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Schulzucht
abzielende Maßregeln und Maßnehmungen begreift man unter obigem Namen.Die Benennungen: strenge und gelinde Disciplin, sind relative Begriffe. Die besteist unstreitig diejenige, welche den Zweck erreicht, ohne oft zu Schulstrafcn oder zuSchulprämien ihre Zuflucht zu nehmen. Strenge Aufmerksamkeit des Lehrers,sein kinderftcundliches Herz, verbunden mit Würde und Ernst (ohne erkünstelteGravität und Pedanterie), und sein Vorgang mit gutem Beispiel im Fleiße, in derOrdnung und in der Sittlichkeit und äußern Sittsamkeit wird in gut organisirtcnSchulen strengere disciplinarischc Maßregeln nur selten und nur bei ganz rohen undverdorbenen Gcmüthern nöthig machen. Der Geist der Schuldisciplin steht sehrunter dem Einflüsse des Charakters der Zeit überhaupt und der Gesellschaft insbe-sondere , welcher die Schule anvertraut ist. Anders leiten die Schulzucht Möncheund Jesuiten, anders durch Anlage, Charakter und Bildung zu Schulmännern be-rufene Familienväter, die zugleich dem Staate und der Kirche angehören. Am au-genfälligsten zeigt sich jener Geist der Disciplin in den Schulstrafen, diesem bishernoch für unentbehrlich gehaltenen Zweige der Schulzucht. Die den Schülern wegenPflichtverletzung von den Lehrern zuerkannten Strafen, um sie dadurch zur Besse-rung zu bewegen, bestehen gewöhnlich in Entziehung der Freiheit, der Speise, ei-nes Vergnügens, in Beschämung durch Verweis unter vier Augen, vor der ganzenClasse, durch Stehen oder Absondern von der Classe für eine Zeit lang, durch Sitzenauf einer sogen. Strafbank, Herabsetzung auf einen untern Platz oder in eine nie-dere Classe, seltener in Erlegung einer kleinen Geldsumme, Strafarbeiten (Abschrei-ben, Auswendiglernen u. s. w.), und hier und da noch in körperlicher Züchtigung!Die geläuterte Pädagogik hat schon langst über diejenigen Strafen, durch welcheder Gesundheit und dem Ehrgefühle zu nahe getreten werden kann (harte körperlicheZüchtigung, Knien, das Tragen eines Esclsbildes u. a,), den Stab gebrochen.Die Zeiten scheinen, Gottlob! vorüber, wo sich in dem Lebenslaufe eines Schulleh-rers solche Nachrichten finden, wie die „Pädagog. Unterhaltungen", herausg. vondem dessauischen Erziehungsinstitute, unter der Aufschrift: „Häuberle und Neu-mann", liefern. Johann Jakob Häuberle, eolleAszubilaeus einer kleinen schwäbi-schen Stadt, hatte während seiner 51jährigen und Monatlichen Amtsführung nacheiner mäßigen Berechnung an die ihm anvertraute Schuljugend ausgethcilt:911,517 Stockscyläqe, 24,010 Ruthenhiebe, 20,989 Pfötchen und Klapse mitdem Lineale, 136,715 Handschmisse, 10,235 Maulschellen, 7905 Ohrfeigen,1,115,800 Kopfnüsse und 12,763 Notabenes mit Bibel, Katechismus, Gesang-buch und Grammatik, 777 Mal hatte er Knaben auf Erbsen knien lassen, 613 aufein dreieckiges Stück Holz, 5001 Schüler mußten den Esel tragen und 1707 dieRuthe Hochhalten, der sogleich aus dem Stegreif verfügten Strafen nicht zu geden-ken. Unter den Stockschlägen waren 800,000 für nicht erlernte lat. Vocabeln, undunter den Rutbcnhieben 76,000 für nicht erlernte Bibelsprüche und Liedcrverse.Unter seinen 3000 Schimpfwörtern war ein Drittel eigne Erfindung. Alle 2 Jahrbrauchte er eine Bibel, die er stets zur schnellen Handhabung der Disciplin in denHänden trug. Während s. Amtsführung hatte er 12 Grammatiken, 7 Katechis-men, 6 Gesangbücher in der Schule und 3 in der Kirche verbraucht. — Nicht min-dere Überlegung erfodert die Bestimmung von Schulprämien, oder Geschenken,welche fleißige und gesittete Schüler und Schülerinnen als Aufmunterung erhalten.Auch hierin haben sich Aufseher und Lehrer oft sehr stark vergriffen. (Man lese z. B.in „Reinhold's Leben", Jena 1825, die Art und Weise, wie die Jesuiten den ju-gendlichen Fleiß in ihren Schulen zu belohnen wußten.) So geben selbst jetzt nochmanche Erzieher ihren Zöglingen für eine mit Fleiß gefertigte Arbeit einen Ehren-pfennig , d. h. ein Slück Geld, welches die Altern wiedererstatten. Leicbt könnendiese und ähnliche Prämien oder äußere Ehrenzeichen schon frühzeitig eine niedereLohn- und Ehrsucht in der Kindesseele erregen, ünd würden alle Kinder durch Prä'