Mylitta Myrmidoncn 645
Sache selbst spricht die Erfahrung, und die gemeinen Leute schreiben dies einemBerschen der Mutter zu. Zum Beweise beruft man sich sogar auf Jakobs Kunst,bunte Lämmer zu erzielen. Die Philosophen haben versucht, nicht allein die Mut-tecmälcr, sondern auch andre Besonderheiten, als Verstümmelung, Gestalt, Ver-mehrung oder Verminderung der Gliedmaßen u. s. w. aus dem Einflüsse der Ein-bildungskraft und also der Seele der Mutter auf das Kind zu erklären. Allein ge-naue Beobachtungen haben gelehrt, daß die Besonderheiten und Verunstaltungendes Kindes, welche man für die Folge einer imaginarischcn Idee hält, natürlicheWirkungen solcher Beschaffenheiten in dem Körper und der Lage des Kindes wa-ren, welche theils vor der äußern Veranlassung der Idee schon anwesend waren,theils selbst nach der Hypothese Derer, welche diese Wirkungen der mütterlichenEinbildungskraft annehmen, dadurch nicht entstanden sein konnten. Man sichtauch dergleichen Besonderheiten ohne vvrhcrgegangene Einbildung der Mutter, in-gleichen bei Geburten im Pflanzenreiche, wo keine Seele und also auch keine Ein-bildungskraft an der Bildung Theil haben kann. Sic sind mithin weiter nichtsals eine Folge einer vorhergegangenen Unordnung in dem organischen Leben, abernicht in der Seele der Mutter.
Mylitta hieß die Venus der Assyrcr (bei den Arabern Alitta, bei den Per-sern Mithra). Sie war als Mondgöktin das weibliche Princip der Zeugung. Ini>cm üppigen Babylon war ihr Dienst Volksdienst, indem die Sitte bestand, daßjede Frau sich ein Mal in ihrem Leben einem Fremden preisgeben mußte für eineSumme, welche sie in den Tempclschatz lieferte. Mit einem Blumenkränze aufdem Haupte, erzählt Herodot, setzten sich die Weiber in den Galerien des Tempelsnieder, durch welche die Fremden gingen, sich eine der Harrenden zu wählen. Keinedurfte zurück nach Hause kehren, bis ihr ein Fremder das Geld mit den Wortenin den Schoß geworfen hatte: „Ich rufe für Dich die Göttin Mylitta an!" (Vgl.Mondgöttin.)
Myologie, Muskellehre, s. Anatomie.
Myops, s. Kurzsichtig.
Myriade, eine Zahl von Zehntausend; in der poetischen Sprache bezeich-net man damit überhaupt eine unzählige Menge.
Myriagramm, Myrialitre, Myriamctrc, s. Französi-sches Dccimalsystem.
Myriorama (griech.), wörtlich übersetzt: Aehntausendschau, eine Actvon landschaftlichem Kaleidoskop (s. d.), das, vor kurzem erfunden, viel Scherzund Zeitvertreib gewährt. Es wird eine pittoreske Seeküste mit Wohnungen,Einbuchten, Trümmern, Klippen, Schluchten und wirlhschaftlichen Scrnen ineinem langen Streif an einem Canale, wo hinten ferne Gebirge herüberblicken, an-genommen. Diese ist in 16 in den buntesten Farben ausgemaltc Abtheilungenzerschnitten, und das Ganze so gehalten, daß die Durchschnittlinien für Bor- undMittelgrund überall ancinanderpassen. Die Ausgabe ist nun, diese Abtheilungenwillkürlich so ancinanderzufügen, daß das Vereinzelte wie ein Ganzes, nach Regelnder Landschaftsmalerei componirt, aussehe. Durch die Bezifferung der einzelnenBlätter wird es möglich, eine unter 10,000 Möglichkeiten herausgefnndene an-nehmliche Wirklichkeit zur Wicderhervorbringung festzuhalten. Dieses Spielwcrkfür Schaulustige und Zeichner hat Bros in Paris erfunden, und l). Elark in Lon-don vervollkommnet. Für Landschaftmalcr selbst ist cs ungefähr Das, was einRcimlexikon dem Dichter gilt.
Myrmidoncn, ein Völkcrstamm in Phthia in Thessalien. Sic sollenvon Myrmrdon, nach der Sage einem Sohne dcS Jupiter und der Eurymedusa,Vater des Aktor, ihren Namen haben, der auch als ein Abkömmling des Pelasguslind Nachfolger des TentamideS, Königs von Larissa, genannt wird. Die Myr-