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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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Einleitung, l. Caxitel. Inhalt d. Wissenschaft.

sich allein und in seinen ihm nothwendigen gesellschaftlichen Verbindungen,dem Staate und der Kirche, der vorzüglichste Gegenstand der Geschichteund zwar besonders nach seinen geistigen Anlagen. Demnach versteht man ge-wöhnlich unter Geschichte im objektiven Sinne die Entwickelung desmenschlichen Geistes, wie diese sich in und durch die gesellschaftliche Verbin-dung des Staates und dessen öffentliche Verhältnisse kund gibt; als Wissen-schaft ist sie das Wissen und Verstehen jener Entwickelung, und als Kunstdie ideale Wiederholung oder Darstellung derselben (Historie). Darauf be-schränkte sich die Geschichte in der vorchristlichen Zeit, und cs war dabei derMensch nur in seinem irdischen Dase i n berücksichtigt. Auch konntewegen der obengenannten Verschmelzung der Kirche mit dem Staate, desGeistigen mit dem Leiblichen, des Nationalen mit dem Religiösen von keinerKG., sondern nur von einer Staatcngeschichte die Rede sein. Die Kir-chengeschichte hat ihren Anfangspunkt wahrhaft erst in dem Christenthume,welches Kirche und Staat gehörig anseinandcrhielt. Zudem gewährten in dervorchristlichen Zeit alle Erscheinungen auf dem Gebiete der Religion keingleiches Interesse wie im Christenthume. Alle großen Bestrebungen der altenVölker waren nur auf den Staat gerichtet, und die Religion war nicht dasanregende Princip dazu. Aber auch jetzt noch faßt man häufig die Geschichteso aus, daß man nur den Men scheu überall zum Mittelpunkte macht, undAlles nur auf seine Ehre und Verherrlichung bezieht. Dagegen meint Möh-ler, von den Grundanschauuugen des ChristenthumS aus müsse man mehrdie Wirksamkeit Gottes in der Menschbeit hcrvorheben, so daß die Geschichtezu definircn sei: als d ie Entw i ckel ung d es Mensch engeschlecht esin und durch Gott, oder bestimmter die planmäß igc Erziehungder Menschhei t dur ch G ott, aufChristus hin, um sich in ihr durchChristum eine würdige Verehrung und Verherrlichung zubereiten, hervorgegangen aus freier Huldigung der Men-schen selbst. Darnach erscheint Christus als der Ziel-und Wend e-punkt der Zeit und aller Geschichte. Und man wird an dieser Auffassung derGeschichte um so mehr festhalten, je mehr sich die Ueberzeugung befestigt,daß der christliche, d. i. von der göttlichen Offenbarung durchdrungene, er-leuchtete , gehobene und verklärte Geist allein im Stande ist, die göttlichenFührungen in der Menschenwclt vor und nach Ehr istus zu erkennen undzu begreifen ').Niemand kann (ja) das Buch öffnen und seine Siegel lö-sen, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, nur der Löwevom Stamme Juda, die Wurzel Davids, das Lamm, das getödtet ward"(Apokal. 5, 35.)

Hieraus nun ergibt sich, daß die göttliche Leitung und Führung des Men-schengeschlechtes in der Zeit vor mit jener nach Christus, die Weltgeschichtemit der Geschichte des ChristenthumS eng zusammen hänge, etwa wie Vor-bereitung und Vollendung (ua7oi^klül -roü elompntamiiiicli

Galat. 4, 3. 9. Coloss. 2, 8. 20. als Gegensatz zuGalat. 4, 4. Ephes. 1,10.), und daßdarumdie Vor bereitungsperiode

1)Das christl. Bewußtsein ist auch d. Licht, welches uns das hcidn. Altcrthumerhellt >u. begreiflich macht" (Frcib. Zcitschr. f. Thcol. Bd. Vill S. 4987.).Joh. v. Müller erkannte nach langem, mühsamen Forschen erst mittelst desEvangeliums den Zusammenhang der ganzen Geschichte, den Plan Gottes m.d. Menschheit; vgl. sämmtl. Werke der Octavausg. Bd. VIII. S. 246 u. Bd. XVI.S. 138 ff. stGams, Ausgang n. Ziel d. Geschichte Tüb. 850. S. 96 ff.