§. 25. Die Religion der berühmten orientalischen Volker. 45
der Lehre" meist negativer Art und in kleinliche Aeußerlichkeit auslaufend.Alles zielt darauf ab, in höchster Instanz ein äußerlichcs Mönchthumzu bilden, das stchinsechs resp. zehn Vollkommenheiten (Almosen, Tu-gend, Geduld, Anstrengung, Betrachtung, Weisheit-Erkenntniß in
Anwendung der rechten Mittel, Gebet, Kraft, Wissenschaft) kund thun müsse.
Der Cultus bestand ursprünglich in O pfergaben von Blumen undRauchwerk und zwar dem B ild e B ud dH a's und dem Monumente, wel-ches seine Reliquien einschließt. Das erstere stellt Buddha immer darmit gekreuzten Beinen sitzend in der Stellung der Meditation, die Handlehrend gegen die Brust erhoben.
Trat Buddha hiemit zum bestehenden Kastenthume zwar nicht in direkteOpposition, so nahm er deßungcachtet doch Menschen aus den verschiedenstenKasten in seine Gemeinschaft ans, Allen dieselbe Weisheit, dieselbe Möglich-keit, der Nothwendigkeit der Wiedergeburt zu entgehen, verheißend. Dadurchwardder UnterschiedderKasten thatsächlich in seiner Versammlung aufgehoben;damit aber auch die Eifersucht der in ihrer Macht und in ihrem Einflüssebedrohten Brahminen geweckt. Deßhalb entbrannte ein heftiger Kampf schonzur Zeit Buddha's, der aber erst nach Jahrhunderten, als die Buddhaistendie Götter des Brahmaismus den von ihm vergötterten Buddha und dennachgebornen Buddhaistischen Göttern unterordnetcn, damit endete, daß derBuddhaismus aus seiner eigentlichen Heimat verdrängt wurde, um in derFremde (in China) desto glänzendere Eroberungen zu machen.
In Tibet und bei den Mongolen nahm der Buddhaismus in Folge derVermischung mit fremden Elementen eine eigenthümliche Gestalt an und bil-dete sich zum La maismus aus '). Darnach entstehen nämlich fortwährendneue Buddha's, Lama's, welche Jncarnationen des göttlichen Wesens sind.Die höchste Stufe dieses göttlichen Ausflusses maniscstirt sich in den dröiHauptlama's, vorzüglich in dem Dalai-Lama in Lassa, dann in demLama in Kleintibet und in der Mongolei neben der enormen Mengevon Lama's (Müttern) oder Priestern höher« und nieder» Ranges, welchesich der Ehe enthalten, „keine Familie und kein Vaterland haben sollen."Stirbt einer der drei Hauptlama's, so erscheint er alsbald in einer andernGestalt. Doch muß er darin erst unter großen Anstrengungen, Gebet, Fastenund Opfern ausgesucht werden, wofern der Verstorbene nicht vor seinem TodeAndeutungen gegeben, in wem er nach seinem Hinscheiden forteristiren werde.Die also äußerlich ausgebildcte Lamaische Hierarchie und andereEinrichtungen und Gebräuche des Buddhaismus sind oft thöricht und hä-misch mit christlichen Institutionen verglichen worden; in Wahrheit sind sieihrem Wesen und ihrer geistigen Tendenz und sittlichen Richtung nach vonden letzter« gänzlich verschieden, ja ihnen feindlich entgegen, und als nach-gewiesener Maßen später entstandene Einrichtungen vielfach eine dämonischeNachäffung des Christenthums s).
III. Das Zendvolk ^), die alten Baktrer in der späteren Verbindungmit den Medern und Persern zwischen dem Tigris und Indus, dem Ornsund dem indischen Meerbusen, hat zuversichtlich in der frühesten Zeit auch
1) Freib. Kirchcnler. Bd. Xll. S. 179 ff. u. Bd. VI. S. 317-321.
2> Schlegel, Philosophie 0. Gcsch. Bd. I. S. 114. Nie. Wiseman,Zusammenhang der Ergebnisse wifscnschaftl. Forschung mit d. gcoffcnb. Relig. deutsch.Regensb. 840. S. 401—94. — 3) I. G. Nhodc, d. heil. Sage u. d. gcsammteRcligionsspst. d. alt. Baktrer, Meder «.Perser, od, desZcndvolks. Frks.a.M.826.