Sabiner Sacchim 537
! ren Gerathen und Häusern noch an ihren Kleidungen dulden, und die blauenMeßgewänder und Altardccken der Katholiken viel unerträglicher fanden als ihreLehren. Von den Mohammedanern, unter denen sie leben, ohne sich mit ihnenzu vermischen, unterscheiden sie sich durch mildere, der christlichen Lebensweise ver-wandtere Sitten. L.
Sabiner, eine alte Völkerschaft Italiens, wahrscheinlich AbkömmlingederAusonier und Verwandte der Aborigener. Dieses zahlreiche Volk, das vieleKolonien angelegt hatte, lebte in den Apenninen, vornehmlich als Hirten von derViehzucht. Horaz rühmt ihre Redlichkeit, Mäßigkeit und Einfachheit der Sitten,j Ihr Land wurde gegen Abend durch die Tiber von Etrurien, gegen Mittag durchden Anio-Fluß (Teverone) von Latium, gegen Mitternacht durch den Nar-Fluß vonUmbrien geschieden; gegen Morgen wohnten die sabinischen Eolonien der Vestincrund Marruciner, welche cs vom Meere trennten; es begriff daher größtcntheilsBerggegenden des Apenninus. Der Boden war fruchtbar und reich an trefflichenWeiden. Er trug Öl, Obst und Wein. Auch gab er gute Eichelmast.
Sabinerinnenraub, s. Romulus.
Sacchini (Antonio Maria Gasparo). Dieser Eomponist, geb. zu Neapel1735, hatte mehre Jahre unter dem berühmten Durante zugleich mit Piccini,Traetta und Guglielmi studirt. Die Gewandtheit, welche er sich auf der Violineerwarb, war in der Folge in s. Compositionen wahrzunehmen. Bald nachdem ecdiese treffliche Musikschule verlassen hatte, machte er sich durch s. Werke bekannt.Sic verschafften ihm 1762 eine Anstellung bei dem Theater zu Rom, wo er 7 oder! 8 Jahre blieb; er besuchte von hier aus einige andre Städte Italiens. Die KennerI mtheilten, daß wenn Piccini ihn im Komischen, er diesen im Tragischen übcrtreffe.1769 ward er als Galuppi's Nachfolger nach Venedig berufen. Abgesehen vonden Kirchencompositionen, welche er hier herausgab, bildete er auch treffliche Sän-gerinnen: die Gabriel!, Conti, Pasquali u. A. London wünschte ihn als Theater-cemponisten zu besitzen. Er ging daher über Stuttgart und München, wo er mitgroßem Beifall gehört wurde, und 1771 über Holland nach London. Hier compo-nirte er für das ital- Theater treffliche lytische Tragödien, als: „Montezuma", „Per-seus", den „Cid" u. A., deren uns bekannt gewordene Bruchstücke von der höchstenSchönheit sind. Seine Leidenschaft für die Frauen stürzte ihn in große Verlegenhei-ten. Gegen 1782 ließ ihm die Verwaltung der Oper zu Paris den Antrag machen,für das Theater zu arbeiten. Man vereinigte sich über die Bedingungen, und 1783> erschien „Renaud", worauf „Chimcne" und „Dardanus" folgten. Da S. zu einerZeit auftrat, wo durch Gluck und Piccini die Franzosen bereits an fremde Musikwaren gewöhnt worden, so erregte er anfangs keine besondere Thcilnahme, biss.„Orckipo ä 6oloue" erschien, der in jeder Hinsicht großen Beifall ärntetc und nochbis jetzt eher darin gestiegen als gesunken ist. Bevor er ihn aber auf die Bühne brin-gen konnte, hatte er mit so unglaublichen Schwierigkeiten zu kämpfen, daß er be-schloß nach England zurückzukehren, wohin s. Gönner und Freunde, nach übernom-mener Tilgung s. Schulden, ihn einluden. Aber er starb zu Paris 1786 an denFolgen eines zurückgetretenen Gichtanfalls. Die Oper „Arvire", welche er unvoll-endet hinterlicß, beendigte Rey zur Zufriedenheit der Musikfreunde. — Man zähltgegen 50 Opern von ihm. Seine Büste aus Marmor steht in der Capelle des Pan-theons in Rom neben Rafael s Denkmal. Die Haupteigenschaften dieses großenKomponisten sind Leichtigkeit, Anmuth und einfache Hoheit. Seine Gesänge sind^ so natürlich und so glücklich, daß sie sich in der Kehle des Sängers von selbst zu bil-den und daraus hervorzugehen scheinen. Er verstand die schwere Kunst, Gesangmid Declamation, diese beiden so wichtigen und fast entgegengesetzten Eigenschaften,mit einander zu vereinigen. Seine Harmonie ist rein und voll; auch glanzt er indem religiös-idealen Styl; s. Priesterchöre in der „Olympiade" sind die schönsten