Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Die alte Welt, Vorhalle z. Gcsch. d. Christenth.

der Erkenntniß Gottes und des religiösen Lebens unter den Heiden zuvorder zwei entgegengesetzten Ansichten gedacht werden, die sich frühzeitig inner-halb des Christcnthnms darüber gebildet haben. Die eine will in derreligiösen Erkeuntniß unter den Heiden gar nichts Wahres und in ihremLeben nur Diabolisches, nichts Gottvcrwandtcs mehr finden, wodurch demHeidenthumc, im Widerspruch zu der späteren Verbreitung des Evan-geliums unter den Heiden, alle Tugend wie alle Empfänglichkeit für dasChristcnthum abgesprochcn wird* *). Die andere will das Hcidcnthumals einen vollkommen naturgemäßen Zustand, als eine nothw endigeVorstufe in der Entwickelung des menschlichen Geistes, ja alsdas holdeBlüthen alter der Natur" darstellen, die das Christcnthum zumResultate gehabt habe. Dagegen bezeichnet das Evangelium überall dievon den Heiden zurückgclegte Bahn als gottcswidrig, dringt auf Bußeund eine gänzliche Wiedergeburt, auf Ablegung des alten und An-ziehung eines neuen Menschen, kündigt sich überhaupt als eine neueSchöpfung an, die den Menschen in den verlassenen Urzustand zu-rückführen will. Der Grund dieser ganz extremen Ansichten liegt außerin vielem Anderen auch darin, daß man das Heidenthnm isolirt, nicht inseiner Stellung zur universellen Entwickelung des menschlichen Geistes be-greift. Eine unparteiische Bcnrtheilung muß in Ucbcreinstimmungmit der katholischen Kirchenlehre im Hcidcnthum die Unnatur unddas Gottwidrige, zugleich aber auch noch göttliche Keime anerkennen, undin d i c sc n Anknüpfungspunkte für das Christcnthum, wodurch auch derHeide wieder zum reinen Ebenbilde Gottes erhoben werden konnte. Nachbeiden Seiten hin ist im Allgemeinen Folgendes über das Hcidcnthum fest-zustellen.

Nachdem der Mensch von Gott abgefallen war, verirrte er sich bis dahin,daß er anstatt G o ttes die Natur verherrlichte, und anstatt desSchöpfersdas Geschöpf anbetete (Röm. 1, 23.). Bei dieser Verwechslung Gottesund der Natur ging die EinheitGv ttes fast ganz verloren. Es wurde ge-mäß der Vielheit der Erscheinungen u. Kräfte in der Natur u. der Entwicke-lung der einzelnen Geschlechter zu Völkerindividucn, und alles Fremde aus-schließenden Nationalitäten der Polytheismus vorherrschend. Man er-blickte nämlich dicGeftalt der Gottheit bald im St ein, bald in dcrPfl anZe,bald im Klotz, bald im Thierc, bald im Stern, bald im Menschen,bald in der sinnlichen Schönheit, bald in der Abstraetheit desStaates. Es entstanden in weiterer Entwickelung solcher religiösen Begriffedie Systeme desF ctischmus, desTh i erdi cnstes, des Stern d ien st e S,des Mcnsch end i enstcs (Apotheose), der Verehrung der Geschöpfe einer

anfänglich reinen Erkenntniß u. Verehrung Eines Gottes, zu welcher Religionsich alle nachhcrigcn, wie die gebrochenen, verblassten Strahlen zu dem vollenLichtstrahls der Sonne verhalten."

*) So nach Wikliff's Ansicht: omiiss roliglon68 inilillorenter lntrmllietriosunt a L/abo/o der symbolische Protestantismus, so daß Mclanchthonin den loe. tlmol. erklärte: esto lliorit gnuoil-rm in 8oci:rte eoiistnniia, in Xo-nnerato oastitas, in Xonvuo tompor.intia, non äollont ve,-/»' rnrtrrt/üu« «seiLno li.il, eri. Gegen solche Ansicht erklärte das Concil zu Trient: 8i

gum äixsrit, opora omnnr, gn-ia .iiits subtiücritivnom llunt, gnmiingue r.itionoturnt, vera 6886 i>6ec.it.i ot oclllun I>oi morori, .int gmrnto vollemeutins stuienitlliir 86 tlibimnoro ml Zi-atlam, t.into Zrnviim peeoara .inatliennr sit <8688.Vl. c.in. 7); vgl. Stauden»! aier, Philos. d. Christenth. Bd. I. S. 705 ff.