesen in derEinheit und Heiligte t des göttlichen Wesens gegründet ist, so suchte erauch in der Philosophie mehr das Schöne, und seine Philosophie, selbstein Kunstwerk, sollte die klare vollkommene Eintracht der Kunst und Wissen-schaft sein. Doch nachdem er alle Elemente der Kunst und Wissenschaft,der Religion unv des Staates, des Mythus und deö freien abstracten Den-kens mit einander zur Einbeit vereinigen wollte, blieb seine Lehre selbst ohnejene Einheit, die wir in der Philosophie, wie in der Religion suchen. SeinGeist lebt nur in dem unendlichen Gebiete der Ideen, ohne daß diese sich zueinem festen in sich geschloffenen Ganzen bilden." A«S den mancherleiBlößen in seiner Siltcnlebre heben wir nur hervor, daß er in seinem idealenStaate die allgemeine Ehe cingeführt wissen wollte. - Aristotelesvon Stagira in Makedonien (384—322), Stifter der peripatetischcn Schule,wurde, indem er erst di e W irkl ich kei t als die völlig reale Idee aner-kannte, vermöge dieses Empirismus und Dialekticismus, der Philosophdes Vcrstandes. Daher ergibt er fick den engen Schranken der Welt,die er für ewig und unverändert.cb bält, und begnügt sich mit den Begriffen,die er der Endlichkeit abgezogen hat. Indem er durchgängige Bestimmtheitdeö All oder der Natur durch die Einheit der höchsten Intelligenz annahni,setzte er der Vorsehung oder dem Eingreifen eines persönlichen, heiligen uneweisen Gottes in das Leben der Menschheit, aber auch der menschlichen Frei-heit Schranken, und erschütterte so nach beiden Beziehungen die Stütze wahrerReligiosität. Die Sittenlebre erbob sich, seinem empirischen Gesichtspunkteangemessen, selten über eine höhere Klugheitslehre. Die Mittel zur Errei-chung der Glückseligkeit bcurtheilt er nach der Nützlichkeit und Zweckmäßigkeil, und auf diesen Grundsatz stützt er die Rechtmäßigkeit der Sklaverei.In dem Sklaven verkannte Aristoteles die Würde des Menschen so sehr,daß er sagte: in der Seele desselben sei nichts Vernünftiges. — Die späterentstandenen philosophischen Schulen vermochten noch weit weni-ger der Religion und Sittlichkeit eine kräftige Stütze zu verleihen, indem siedie Widersprüche und Irrthümer jener Koryphäe» der Philosophie nur nochvermehrten. Epikur aus Gargettus bei Athen (3.27 - 270) und besondersseine Schüler wiesen dem Menschen in dem irdischen Wohlsein das höchsteGut an, darum suchten sic den Glauben an Vorsehung und Unsterblichkeitzu entfernen, damit er die Glückseligkeit nicht störe. Die Welt sei nur zu-fällig so zweckmäßig geworden, daher hätten die Götter auch kein Interesse,sich um menschliche Angelegenheiten zu bekümmern. Die Seele deö Men-schen , ein feinerer Körper, entstehe und vergehe mit dem gröberen Leibe.Die Stoa, von Zeno aus Cittium auf Cypern gegründet (um 300), hatsich allerdings durch ihre Begeisterung für Ideale der Sittlicbkeit manchenkräftigen und ekel» Seelen empfohlen, indem sic die Tugend als das
n ib' oivä. stni VII. 4—14. Ackermann, das Christliche INI
Plato, Hamb. »->36; richtig beschränkend (Mattes, das Christliche im PlaiolTüb. Q.-Schrift 845. S. 479-520.).
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