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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 23. Die Religion der berühmten orientalischen Völker. 43

Donners und Regens, Bar uns, den Gott des äußern, die Luft umscyl mes-senden Himmelsgewölbes, nnd Agni, den Gott des Feuers; auch legen sieihnen Gemahlinnen bei: Jndrani, Varunani nnd Agnani.Unter denhimmlischen Wesen zweiten Ranges stehen die Lichtgötter voran nnd obenan der Sonnengott mit verschiedenen Namen, welche feine Eigenschaften,Erscheinungen und Wirkungen als Erzeuger, Ernährer, Morgenrothe, Mit-tagssonne, Strahlen w. bezeichnen. Der Luft, dem Gebiete Jndra's, ge-hören auch die Winde als Gottheiten an, zunächst Rubra, der Gott derStürme, welcher der glänzende Eber des Himmels und auch der Vertilgergenannt wird. Die brahminische Theologie machte ihn zu einem Bruchtheilcder Trinität und wandelte ihn in S ch i w a, den Zerstörer, um.

Aus dieser Naturrcligion bildete sich alsdann die religiöse N a tu r -Philosophie Indiens mit mehreren Elementen anderer orientalischen Sy-steme. Und hierin bemerken wir manche Fortschritte des religiös erkennendenGeistes. Das höchste Wesen, Brahma der Inder, erscheint schon viel be-stimmter als der Tien bei den Chinesen, und noch bestimmter, wenn cS alsParabrahma erscheint. Die Kluft zwischen dem Göttlichen und Endli-chen könne durch nichts Anderes als dadurch ausgefüllt werden, daß aus demhöchsten Wesen, der unendlichen Substanz, Emanationen stattfindcn,die in ihren zahllosen Abstufungen bis zum Menschen, dem Thiere und denPflanzen immer beschränkter und unvollkommener werden. Daher sind nurdie ersten Emanationen noch Gottheiten, während die letzteren wegenSelbstvcrschuldung an die Materie, wie an Fesseln und Kerker gebunden sind.Wurde ja auch diesen Emanationen die gemeinste Vorstellung einer Z e u g -ung g e s ch l e ch t l i ch c r Triebe unterlegt. Darum wird alles End-liche als solch- für unselig, die Welt für böse erklärt. Neben dertraurigen Erinnerung des Abfalles von Gott findet sich aber auch die tröst-liche von der Rückkehr zumUrwescn bei den Indern. Ihre Zurückgezo-genheit von der Welt, die der Contcmplation gewidmete Lebensweise, diestrengen Büßungen, alles zeugt davon. Eine Folge dieser Lehre von derRückkehr zu Gott ist die Seelenwanderung, die den Zweck habe, dieSeele vom Verderben zu reinigen und der Vereinigung mit der einen göttli-chen Substanz würdig zu machen, worin zugleich der Glaube an Unsterblich-keit der Seele ausgesprochen ist.

Doch erschien dem Inder das gestaltlose Brahma auch persönlich alsParabrah m a. Auch bleibt Parabrahma nicht in seiner Abstraktheit nndEinfachheit, er besondere sich und cs treten hervor Brahma, Wis ch n uund Schiwa, als das schöpferische, erhaltende und zerstörende Prineip;jedes derselben hat persönliches Bewußtsein, ohne dadurch jedoch das andereaufzuhcbcn. Dies die Tr im ur t i oder Trinität der indischen Religion, wel-che nach der angedentctcn gemeinen Vorstellung von der Emanation auch mitje einer Gattin ausgestattet ist. Parabrahma mit Paraschatti, derUrmutter, Brahma mit Saraswadi, der Weisen, nnd Wischnu mitRakschmi, der Fruchtbaren, Schiwa mit Para Wadi, der Züchti-genden. Diese drei Gottheiten sind aber zugleich demiurgischc Mächte, de-ren Manifestation in Jncarnationcu (Mensch- und Thierwcrdungen), in denAvatars geschehen. Durch derartige Jncarnationcu wird Gott aber so sehrzum Endlichen hcrabgezogen, daß auch er an der unreinen Lust Theil nahm,was in den oft gräulich obseöncn Zeugungen der Götter, namentlich desBrah m a und S ch i w a hervvrtritt. Je tiefer aber die Gottheit ins Endliche