Nürnberg 943
' die der Papst von Zeit zu Zeit an fremde Höfe schickt, nichts mehr als politischeAgenten. L.
Nürnberg, eine von den Mutterstädten deutscher Kunstbildung, erhieltschon im 11. Jahrh. vom KaiserHeinrich III. Marktfreiheit, Zoll - und Münzrechl;dann als Reichsstadt (im fränkischen Kreise) berühmt durch ihren Gcwerbfleiß undHandel, sowie durch große Verdienste um Kaiser, Reich und die deutsche Nation,behielt sie bei den Veränderungen, die der Reichsfriedcnsdeputationsschluß von 1803inDeutschland hcrvorbrachte, ihre alte Freiheit, gerieth aber mit den die Stadt schü-tzenden Burggrafen aus dem hohenzollern'schen Hause, den Königen von Preußen,^ in Zwistigkeiten, welche durch die preuß. Besitzergreifung eines Theils des nürnb.Stadtgebiets in der neuesten Zeit immer drückender werden mußten, bis sie endlichdurch die Rheinbundsacte, nebst ihrem ganzen Gebiete, mit voller Sonverainetätund Eigenthum dem Könige von Baiern übergeben und von diesem am 15. Sept.1806 in Besitz genommen wurde. Anfangs war sie die Hauptst. des PegnihkreiseS;
^ jetzt gehört sie zum Rezatkreise des Königreichs Baiern und ist der Sitz eines Land-gerichts. N. liegt in einer sandigen, aber durch Anbau fruchtbar gemachten, ange-nehmen Gegend; sie wird durch die Pegnitz in 2 Hälften getheilt, von denen diekleinere nördl., nach der Pfarrkirche zu St.-Sebald, die sebalder Seite, die südl.größere von der Kirche zu St.-Lorenz die lorenzer Seite genannt wird. Der Um-! fang der Stadt innerhalb der Mauern, in welchen viele ösfentl. Plätze und Gärten
! cingeschloffen sind, beträgt 14 Stunde, und in den 200 meistens winkligen Gassen
sind 3284 H. mit 39,085 E., darunter 1052 vom Militair, 2508 Katholiken undü, 9 Juden (nach der Zählung von 1828). Die Zahl der außer der Mauer, innerhalb
I der Linien, in den Vorstädten und einzeln befindlichen Häuser ist 84Z, mit 5770 E.
Die Mehrzahl der Einw. ist lutherisch. Die Täuschung, als ob man in früherej Jahrh. versetzt sei, wird in N. öfter hervorgebracht als an einem a. Orte. Man sin-
! dct Wohnhäuser, deren äußerer Bau noch ganz unverändert gothisch ist, und deren
Inneres selbst noch die Spuren des Privatlebens unserer Väter zeigt. Dazu gehörtauch das alte Schloß, die Reichsfcste genannt, welches s. Äußern nach noch ganz er-halten ist, und zwar Theile aus verschiedenen Jahrh., aber doch alle aus der älternZeit, und gar keine Ruinen zeigt. Es liegt auf einem Berge und gewahrt die aus-gebreitetste Ansicht. In demselben befindet sich die öffentliche Gemäldesammlung(549 St.) nebst vielen Glasmalereien, und ein Stammbuch zu A. Dürer's Anden-j ken. Das 275 Fuß lange Rathhaus, eins der ansehnlichsten in Deutschland, hat
4 2 Stockwerke, jedes zu 36 Fenstern, in dem großen Saale restaurirte Gemälde, be-
sonders von Albr. Dürer, Hirschvogel u. A.; auch 7 Transparents aus Dürer's Le-! ben, zu dessen Feier am 6. April 1828; an der Decke des Corridors das Gesellen-^ stechen von 1446, in Hautrelicf. Durch Bauart und Kunstwerke sind ausgezeichnetdie gothische St.-Lorenzkirche, die St.-Sebaldskirche, die Kirche St.-Jakob (beschr.von Lösch, Nürnb.1825) und die im neuern Geschmack (von 1711—18) wieder auf-gebaute Ägidienkirche. Bei der Prediger- oder Dominicancrkirche befindet sich die nichtunbedeutende Stadtbibliothek,und bei der Ägidienkirche dasGymnasium,vor welchemdie Stadt 1826, bei Gelegenheit der 300jähr. Jubelfeier, das von Burgschmid verfer-tigte Standbild Phil. Melanchthon's, der 1526 das Gymnasium einweihte, auf-
> richten ließ. Unter vielen treffl. Bildungs -, Wohlthatigkcits - und Untcrftützungs-
^ anstalten nennen wir: 1) die polytechnische Schule, seit 1823; 2) das auf v.
^ Campe's Vorschlag 1824 erricht, städtische (Konservatorium für.Alterth. und nürnb.
Kunstwerke; 3) die Kunstschule auf der Burg, mit wichtigen Kunstsammlungen,
> u. a. die Gypsabgüsse >der Ägineten. Auch gibt cs mehre Privatsammlungen. Eheder ostind. Handel durch die Entdeckung eines Seeweges eine neue Richtung erhielt,war N. einer der größten Handelsplätze in Deutschland und Europa, indem eS dievon Italien ihm zugeführten ostind. Maaren nach dem Norden vertrieb. Der öffent-liche und Privatwohlstand und der Kunstfleiß der Stadt waren damals außerordent-