Maccaronische Gedichte Mac-Carthy Reagh 5
welche aus dem feinsten türk. Weizenmehle, aus Käse und andern Mischtheilen,mit Wasser durch eigne Mühlen oder Maschinen bereitet werden. Ihre Formist röhren- oder stängelförmig, doch gibt es auch platte, viereckige und gewundene.Sie sind eine Lieblingsspeise der Italiener, und auch unter den'niedern Volksclas-sen, freilich aber von geringerer Güte, sehr gewöhnlich. Die besten kommen ausNeapel, dann aus Aix in Frankreich. Auch fabricirt man sie zu Wien, Magde-burg, Halle, Dresden. Sie müssen, damit sie nicht dumpfig werden, an trocke-nen Orten aufbewahrt werden.
Maccaronische (Maccheronische) Gedichte, eine Gattung scherzhafterlat. Gedichte, in welche Wörter aus einer andern Sprache mit lat. Biegungen einge-streut sind. Ihr Urheber war Teofilo Folengi, u. d. N. Merlino Coccajo, eingelehrter u. witziger Benedictiner, geb. 1484 zu Mantua, ein Zeitgenosse u. Freunddes Sannazar. Ferd. v. Gonzaga, bei welchem er sich 10 I. hindurch in Sicilienaushielt, war sein Beschützer, daher er öfters dessen Lob singt. Den Rest seiner Tagebrachte er in einem Kloster bei Bassano zu, wo er 1544 starb. Man hat von ihmital. und lat. ernsthafte und religiöse Gedichte, die nicht ganz ohne Werth sind. Un-ter den ital. Dichtern wird er für den Schöpfer der komischen Epopöe gehalten.Sein Hauptgedicht in dieser Gattung nannte er „Naoearonen", weil er, sowie zuden Maccaroni verschiedene Mischtheile genommen werden, in seinem Gedichte La-teinisch und Italienisch vermischte. Von diesem Gedichte ist eine Ausg. von 1521vorhanden. Den Helden seines Gedichts führt er, wie Virgil dcn Äneas, durchmancherlei Begebenheiten zuletzt in die Hölle, wo er u. a. die Strafen der Dichtersieht, denen von besonders dazu bestellten Teufeln für jede Unwahrheit oder Über-treibung, die sie gesagt haben, ein Zahn ausgerissen wird, der aber alle Tage wiederwachst. Dieses Gedicht enthalt viele satyrische Schilderungen der Sitten jener Zeit,mitunter auch schöne Stellen in echt lat. Versen. Außer demselben sind von ihm einkleineres komisches Gedicht „Nosclma", oder der Krieg der Mücken und Ameisen,ein jugendlicher Versuch; ferner Eklogen und Episteln, sämmtlich in der maccaroni-schen Versart, vorhanden. Heinsius („Tcut", 4. Thl., S. 171) erwähnt eindeulsch-maccaronisches Gedicht: „lAoln, Oortum versioale <le kloi8 8n artibu8,illis Doirieulw guae »»me« 1«re Aim 8 oüo 8 , Idlannos, >Vei)>ra 8 , liwAkra« otv.belmppere, et 8pitriibu8 8Uw noimrcklw «teclcere ot bitere solent. Autors Orip-lwlllo Xnwlclrurwlrio ex Illolandia" (ümno 1593, 4.), wovon er auch den Ein-gang mittheilt. Eine neue Ausg. dieses Merkchens erschien 1822 zu Hamm 5 eineÜbers. 1827 zu Leipzig. Französisch - maccaronische Verse finden wir in dem zuMoliere's „ülslaäo inwAiimire" gehörenden dritten Zwischenspiele. Diese possen-hafte Dichtungsart, wozu wahrscheinlich das schlechte Mönchslatein des Mittel-alters Veranlassung gab, hat nicht viele Nachahmer gefunden. S. F. W.Genthe's „Gesch. der Maccaronischen Poesie und Sammlung ihrer vorzüglichstenDenkmale" (Halle 1829).
Mac-Carthy Reagh (Graf), aus Schottland gebürtig, aber seitbeinahe 40 Jahren in Toulouse lebend, war einer der größten Bibliomanen unsererZeit. Seine Bibliothek erregte wegen ihrer Seltenheiten, Kostbarkeit und Prachtallgemeine Bewunderung. Den vorzüglichsten Gegenstand seines Sammlerflei-ßes machten Exemplare auf Pergament (602 Werke in 826 Bdn.) aus. Zugleichzeichnete sie sich durch eine Sammlung der seltensten alten Drucke, sowie der älte-sten Erzeugnisse der franz. Literatur, welche seit der Valiere'schen Versteigerungnicht wieder in solcher Vollständigkeit gesehen worden sind, und durch eine bedeu-tende Anzahl von Exemplaren auf groß Papier, durch kostbare Einbände und über-haupt durch die ausgesuchtesten und schönsten Exemplare aus, zu deren Verzierungder Besitzer mehre Personen in seinem Hause hielt und sogar einen Buchbindervon London kommen ließ. Diese treffliche Sammlung, deren Andenken der von