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Sachsen. I. Ältere Geschichte 543
sorbischen Gaue waren der Gau Nisen, der von Scharfenberg bis an die damaligeböhmische Grenze in der Gegend von Pirna reichte; der Gau Glomaci (oderDale-minze), von der Völkerschaft der Dalemintier bewohnt, mit dem Hauptorte Glomaci(Lommatsch) und der in der Nähe liegenden Feste Gana; der Gau Plisni mit demHauptorte Plisni (dem heutigen Altenburg); der Gau Neletici mit Halle und demi Giebichenstein; der Gau Scudici, mit Skcuditz und Leipzig; der Gau Milin mitZwickau; der Gau Chutici, mit Chemnitz, Rochlitz, Borna u. s. w. Eine Mengevon Örtern, aus welchen in der Folge blühende Städte erwuchsen, wurden von denSorben angelegt, besonders Lipzk (Leipzig), Wurzen, Zeitz, Altenburg, Zwickau,i Ehemnitz, Kolditz, Belgern, Stcehla u. a. — Mit diesen Sorben begannen aberdie Kämpfe der Deutschen unter abwechselnden Erfolgen, seitdem das fränkischeReich, zu dessen östl.Thcile (Austrasien) Thüringen gehörte, durch die Majores Do-nms aus dem Carolingischen Hause wieder mehr gehoben ward, und Karl d. Gr.machte bereits in s. Zeit die Sorben bis an die Elbe, und die Milzenec und Obo-tritcn zinsbar. Doch dauerte es, bei den unter s- Nachfolgern eingetrelenen innernund äußern Kämpfen, bis zu der Zeit des deutschen Königs Heinrich I., bevor dieElbe als Grenze des seitdem verduner Vertrage (843) selbständigen deutschen Reichsbehauptet, und das Land zwischen der Saale und Elbe den Slawen völlig entrissenI werden konnte. Denn wenngleich schon vor Heinrich I. das Land zwischen der Saaleund Mulde als eine deutsche Mark unt. d. N. des Lsterlandes (limes 8vrsbivu«,Ilisreiü» vrlentalis, südthüringischcMark) erscheint, und, wahrscheinlich von dieserverschieden, auch bereits seit 874 eine zweite nordthüringische Mark bestand, welchei ihren Sitz zu Belgern und dann zu Eilenburg hatte, so gelang doch die völlige Be-! zwiugung der Sorben in diesen Gegenden erst dem deutschen Könige Heinrich 4,nachdem er die Feste Gana zerstört und (928) dieMarkMeißen begründet hatte,wo durch den angcstelitcn Markgrafen die in die Obcrlausttz zurückgedrängten Sla-wen und die dort wohnenden Milzener im Zaume gehalten und zur Entrichtung desTributs an den König Deutschlands genöthigt wurden. Gleichzeitig hatteHcinrichauch das Land der Haveller an der Havel zu Deutschland gebracht, nachdem er ihreFeste Brcnnibor (Brandenburg) 931 erobert und die Markgrasschast Nordsachscnauf dem ihnen entrissenen Boden gestiftet hatte. Von s. Sohne Otto I. wurden indiesem Lande zur Verbreitung und Erhaltung des Christenthums die 3 BisthümerMeißen (96ü), Merseburg und Zeitz (968) gestiftet, der Sitz des letztem aber (1029)nach Naumburg verlegt. Weil jedoch in diesem Zeitalter, und nach dem ursprüng-lichen Charakter des Lehnsystems, die Würde der deutschen Herzoge, Land-, Pfalz-,Mark- und Burggrafen als Reichslehcn nur ansehnliche Staatsämter ohne erb-lichen Besitz derselben in gewissen Familien waren, so wechselte auch, entweder beidem Tode ihrer Inhaber oder wegen Lehnsuntreue (Felonie) der Besitz dieser Wür-den, bis dieselben, sowie die mit ihnen als Besoldung der großen Reichsvasallenverbundenen Lchnsgrundssückc, in den Zeiten der letzten salischen Kaiser und nachdem Abgänge des salischen Hauses, unter dem Kaiser Lothar II. bei denjenigen Fa-milien erblich wurden, welche sie eben damals besaßen. Nach einem 200jährigenl Wechsel der markgräfl. Würde in Meißen gelangte daher auch das Haus Wet-- tin mit dem Markgrafen Konrad, einem nahen Verwandten der Gemahlin des, Kaisers Lothar H., zum erblichen Besitze der Markgrasschast Meißen 1127. —
I Ob dieses Haus, dessen beglaubigte Abstammung nicht weiter als bis auf Thcodo-r!ch Buzici (der in Ottos I. Zeiten lebte) zurückgcführt werden kann, slawischer odergermanischer Abkunft war, ist nicht bis zur Gewißheit auszumitteln. Doch nenntihn ein Chronist: Vir o^reAino libertatis, welches im Mittelalter den Besitzereines bedeutenden deutschen Freigutes bezcichnete, der keinem Höher» durch Lehns-Verhältnisse verpflichtet war. Daß seiner Familie erblich eine ansehnliche Besitzung>» der Nähe von Halle gehörte, wo sie die Burg Wettin erbaute und sich nach der-