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Einleitung. 3. Capitel. Quellen u. Hilfswissenschaften.
Die Befriedigung dieses Interesses nun, was uns als Glieder des Men-schengeschlechtes zur Erforschung der geschichtlichen Entwickelung desselbenmächtig erregt, ist der große Hauptzweck beim Studium der KG., wobeiallerdings noch Nebenzwecke erreicht werden können, wie z. B. Erkenntnißder Göttlichkeit des Christenthums, das Berständniß der gegenwärtigenLage der Kirche aus der Vergangenheit, Begründung der confessionellenUeberzcugung u. A.
Den Nutzen der KG. betreffend, so gewährt dieselbe zuvörderst alleVortheileder Geschichte überhaupt; sie erzeugt in uns einen praktis che nSinn, wiedietheoretischen Wissenschaften den Geist so r mell bilden. Bekannt hierüber ist dasclasstsche Wort Ciceros: lustoria vorotostistomponim, lii v vsiitatis, vitaomemoria, magistru vitae, mmtia r etostatis. Weniger bekannt ist, daß Diodordie Geschichte eine Gehilfin der Vorsehun g, eine Priesterin derWahrheit und eine Mutter d er Ph ilos o p hie nennt, so wie auch dasWortdes CamillusbeiLivius: si Imer niomimouta vitao ts non n>ov< nt, nullste morebunt. Alles dieses wird aber erst durch die KG. vollständig erreicht,und sie bietet noch ganzbesondere Vorthcile, zunächstder ErkenntnißderGöttlichkeit desChristenthums und derKirche aus ihrcnWirkungenI. Durchdie Schaar ihrer großen und herrlichen Charaktere, worin ihr die Profange-schichte bei weitem nachsteht, regt sie zu ächter Religiosität und wahrer Fröm-migkeit mächtig an. Schön hat hierüber Eusebius ) gesprochen: „AndereGeschichtschreiber würden nur Siege, in Kriegen erfochten, Siegeszeichen, überdie Feinde davon getragen, der Feldherren ausgezeichnete Thatcn und der Krie-ger Tapferkeit, welche sich für Kinder, Vaterland und die anderen Besitztü-mer mitBlut und unzählbaren Mvrdthateu befleckten, zum Gegenstände ihrerDarstellung gemacht haben; allein unsere Geschichte des Staates Gottes solldie höchst friedlichen Kämpfe für den Frieden der Seele, so wie diejenigen,welche in denselben mehr für die Wahrheit als für das Vaterland, mehr fürdie Religion, als für ihre nächsten Anverwandten wacker gestritten haben,auf unvergängliche Säulen eingraben, und die Standhaftigkeit der Kämpferfür die Religion, ihren viel erduldenden Muth, ihre im Kampfe mit denbösenGeistern gewonnenen Siegeszeichen, ihre Siege über die unsichtbaren Feindeund endlich ihre Siegeskroue zum ewigen Andenken verkünden." — DenTheologen, der in der Kirche die Intelligenz repräsentier» soll, setzt dieKG. in den Stand, einem Jeden über den Entwickelungs- und Bildungsgangder Kirche Rechenschaft zu geben, und lehrt ihn durch Vorführung der viel-fachsten Gestaltungen des Lebens, wie er als Seelsorger in der gegenwärtigenLage der Kirche auf dieselbe mit Erfolg einwirken kann, und bietet ihm endlichfür das Studium.der übrigen theologischen Disciplinen: daöKir ch en r ech t,die Exegese, Dogmatik und Mora l die wesentlichsten Dienste. Bezüg-lich des Verhältnisses der KG. zu den übrigen theologischen Disciplinen istzu beachten, daß dieselbe das durch Christus vollbrachte und durch seine Apostelund deren Nachfolger fortgesetzte Erlösungswerk nach seiner dreifachen Tä-tigkeit und Einwirkung auf die Menschheit von allen theologischen Discipli-nen am umfassendsten darlegt. Dieser Umstand sowie die besondere Erwägung,daß die christliche Offenbarung zum großen Theile Ge schichte ist, macht esaugenscheinlich, daß die historische Theologie und darunter vorzüglich die Kir-
tj Dicringer, System d. göttl. Thaten. Bd. I. S. 52—58. 2. A.S. 36 ff.2) b. 6 üb. V. in d. Vorrede.