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9 (1830) R bis Schu
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Schulzucht

mien zu ihrer Pflicht ermuntert, so wäre zu fürchten, daß es in Zukunft nur Söld-ner, aber keine moralisch-guten Menschen gäbe. Anders verhalt es sich mit denjeni-gen Prämien, welche in brauchbaren Gegenständen bestehen und den Zöglingennicht als Lohn für eine pfllchtmäßige Handlung, sondern als Auszeichnung wegeneines längere Zeit hindurch bewiesenen musterhaften Fleißes und Betragens ertheiltwerden. Solche Geschenke können noch in späten Jahren des Lebens eine süße Er-innerung an die entflohenen Jugendjahre in dem Gemüthe der Empfänger zurück-rufcn. Darum ertheilen Schulvorsteher bei Prüfungstagen und Jugcndfesten denfleißigsten und gesittetsten ihrer Schüler solche Prämien. In derselben Absicht sindauch bei vielen öffentlichen Schulen Stiftungen, aus welchen die Vorzüglichstenentweder mit Büchern oder einer kleinen Summe Geldes beschenkt werden. Wennman diese nach richtiger Abwägung verthellt, so sind sie unschädlich, ja sogar nütz-lich, indem sie manchen edlen Keim durch die Freude befruchten und das jugendlicheGemüth von Neuem zum Fleiße ermuntern. Überhaupt ist die Freude, dieses köhereElement des reinern Lebens, ein nicht genug zu beherzigendes Mittel der Schul-zucht. Zur Erweckung einer sittlichen Freude tragen insbesondere bei alle Schulfeier-lichkeiten, welche, einfach und würdig veranstaltet, das Gcmüth erheben und demalltäglichen Leben durch bedeutungsvolle Handlungen eine erhöhtere Empfindungund einen geistigen Aufschwung verleihen können. Solche mit psychologischem Blickanzuordnende Feierlichkeiten sollten stattfinden bei der Einführung oder dem Ab-gänge eines Lehrers, bei der Aufnahme oder dem Abgänge mehrer Schüler, bei To-desfällen und bei andern das jugendliche Herz berührenden Ereignissen. Vorzüglichgehören hierher die Schulfeste, die entweder in der Schule selbst oder im Freienvon der Jugend am wirksamsten durch eigne Theilnahme derselben an der Ver-anstaltung und Ausführung gefeiert werden. Allgemeine Schulfeste sollten vonder Schuljugend aller Orte eines Landes begangen werden, sowie es besondere gibt,welche nur von der Schuljugend eines Orts oder von einzelnen Elasten derselben ge-feiert werden. Ein ehedem sehr beliebtes, allgemeines Schulfest war das Grego-riusfcst (s. d.), welches aber der Zeitgeist nicht ohne Grund verdrängt hat, undvon welchem sich nur noch aus einigen Dörfern Spuren in dem sogen. Gregorius-singen finden. In Hamburg wurde auf gleiche Art das Nicolaifest gefeiert. DieKnaben erwählten aus ihrer Mitte einen Abt, der den Namen kipiseopus puero-rum erhielt, und der in einer besondern Kleidung an Sonn- und Festtagen mitPomp von ihnen in die Kirche geführt wurde. Der Rath bewirthete die Schülermit einem Freudenmahle. Im 14. und 15. Jahrh. führten die Schüler an solchenFesttagen auch Schauspiele, meistens biblische Geschichten, auf, spater Stücke vondem Meistersänger Hans Sachs. Im 17. Jahrh. verloren sich die Schulkomödiennach und nach aus den protestantischen Gymnasien; in den katholischen aber undmeistens in den Collegiis der Jesuiten haben sie sich bis ins 18. Jahrh. erhalten;zu Bogota, der Hauptstadt Colombias, wurden in dem dasigen Jesuitencollegiumnoch 1823 von den Schülern Schauspiele aufgeführt. Die Umgänge und Auf-züge dauern noch jetzt an vielen Orten fort, da sie leider! zu den Einkünftender Lehrer gehören. Unstreitig waren diese Processionen Nachbildungen der imalten Nom gebräuchlichen Huinguatri», wenn im Frühling die Lehrer mit Mu-sik herumzogen und Geschenke (Wnervalia) sammelten. Besondere Schulfeste sindz.B. die Feier des Stiftungstages einer Schule, die Aufnahme und der Abgangmehrer Schüler, die sogen. Schulactus und ähnliche Feierlichkeiten. Salzmannhat einige Schul- oder vielmehr Jugendfeste, wie sie die Zöglinge der schnepfentha-lcr Anstalt feierten, z. B. das Kartoffelfest u. a., Zarnack hat einige Feste, wiesledie Waisenhausschule zu Pojsdam feiert, in s. Schrift:Über Kinderfeste", be-schrieben. Das naumburgec Kirschfest kann ebenfalls, da die Schuljugend an dessenFeier Antheil nimmt, hierher gezählt werden. Für die Nothwendigkcit zweckmäßig