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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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44 Die alte Welt, Vorhalle z. Gcsch. d. Christcnth.

gezogen wurde, desto mehr trat das letztere im göttlichen Leben hervor, unddesto näher tritt das religiöse System dem Pantheismus mit allen seinenAuswüchsen, der Läugnung der Freiheit und allen Unterschiedes zwischen Gutemund Bösem. Doch hat sich in mitten dieser theologischen Philosopheme nebendem aus dem Brahmaismus stammenden Thierdienste ein grenzenloser Cere-moniendienst ausgebildet.

Die noch später hinzutretende Buddhalehre') hat ihren Ursprungvon dem Königssohne Gautama, dessen Thätigkeit als Religionsstifternicht in die Jahre 2422 od. 1366 oder 950, sondern in die Mitte des 6.Jahrh. v. Chr. fällt, als bei den Athenern Solon, bei den Chinesen Cong-fu-tse den Staat ordnete, als Pythagoras im griechischen Italien lehrte undCyrns das persische Weltreich gründete. Nach Verschmähung des Thrones,der Paläste und des Wohllebens zog sich Gautama in die Einsamkeit zurück,wo er 6 Jahre in Betrachtung, Fasten und Abtödtung nach der Weise derBrahminen zubrachte, ohne das erwünschte Ziel der beseligenden Erstase er-reicht zu haben. Doch ging ihm später unter einem Feigenbäume die absoluteErkenntniß (Bodhi) auf, durch welche er Buddha (Erleuchteter, verkörper-ter Gott) wurde. Diese Erkenntniß verbarg er setzt nicht, wie die Brahminensie zu einem privilegirten Geheimnisse ihrer Kaste machten, sondern verkündetesie öffentlich unter großer Theilnahme. Als er 543 v. Chr. starb, wardsein Leichnam unter solchen Ehren verbrannt, wie sie einem Oberherrscherüber das ganze Land geziemten. Schriften hatte er nicht hinterlaffcn;doch wurden seine Reden und Belehrungen von seinen Schülern niederge-schrieben und mit so vielen Zusätzen bereichert, daß sie eine zahlreiche Bi-bliothek voller Verwirrung bildete, worin unverkennbar ältere und neuereLehrformen sich durchkreuzen, deren Entwickelungsgeschichte mit buddh ai-stischen Synoden zusammenhängt.

Diese Lehre Buddha's schloß sich an das Brahminische Lehrsystem an,ohne zunächst eine neue Gottesverehrung einzuführen.Brahma," sagter,b ewohnt d ie Häuser, wo die S öhn e ihre Eltern ehr en."Das Hauptmoment der neuen Lehre ward mehr auf dieMoral gelegt -, sodaß der ursprüngliche Buddhaismus mehr ein Moralsystem als eineReligion war. Die Grundanschauung darin wie im Brahmaismus bildetdas Bewußtsein, daß das Dasein ein Elend ist, das durch die Wiederge-burten der Scelenwanderung sich stets erneuert. Darum erscheint als dashöchste Gut die Befreiung von diesem Elende des steten Wandels: wiebei dem Brahmaismus durch das Versinken inGott, das Einswerden mit demUrwesen, so bei dem Bnddhaismus in das Nirv an a (Erlöschen). Dazugelangt der Mensch durch Entsagung, Befreiung von jeder Anhänglichkeitan die irdischen Dinge bis zur vollkommensten Gleichgiltigkeit gegen allezeitlichen Güter. Wer diese vor dem Tode nicht erreicht hat, muß sich nachdemselben neuen Wanderungen und Metamorphosen unterziehen.

Der hicfür angeordncte mündliche Unterricht ward in bestimmte For-melngefaßt: in diesig,vier erhabenenWahrheiten" (der Schmerz,die Erzeugung des Schmerzes, die Vernichtung des Schmerzes, der Wegzur Vernichtung des Schmerzes) ; für die moralisch en Lehren diedr eiZu fluchten" (Tristarana), durch welche der Glaube und die Hingebungan die Lehre Buddha's ausgesprochen wird, und zweimalzehn Gebote

1) Freiburger Kirchcnlerikon. Bd. Xll. ArtikelBuddhismus." Köppen,Religion des Buddha. Berl. 857.