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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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Die alte Welt, Vorhalle z. Gcsch. d. Christcnth.

es nach dem Abendlande vorwärts zeigt. Bei vielfacher Aehnlichkeit und Ver-wandtschaft mit Indien stellen sich doch eben so viele Dissonanzen heraus.Gemeinschaftlich mit dem Brahmaismuö hat die ägyptische Religion die astro-lo g i s ch e Grund l a g e. Eine Vergötterung der sieben sichtbaren beweglichenSterne und ihre Beziehung zu den zwölfSternbildern des Thierkreises, zu denMonaten und anderen Einrichtungen des Jahres, zu allen Erscheinungen derNatur und des Menschenlebens ist derGrundpfciler, an welchen sich die bunteMythenwelt Aegyptens anlehnt. Unter jenen sieben Sternen ist wiederdie Sonne als Ra, König oder Vater der Götter und unter m. a. Namenam meisten hervorgehoben. In Theben bildete Ammon, Mut undKhonso (die Morgen-, Mittag-und Abendsonne) eine Art solarischerTrimurti. Den großen und ersten Göttern wurden Osiris und Isisbeigezählt; jener ward durch Typ hon, den Gott des Bösen und allesSchädlichen gctödtet, zerstückelt und zerstreut, aber von der trauernden Isisder Göttin mit zehntausend Namen" wieder zusammengefügt und begraben.Auch wird Osiris identisch mit Ra als Sonnengott und Isis als Mondgöt-tin verehrt. Ihnen schrieben die Aegypter ihre Cultur, Ackerbau und Wein-bau, Gesetze und Gottesdienst zu, wie von dem Gott Thoth (Herr derGötterspracheh alle Erfindungen und Kenntnisse, namentlich die Schreibkunstabgeleitet werden.

Wahrscheinlich hat das Bedürfniß, die verborgene Gottheit zu schauenund sich nahe zu wissen, zu der m a a ß l o s e n B er g ö t t e r u n g derTch iere und Naturgegenstände mit ihrem geheimnisvollen, dem Menschenunverständlichen Wesen und Treiben den Anstoß gegeben. Allgemein wur-den göttlich verehrt Rinder, Katzen, Löwen, Hunde, Wiesel und Fischotter;von Vögeln der Sperber, der Wiedehopf, der Storch und die FischganS;von Fischen der Aal und der Lepidotus ; ineinzelnenGegendendasSchaaf, Nilpferd, Krokodil, die Schlange u. A. Den ersten Rang unterden heil. Thieren nahmen die vier göttlichen Stiere ein: der Apis zuMemphis, der M nevis zu Heliopoliö, derzweimal große und alte Gott"und der große Gott und König des Himmels." Den göttlich verehrtenBöcken zu Mcndes und zu ThmuiS gaben sich sogar Frauen preis, wohersich wohl das im Pentateuch so oft wiederholte und so nachdrücklich einge-schärfte Verbot der Unzucht mit Thieren erklärt.

Bei diesem ausgebildeten und mit zäher Beharrlichkeit festgehaltenenThiercult muß es auffalleu, daß kein Volk der vorchristlichen Zeit seine Vor-stellungen von demZustande des Menschen nach dem Tode undvon der Unterwelt so sorgfältig und bis in's Einzelne ausgebildet hatals die Aegypter in ihrem S eelenw and erungö-Dogm a. Auch dieZahl der Feste war bei ihnen größer als bei irgend einem Volke des Alter-thums; sie bezogen sich auf den Sonnenlauf, den Nil, die Geburtstage derGötter, vorzüglich auf den großen Kampf zwischen Osiris und a. Göttern.Die bei der Osirisfeier geführten schmutzigen Reden wie der PhalluS-Dienstbilden die dunkelsten Schatten der ägyptischen Religion. Die zahlreichenTempel hatten eigene Priester mit einem Oberpriester, denen ein viel-gestaltiger, mühsamer Dienst oblag, wozu namentlich die Prüfung und Aus-wahl der Opferthiere gehörte. Dabei erhielten sie die alte traditio-nelleTheologie, welche den Inhalt der zehn ersten unter den 42 heiligenBücher bildete, und esoterisch war, wovon das Volk, noch schwererFremde etwas erfuhren. Wohl hat dieses trefflich organisirte Priesterthum