§. 2. Die wahre christl. Kirche. §. 3. Geschichte, Kirchcngcschichte. 3
Idee des Christentums: Heiligung und Einigung d er ges ammtenMenschheitmitGottdurch Christus im heiligenGeistevöllzieht.
§. 2. Die wahre Kirche Christi unter de» Kirchen?v. Drey, ApologctikBd. III. S. 313 ff. s-Dicriuger's Dogmat. 4. A. S. 610 ff.
Sollte durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes der Zwiespalt deralten Welt im religiösen Denken und Leben aufgehoben, und die von ihmverkündete eine göttliche, und darum unveränderliche Lehre (Matth. 24, 35;Hebr. 13, 8.) allen künftigen Geschlechtern unversehrt erhalten werden, somußte der Gefahr der verschiedenartigsten Auffassung und Mißdeutung be-gegnet werden, wenn die von Christus vorgetragene Warnung für einen be-absichtigten Thurmbau (Luk. 14, 28 ff.) nicht ihn selbst am schlimmsten tref-fen sollte. In dieser Beziehung gehörte es daher zur Vollendung der christ-lichen Kirche als einer göttlichen Stiftung, daß in ihr zugleich ein allge-mein gütiges Kriterium zur Erkenntniß der ursprünglichen Heilsordnung inden Aussprüchen und Erklärungen des von Christus ungeordneten, göttlicherleuchteten und darum unfehlbaren Lehramtes und Priesterthu-mes gegeben ward, wodurch jene Lehrbestimmungen aus dem beschränktenKreise unvollkommener menschlicher Einsicht aus ein göttliches Princip zurück-geführt werden. Hierdurch ward erst die Kirche zur Säule und Grund-veste der Wahrheit (I Timoth. 3, 15.), und dadurch allein kann sie mitobsectiv er Sicherheit alle diejenigen unterscheiden, die nicht zur Gemein-schaft gehören (»l 1 Kor. 5, 12. 13. 1 Joh. 2, 19.), daß sie eine un-
trüglich e Norm zur Bcurtheilung und Vcrurtheilnng der s. g. Häresienhat. Wurde nämlich jene göttliche Heilsordnung in Beziehung auf ihreLehreinheit verletzt, so entstand eine Trennung, Häresie (a'i^eo^c).Die Kirche schied Urheber und Anhänger derselben, die formellen wie diemateriellen Häretiker (Ketzer) aus ihrer Mitte, damit sie nicht die Gc-sammtheit ansteckten, gleichwie kranke, unheilbare Glieder vom Körper ab-gesondert werden, um nicht den ganzen Leib zu inficiren. Gab sich dagegeneine Verkennung der in der Kirche aufgestellten Verfassung oder Disci-plin kund, so trennten sich Urheber und Anhänger von der Liebeseinheitder Kirche; es entstand eine Spaltung Oxi<rzl«), deren Teilnehmer oderBeförderer Schismatiker hießen '). Hievon sind jedoch die s. g. theo-logischen Streitigkeiten (clmsiäm tlwol.) zu unterscheiden. Diesebeziehen sich entweder nur auf eine Form der theologischen Wissenschaft, dienicht nothwcndig den Inhalt derselben verletzt, oder auf ahnungsvolle, jedochbezweifelte Ansichten sllwolognmaria), worüber das Vorgesetzte Lehramt derKirche noch nichts ausdrücklich entschieden hat, und welche dem Gesammtin-halt der christlichen Kirche nicht widersprechen ').
§. 3. Geschichte, K i r ch e n g c s ch i ch t c.
-sGörrcs, üb. d. Grundlage, Gliederung u. Zeitenfolge d. Weltgcsch. Brest. 830.
Geschichte, im allgemeinsten Sinne, ist das im Gebiete des VeränderlichenGeschehene. Doch nicht Alles was geschieht kann zur Geschichte gehören,sondern nur dasjenige, was ein wichtiges geistiges Interesse erregt und ge-währt oder damit in Verbindung steht. Besonders aber ist der Mensch für
1) lieber den Unterschied von Imorssis n. sclüsma handelt com.
droscou. gramimuic. liouatmt. lib. II. o. 3 sg. (opp. ocl. Lsuoel. B. IX'.)
2) Ganz im Geiste der Kirche ist der dem hl. Augustin irrthnmlich beige-legte Spruch: In irsesssarüs umtae, iu äubiio libertrw, in omuibus caritas.
1 *