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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 26. Religion, sittl. ». sociale Zustände d. Griechen. 49

' dem ägyptischen Religionswescn seine fast starre Unbeweglichkeit verhältmß-mäßig am längsten erhalten; doch wurden demselben durch die hier auf ein-ander folgende persische, griechische und römische Herrschaft fremdeElemente mit neuen Göttern bald mehr oder weniger gewaltsam beigemischt.K. 26. Religion, sittliche und sociale Zustände der Griechen.s-*Döllingcr, Hcidcnthum w. S. 54343; 664693. s-Lasaulr, St»'dien des elastischen Älterthums, Negensb. 854. 4. s-Gfrörer, Urgesch.Bd. II. S. 358-541.

Die Religion der Griechen war das Product der cigenthümlichen Ent-wickelung und Geschichte des griechischen Volkes, das aus der Mischungverschiedener Stämme und Völkerschaften entstand. Zugleich zwischen denOccident und Orient gestellt erhielt ihre Religion zwar einen vorwiegendenoecidentalischcn Charakter, dem sich aber bei dem lebhaften Verkehre mit denOrientalen aber auch nach dem Geständnisse Herodot's viele phönizischeund ägyptische Religionsideen und Götterculte beimischten. In der vorhel-lenischen Zeit haben dazu die Lcleger und Carier, Thracier und Pelasgerdie meisten Elemente geliefert. Die letzten,, welche an dem Orakel zuDodona einen Mittelpunkt ihres Cultus hatten, verehrten ursprünglichnamenlose Götter d. i. kosmische, geisterhaft gedachte Gewalten, Ele-mente und Gestirne. Die zwei Hauptgottbeiten waren anfangs wohl derHimmelsgott Zeus und die Erdengöttin Gäa. Dazu kamen schon früh-zeitig die Anbetung des Helios (der Sonne), der Feuergottheit H efti a,deSAidoneus, des Königs der Schattenwelt mit Persephone, derfurchtbaren alles Lebendige verschlingenden Todcsgöttin, und der Dienstder Kabiren d. i. der großen, mächtigen Götter, als oberster Naturmächte.

Die nachmaligen 6 Jahrh. dauernden Bewegungen und Ansiedlungen ver-schiedener Stämme von Norden her, von denen besonders die der Dorier undAetolier 1104 v. Ehr. erfolgreich waren, führten nicht nur eine Veränderungdes ganzen Besitzstandes der hellenischen Stämme herbei, sondern auch poli-tische Neubildungen, aus welchen die hellenische Religion hervorgingmit den bekannten Göttern, Dämonen und Heroen, und wie sie sich theils inMysterien, theils in einem äußern Culte, Priesterthum und Orakeln kund-gegcben hat. So viel auch in derselben von andern Völkern entlehnt war,so haben die Griechen bei dem cigenthümlichen Entwickelungsgauge, den siein Poesie, Kunst und Wissenschaft nahmen, dasselbe doch durch eine starkePhantasie und Sinnlichkeit cigcntbümlich ausgebildet. Homer und Hesiodwaren den Griechen für die Religion die vorzüglichsten Autoritäten; Homerbesonders hatte ganz auS dem Herzen der Griechen den olympischen Götter-staat , Zeus den Vater der Götter und Menschen an der Spitze, mit über-schwänglichen Reizen ausgeschmückt; aber die olympischen Mächte warendem Menschen an Gestalt, Beschäftigung, Wünschen, Vaterland, in Tugen-den und Lastern der gräßlichsten Gestalt ähnlich, und dem unbeschränktwaltenden Fatum unterworfen'). Solche Vorstellungen von Gottund Sittlichkeit konnten dem denkenden und in der Wissenschaft fortschreiten-den Menschen nicht lange genügen; er gab sie bald als Fabeln auf, die nurzum Zügel für das Volk bestimmt seien, und bekannte sich zu dem EinenUrwesen, welches der Gott der Weisen sei. Die weit verbreiteten My-sterien wollten der eroterischen Volksreligion eine gereinigtere eso te-il So soll die Pythia den Lydiern geantwortet haben:dem Verbängniß desSchicksals kann Gott selbst nicht entgehen." //eiockok. Iiislxw. l, 91. Doch trittbesonders bei Sophokles die Idee der Gerechtigkeit und Vergeltung hervor.Alzog» Kirchcngeschichte. 7. Auflage. 4