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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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Einleitung. 1. Capitel. Inhalt der Wissenschaft.

und 5) endlich, wie das Reich Gottes bei dem ihm inhärircnden Abscheu vorder Sünde in seinen Bürgern ein wahrhaft religiös-sittliches Lebenerzeugt, sie zu Heiligen, zur männlichen Reife und zum vollen Alter Christi(Ephes. 4, 13. vgl.Koloss. 2, 19.) erzieht, und zur Sicherung und Erneuer-ung dieses Lebens eine den Bedürfnissen der Zeit entsprechende wahrhaft er-ziehende Kirchenzucht ausgestellt hat. Die letztem vier Punkte bildenden Inhalt der inner» Kirchengeschichtc.

Anm. Indem wir also vom Standpunkte des Katholiken in dem BegriffeKirchengeschichtc die Kirche als absolute göttliche Hcilsordnung sesthaltcn,müssen wir von dem geschichtlichen EntwickelungSproecssc eine von der des Prote-stanten wesentlich verschiedene Betrachtungsweise gewinne». Nach der Anschauungdes Katholiken von seiner Kirche kann die Ausgabe derselben, welche im Verlaufder Geschichte zu lösen ist, nur darin bestehen, daß die objcctiv bereits in der sicht-baren Kirche vorhandene und gekannte Wahrheit nur immer klarer und tiefer indas Bewußtsein der Menschen ausgenommen werde, stets umfassender in der öffent-lichen und häuslichen Sittlichkeit, im Staate, der Wissenschaft und Kunst sich aus-präge. Wogegen nach der Ansicht des Protestanten die objcciive Wahrheit sich nurin der unsichtbaren Kirche findet, in der sichtbaren niemals vollkommen er-reicht wird, indem man sich derselben nur mehr oder weniger im Verlauf der Ge-schichte nähert. Welchen Einfluß außerdem der Protestanten Negierung eines vonChristo angeordnctcn Klericalstandes und seiner Abstufungen, des Cölibatcs, desVorzuges der Virginität u. m. A. ans ihre Geschichtsdarstcllung geübt hat undnoch ansübt, deute» wir nur an. Richtig urrhciltc daher Schlc i crm a cher, alser sagte:Bei der organischen Betrachtung der Geschichte kommt cs besonders aufdie Identität der Grundübcrzcngungcn an, und zwar besonders bei der KG. Eswird jeder cinschcn, raß, wo es entgegengesetzte Parteien gibt, jede geschichtlicheDarstellung, wenn sie den Gegensatz betrifft, eine andere ist als die Darstellungder cntgegcngcsctzren Partei, wohin auch die moralischen Ansichten der verschiedenenphilosophischen Schulen gehören u. s. w."*).

§. 5. Universal- und Spccial-Kirchcngcschichtc.

Die Idee einer Universalgeschichte konnte das vorchristliche Alterthumnicht vollständig erfassen, noch weniger ansführcn. Zwar hatte besondersPolybius eine Ahnung davon, und bestimmte den Unterschied der allgemei-nen und Specialgeschichte dahin: die Specialgeschichte-o-roiii«) seivercinzeltohneZnsammenhangund ohne gemeinschaftliches Ziel,die Un iv crsalg esch ichte dagegen (ß icriopi«) bilde ein or-ganisches Ganze mit innerer Einheit: wenn man auch alle

Staaten und Völker der Erde aufs genauste kenne, so übersehe man doch nochnicht die Gestaltung und den Entwickelungsgang der ganzen Welt, und zwareben so wenig als man durch die Betrachtung der zerstreuten Glieder zurKenntniß der Kraft und Schönheit des menschlichen Körpers gelange. Eineklare Anschauung gewinne man erst aus der Zusammenstellung und Verknüpf-ung der Völkergeschichten, und aus ihrer Beziehung auf ein Gesammtziel(ch w-ccXxi.« Aber die Ausführung des letzteren suchen wir bei

ihm ganz vergeblich, so wie auch die Verheißung des Diodor von Sicilien:die zahlreichenBcgebenheiten der ganzen Welt gleichsam als die GeschichteEines Staates so vollständig als möglich, von der frühsten bis aufseineZeit zusammenzustellen," trotz des in den Bibliotheken Alexandriens und RomSangehäuften Materials nur ein flüchtiger Einsall blieb. Der Grund davonliegt keineswegs bloß in der im Allgemeinen auffallenden Beschränktheit derhistorischen Kenntnisse bei den Alten, sondern weit mehr in der vorherrscheu-

Vgl. Schleier machers KG. S. 310.