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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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40 Dic alte Welt, Vorhalle z. Gesch. d. Chnstcnth.

und das maßlose Preisgeben von unzähligen Menschenleben, namentlich inden Gladiatorspielen, eng zusammen. Denn wenn der Mensch sich nur alszeitlich kennt, so kann er die menschliche Würde weder an sich, noch anAndern wahrhaft achten.

Ungeachtet dieser Verirrungen des HcidenthumS erhielt sich dennoch man-ches Gottverwandte und auf Gott Hinweisende, wie sich in einzelnen Heidenimmer etwas Gottebenbildliches erhalten hat. Wohl war das Ebenbild Got-tes in ihnen b esch äd i gt und v er dunkelt, aber nicht ganz vertilgt. Esglaubten ja die Heiden immer noch an Götter und bewiesen dadurch, daßdie Erkenntniß Gottes in ihnen, wenn schon gräuelvoll entstellt, doch nichtganz entschwunden war; sic ward vielmehr durch Reste der Nroffenbarungbei dem mannigfachen Verkehr der Völker mit einander unterhalten. Dietiefere Bedeutung des Mythus und die Elemente der Urtradition pflanztensich besonders in den Mysterien fort, aus welchen sich die heidnischePhilosophie theilweise heranbildcte, die uns in Beziehung auf göttlicheDiugc durch hellstrahlende Lichtfunken oft freudig überrascht. Die verschie-denen philosophischen Systeme haben sa auch, abgesehen von ihrem mate-riellen Inhalte, denGeist sormell gebildet, ihn aus den Schranken desSinnlichen zu dem Unsinnlichen, wenn auch noch nicht zu dem Uebersinn-lichen erhoben. Je weiter diese Bildung sich verbreitete, desto mehr wurdendie in der Volksreligion oft unsinnig ausgeprägten Mythen aufgegeben,weswegen griechische und römische Philosophen vielfach angcklagt, biswei-len mit dem Tode bestraft wurden. So wurde allmählig der Unglaube undZweifel an der Volksreligion vorbereitet und dadurch in den Gemütherneine unheimliche Leere erweckt. In diesem Zustande befand sich das griechisch-römische Reich unmittelbar vor der Geburt Christi; verzweifelnd undkrampfhaft griff es nach auswärtigen Culten, und ließ sich in Mysterien ein-weihen, um das Innere zu beruhigen oder wenigstens zu beschwichtigen.Die römischen Satyriker spotteten darüber, vermochten aber dic Angstnicht zu stillen, und auch die Philosophen hatten nur zerstört, ohne aufbauenzu können. Diese immer allgemeiner werdende Sehnsucht erzeugte eineReihe von Weissagungen auf einen Erlöser, zunächst im Oriente,von wo aus sie sich nach dem Occidente verbreiteten. Ueberall zeigte sichein Entgegendrängen zu dem Erlöser, und der bestimmteste Ausdruck dafürsind die eben angedeuteten Weissagungen.

Als die Factoren dieser Erzeugnisse der alten Heidenwelt haben wir nunanzuschcn : 1) die dun kein Reste d er h eil. Uro ffenb arung, die sichunter den Völkern erhalten haben oder den Einfluß der geoffenbar-en Lehre im A. B. auf die Philosop Heu, den die frühesten christ-lichen Apologeten konstant behauptet haben; 2) die Wirksamkeit desLogos (Joh. 1, 4. 5. 9. 10.), die in Verbindung mit der göttlichen Vor-sehung über die religiöse Entwickelung des Menschengeschlechts wacht undsie weiter lenkt') ; 3) den Einstuß, den das jüdische Volk als der lebendigeTräger der göttlichen Offenbarung auf die Heiden übte, und endlich 4) denmenschlichen Geist, wie er, abgefallen von Gott sich selbst überlassen,in einen Zustand unheimlicher Leere versetzt wird, in dem er nicht verharrenkann.

1) r>äv. krox. e. 16.: a primorüio cminem orclinem cliviuss äisposl-

tiouis per llilimu äscueurisse.