542 Sachsen. I. Ältere Geschichte
sten v. Brandenburg vertheidigen. — Diese Übertragung der sächsischen Kurwürdeund Kurlander (des Herzogthums Sachsen mit dem Burggrasthume Magdeburgund der sächsischen Pfalz Altstadt in Thüringen) auf das markgräfl. Haus Wettinin Meißen führt von selbst auf die frühere Geschichte des meißner Landes, als desStammlandes der jetzt regierenden beiden sächsischen Linien, der Ernestinischen undAlbertinischen.
In diesem Lande, wo im I. 928 die Mark Meißen vom deutschen KönigeHeinrich 1. errichtet ward, erscheint, nach den Zeugnissen römischer Schriftsteller,am Anfänge der christl. Zeitrechnung der germanische Volksstamm der Hermun-durer als eine Nomadenhorde. Er durchzog bis gegen das Ende des 4.Jahrh. dieFluren und Gegenden zwischen der Elbe, Mulde, Pleiße, der weißen Elster und derSaale. Seit dieser Zeit, dem Zeitalter der Völkerwanderung, verliert sich zwarder Name Hermundurer aus der Geschichte; allein keine Nachricht des Mittel-alters berichtet, daß diese Hermundurer den Massen der übrigen, nach W. und S.ins römische Westreich vordringenden, deutschen Völkerschaften sich angeschlossenund ihre frühem Wohnplätze verlassen hätten. Da nun gegen das Ende d. 4. Jahrh.ganz in den damals von den Hermundurern bewohnten Gegenden der Name desdeutschen Volks der Thüringer erscheint, obgleich keine Nachricht darüber sich erhal-ten hat, daß diese Thüringer erst in dieser Zeit als ein neuer Volksstamm in Mittel-deutschland eingcwandert wären; da vielmehr diese Thüringer sogleich bei ihrem Er-scheinen in der Geschichte, nach Verfassung, Sprache, Sitte und Religion, sowiedie Hermundurer, als ein deutscher Volksstamm sich ankündigten: so wird durchdies Alles die (von Adelung in s. „Direktorium" aufgestellte und von Heinrich inder neuen Bearbeitung s. sächsischen Geschichte gleichfalls angenommene) Mulh-maßung begründet, daß Hermundurer und Thüringer, ebensowie Kalten und Hes-sen, nur ein und dasselbe Volk sind, und daß, wenn dieses Volk den Römern unt. d.N. Hermundurer bekannt war, der eigentliche deutsche Name desselben Thüringerwar, sowie die Römer auch die Hessen nur u. d. N. der Kalten kannten. Für dieseVermuthung spricht besonders, daß dieselbe Flußgrenze der Werra, welche früherzwischen den Hermundurern und Kalten bestand, auch seit dem Erscheinen des Na-mens der Thüringer in der Geschichte, zwischen den Thüringern und ihren Nach-barn, den Hessen, fortdauerte. Durch feste Niederlassungen und durch den Anbaudes Bodens in den Niederungen zwischen der Werra, Unstrut und Saale ward da-her der Grund desthüringischenKönigreichs gelegt, das seit dem 2. Vierteldes 5. Jahrh. sich über mehre Theile des Mittlern Deutschlands bis in die NäheBöhmens ausbreitete, weil durch die Theilnahme so vieler germanischen Stämmean der Völkerwanderung in Mitteldeutschland die vorigen Wohnsitze derselben er-ledigt worden waren. So lange als dieses thüringische Königreich in s. Kraft be-stand, war es zugleich die sichere Vormauer gegen die im Osten Europas den Deut-schen von der Ostsee bis an das adriatische Meer nachstehenden slawischen Völker.Denn wenngleich zu der Zeit der thüringischen Macht das Land zwischen der Saaleund Elbe wahrscheinlich ungleich weniger angebaut und bevölkert war als das Landan der Unstrut, zwischen der Saale und Werra, so gehörte cs doch als wesentlicherBestandtheil zu den thüringischen Besitzungen und ward gegen die Slawen behaup-tet. Als aber das thüringische Königreich 528 durch die vereinigte Kraft der Fran-ken und Sachsen zertrümmert ward, da erschienen nicht nur die Sorben, ein Haupt-zweig der Slawen, in dem Lande zwischen der Elbe, Mulde und Saale seit 534,sie behaupteten sich auch in demselben und brachten die dort wohnenden Deutschenzur Unterwerfung. — Von 534—928 war also dieses Land zwischen der Elbe,Mulde, Pleiße, Elster und Saale eine Besitzung der Sorben und ward nach ihnenSorabia genannt, auch von ihnen in Zupanien getheilt, welche Eintheilung eineÄhnlichkeit mit der Eintheilung deutscher Provinzen in Gaue hatte. Die wichtigsten