Sachsen. I. Ältere Geschichte 539
Lau, in der Bibliothek des Alumneums zu Altdorf u. a. O. F. I. Bertuch's„Proben aus Hans Sachs's Werken" (Weimar 1778) wurden nicht mit der Liebeausgenommen, daß eine vollständige Ausg. folgen konnte. Um so erfreulicher ist esfür die Freunde alter vaterländischer Dichtkunst, daß Büsching unternommen hat,ihn in einer Auswahl zu erneuern (Nürnberg 1828, in 6 Bdn., m. Kpfrn.). Diebis jetzt gedruckten poetischen Werke dieses merkwürdigen Schriftstellers bestehen in272 weltlichen, 116 allegorischen Erzählungen und 197 Schwänken. Auch hatec schöne einfache, herzerhebende Kirchenlieder gedichtet, u. a. das: „Warum be-trübst du dich, mein Herz u. s. w." Ferner das berühmte Gedicht auf Luther:„Die Wittenberger Nachtigal". Göthe hat sich das Verdienst erworben, in s. Er-klärung eines alten Holzschnittes den alten Meistersänger den Zeitgenossen durchEmpfehlung näher zu bringen.
Sachsen. I. Ältere Geschichte. Wenngleich der Name der Sachsenin dem Verzeichnis der germanischen Völkerschaften beim Tacitus fehlt, und wederPomponius Mela noch Plinius der Sachsen gedenken, so dürften sie doch ursprüng-lich zu den norddeutschen Stammen gehören, die u. d. N. der Cimbern und Teuto-nen bei ihren Zügen nach dem Süden das römische Reich mächtig bedrohten undnur durch den Heldcnmuth des Marius bezwungen werden konnten. Erst Ptole-mäus führt diesen Volksstamm bei der cimbrischen Halbinsel, im heutigen Holstei-nischen und dessen Umgebungen, auf. Die versuchten Herleitungcn des sächsischenVolksnamens (von Sassen, Eingesessenen, vonSax, einem kleinen Dolche) er-mangeln des grammatischen Beweises und der historischen Begründung. Seit aberdie Sachsen im 3. christl. Jahrh. als eine besondere germanische Völkerschaft imnördlichen Deutschland erscheinen, wird ihrer als eines zahlreichen, kriegerischen undsecräubcrischen Volks gedacht, welches die belgischen, armorischen und britannischenKüsten so oft bedrohte, daß die römischen Imperatoren zur Deckung dieser Küsteneinen eignen Flottenführer (voinitein littorin 8uxonioi) ernannten. Schon gegendas Ende des 3. Jahrh. beunruhigten die Sachsen auch die römischen Grenzprovin-zen in den Rhein- und Scheldegegenden, und wahrscheinlich besetzten sie seit den Zü-gen der Völkerwanderung die zwischen dem Rheine, der Weser und der Elbe von densortziehenden Stammen erledigten Wohnplätze. Zwei bedeutende Horden derselbengingen um 449, unter Hengist u. Horsa, nach Britannien (s. Großbritannien)und stifteten daselbst 7 angelsächsische Königreiche. Die Herrschaft der Sachsen be-stand in Britannien bis 1066. Die in Deutschland zurückgebliebenen Sachsen er-schienen in ihren weit ausgebreiteten Besitzungen u. d. N. der Ostfalen, Westfalenund Engern. Sie grenzten im N. an die Friesen und an die Dänen, im O. an dieden Deutschen seit der Völkerwanderung bis an die Elbe nachgerückten slawischenVölkerschaften. In Verbindung mit den Franken, welche unter Ehlodowig im I.486 in Gallien den letzten Überrest der römischen Macht vernichtet hatten, zerstörtensie 528 das damals im Mittlern Deutschland bedeutende Königreich Thüringen, vonwelchem die nördlichen, am Harze gelegenen Theile des eroberten Landes an die Sach-sen kamen. Doch zerfielen die Sachsen und die Franken selbst unter sich über dieseneue Erwerbung, und als Karl d. Gr. die Macht des fränkischen Reichs im Innernund nach Außen befestigt hatte, begann er den 30jährigen Kampf mit den Sachsen,die er zur Anerkennung seiner Hoheit und zur Annahme des Ehristcnthums bringenwollte. Der kräftige Widerstand der Sachsen, besonders unter ihrem Heldenanfüh-rec Wittekind, zeigte, wie theuer dieses freie Volk s. bisherige Selbständigkeit undUnabhängigkeit verkaufen würde. Denn selbst nachdem Wittekind, nach s. Taufe zuAttigny in Champagne (785), nicht mehr an der Spitze der sächsischen Völkerschaf-ten stand, ward der blutige Kampf derselben gegen Karl fortgesetzt, bis endlich 803der Vertrag zu Selz die Sachsen dahin brachte, daß sie das Ehristenthum annahmen,der Geistlichkeit den Zehnten entrichteten und mit den Franken zu Einem Volke ver»