536 Sabier
Kirchenglaubcn abwich, daß sie den Sohn und den heil. Geist nur als verschiedene 'Offenbarungen oder Kcaftäußerungen des einigen Gottes, aber nicht als besonderePersonen in der Gottheit gelten lassen wollte. Die Dreifaltigkeit erschien nach ihrerWorstellungsweise nur als eine dreifache Wirkungsart, als ein dreifaches Verhält-niß Gottes zur Welt. Was der Evangelist Johannes das Wort (Logos) und diechristliche Kirche den Sohn Gottes nennt, verglich S. mit einem Strahle, den dieSonne aussendet, um zu erleuchten und zu warmen, und meinte daher, daß die-ser Logos oder Strahl der göttlichen Urkraft nur in und durch den Menschen Jesusthätig gewesen sei, um das Werk der Erlösung zu vollbringen; aber keinesweges ein ivon dem Leben des einigen Gottes gesondertes und verschiedenes Dasein habe. Die ?Sabellianer wurden im 4. Jahrh. von der orthodoxen Kirche unterdrückt, dieAnsicht des Sabellianismus aber hat immerwährend Freunde gefunden, und nochjetzt leuchtet sie aus den Deutungen hervor, welche neuere Theologen bei dem Be-streben , die kirchliche Lehre von der Dreieinigkeit aufrecht zu erhalten und sie dochauch der Vernunft faßlich und annehmlich zu machen, versucht haben. bl. .
Sabier, Zabier, auch Johannisjünger, die Anhänger einer religiöse»Sekte, welche sich aus denjenigen Schülern des Täufers Johannes, die nichtzumChristenthume übertreten wollten, gebildet hat. Sie ging kurz vor der Entstehungder christl. Gemeinde aus dem Judenthume hervor, von dem sie sich trennte, und !wendete sich von den Ufern des Jordans, der ihr heilig war, nach Khusistan in ^Persien, wo sie von christlichen Reisenden im 17. und 18. Jahrh. unweit Schuster(dem alten Susa) gefunden worden ist. Das ehedem auf der Geschichte, Lehreund Verfassung der Sabier ruhende Dunkel wurde gegen das Ende des 18. Jahrh. Idurch die Untersuchungen unserer Orientalisten über einige Bruchstücke der sabischen !Religionsschriften noch wenig aufgeklärt. Nur so viel wird jetzt angenommen, daßsie den Täufer Johannes als ihren Stifter und vorzüglichsten Propheten verehren,an einen einigen Gott und an die Sendung eines Gottmenschen glauben, den sie !Manda di Chaie, d. h. Wort (Logos) des Lebens, und nach ihm sich selbst Man-däer nennen. Dieser Gottmensch soll von Johannes getauft worden und kurzeZeit auf Erden sichtbar, aber mit dem Stifter des Christenthums keineswegs einer-lei Person gewesen sein. Jesum erklärten die Sabier für einen bloßen Menschenund falschen Messias, obgleich Das, was sie von den Thaten und Schicksalen ihresGottmcnschen angeben, den evangelischen Nachrichten von Christo sehr ähnlichsieht und davon entlehnt zu sein scheint. In ihren Ansichten von dem Verhält-nisse Gottes zur Welt und der Geisterlehre sind die Spuren von Einmischungenaus Zoroaster's Lehren, und Übereinstimmungen mit der gnostischen'^Äonenlehrenicht zu verkennen, wodurch es wahrscheinlich wird, daß sich ihr Lehrbegriff erstwährend ihres Aufenthalts in Persien entwickelt hat. Ihr Glaube an Vorsehungund Unsterblichkeit schließt sich näher an den christlichen an, und das Wenige, wasman von ihren religiösen Gebräuchen und ihrer kirchlichen Verfassung weiß, läßtvermuthen, daß sie von den Nestorianischen Christen, mit denen sie unter dm Pa-triarchen derselben zu Babylon dis 1480 in kirchlicher Vereinigung lebten, die beiihnen noch jetzt bestehende Ordnung des Priesterstandes unter Bischöfen, dieSonn-tagsfcier und die Verehrung des Kreuzes angenommen haben. Ihr vornehmsterGebrauch ist die Taufe oder heilige Abwaschung im Namen des Worts des Lebens,die sie nach ältern Nachrichten täglich wiederholen. Aus ihren Glaubensschriftensieht man zwar, daß sie nicht ganz ohne Literatur sind, doch gibt der finstere Aber-glaube , der ihren Priestern als Mittel der Herrschaft dient, den niedrigen Stand !ihrer Bildung zu erkennen. Die Versuche, sie dem Papste zu unterwerfen, warenohne bleibenden Erfolg. Sie wollen keine Christen sein, aber noch mehr verab-scheuen sie die Türken und den Jslamismus überhaupt, daher sie die blaue Farbe,welche die türkischen Weiber zu ihren Beinkleidern zu wählen pflegen, weder an ih-