8IV Iussieu (Familie) Justinianus I.
zu sein, denn eben auf den Dingen, die sich nicht zum zweiten Mal gerade so wieder !darstcllen lassen, Haltung der Angeklagten und Zeugen, individueller und momen-taner Stimmung der Geschworenen, beruhtja das Ganze der Entscheidung. Selbstin England erheben sich nach und nach gewichtige Zweifel an dieser Einrichtung, unbman nähert sich mitunter der Grundansicht des deutschen Criminalprocesses, welchedahin geht, das moralische Gefühl im Verbrecher durch Einsamkeit undBesragungzuerwecken, und ein Geständniß zu bewirken, welches einenAngeschuldigten zu seinemeignen Richter macht. Kein Verbrecher istso verstockt, daßnicht einmal der Zeitpunktbei ihm kommen sollte, wo ihm die Last des Bewußtseins zu schwer wird, und er sichsehnt, sich mit dem Gesetz und seinem inncrn Richter auszusöhnen. Daraufhinzuwir-ken ist die Aufgabe des deutschen Criminalrichtcrs, und gewiß ist sie der hohen Würde iderRcchtspflcge wenigstens ebenso angemessen als Schöffenurtheilc. Abkürzung drrProceduren undÖffcntlichkeit der Strafrechtspflege sind zwar mit den Geschworenen-gerichten gewöhnlich verknüpft, aber diese Vorzüge lassen sich auch mit einer andern I
Einrichtung vereinbaren. Über die franz. Jury s.V.Guichard u. J.J.Dubochet„.Ua- t»uel du Iure", nach dem Organisationsgesctz v. 2.Mai 1827 und demGesetzevom22. Juli 1828 (Paris 1829). Aignan hat e.Gesch. der Jury 1823 geschrieben. 37.
Iussieu (Antoine und Bernard de), zwei Brüder, in den letzten Jahrendes 17. Jahrh. geb., zeichneten sich sowol in der praktischen Arzneiknnde als in derBotanik aus. Antoine machte botanische Reisen und brachte aus Spanien einezahlreiche Pflanzensammlung mit. Er schrieb darauf über naturhistorischc und «mcdicinische Gegenstände, und starb 1758 im 72. I., wegen s. Menschenliebe all- -
gemein betrauert. Bernard, geb. 1699 zu Lyon, erhielt im königl. botanischen ^
Garten eine Professur der Botanik. Ihm hatman die 1725 in 2 Bdn. 12. heraus-gekommene neue Ausg. der „Histoiro des plantvs <jui »aissent aux euvirous de1>ar>8" von Tournefort zu verdanken. Er hatte die Freude, die Eedcr vom BergeLibanon, die in dem Garten des Königs fehlte, und von welcher er selbst 2 Stecklinge !
aus England nach Frankreich gebracht hatte, unter s. Augen über alle andre Bäumedes Gartens hinwegwachsen zu sehen. Linne besuchte ihn während s. Aufenthalts iin Frankreich und wohnte einer seiner botanischen Wanderungen bei. J.'s Schüler,so erzählt man, erlaubten es sich, ihren Lehrer auf die Probe zu stellen, indem sieihm Pflanzen, deren Kennzeichen sie absichtlich zerfrört hatten, darbrachten und eineErklärung derselben von ihm verlangten. Stets erkannte dann I. den Betrug und <gab, ohne in Verlegenheit zu gerathcn, die verlangte Auskunft. Einst wollten dir !Schüler mit Linne denselben Versuch machen; dieser aber erklärte frei heraus, mirGott allein oder ihr Lehrer (Iussieu) könne ihre Frage beantworten. Nachdem sich 'I. lange Zeit mit einer systematischen Eintheilung des Pflanzenreichs beschäftig!hatte, starb er 1777 im 79. I. seines Alters. ScinNeffe, Antoine Lau-rent de Iussieu, geb. zu Lyon 1748, Arzt, Mitglied der Akademie der Wis-senschaften zu Paris und der königl. mcdic. Schule, erstattete 1804 einen Berichtüber die Ergebnisse der Reise des E> p. Baudin nach Neuholland. In der Anato-mie der Pflanzen har ec sich durch die Entdeckung eines im Kern enthaltenen Kör-pers, Pecisperme von ihm genannt, bckanntgemacht. 1784 ließ er s. „liapport >IeOexanien du maAnvtisme animal" drucken. Seine „Ovnera plantar»,» seouu-dum »rilines natural e.8 dispusita" (nach der Methode im botan. Garten zu Pa- )ris) erschienen 1789 und 1791; auch in Zürich und in Leipzig. 1796 schrieb er
,,'I'ableau s)nc>ptii>ue de la metliude Iiotanigue de I!. et ^1. 1 ,. de Iussieu"!und 1800 ,,'1'aldeau de I'eeole de botanigue du jardi» des plantes de Laris"
Er erhielt 1817 den St.-Michaclsorden.
Justinianus I., der Große genannt, Justinus l Neffe, Kaiser des oft- ,
römischen Reichs, berühmt als Gesetzgeber, wurde 483 in einer unbekannten Fa- !
milie geboren. Er nahm Thcil an dem Glücke seines Oheiins, der vom gemeint» ^