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5 (1830) H bis Jod
Entstehung
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Ideal

chen Bildungen der Natur erhaben sind. Darum sind sie aber noch nicht über dieNatur selbst erhaben, denn wir verstehen unter Natur nicht bloß die wirklichen Er-scheinungen in der Sinnenwelt, sondern auch die denselben zum Grunde liegendenGesetze und Urbilder. Diesen gemäß bildet die Einbildungskraft ihre Ideale, diealso ebenfalls natürlich sind; nur in höherm Sinne als das Wirkliche. Sie über-fliegt die Schranken des Wirklichen, bildet nach diesen Gesetzen des Möglichen eineidealische Welt, und bevölkert sie mit Wesen, die vollkommener und schöner sindals die Bewohner der sichtbaren Schöpfung. Den Stoff zu diesen Dichtungen, nimmt sie aus der Wirklichkeit, verarbeitet ihn aber nach Ideen der Vernunft undvereint die Züge des Vollkommenen, Großen und Schönen, die sich in der Wirk-lichkeit nur einzeln und zerstreut finden, zu einem Ideale des Vollkommenen, Gro-ßen und Schönen. Man glaube indeß nicht, alles Ideale, als solches, sei auchschön, im gewöhnlichen Sinne; denn es kann auch ein Ideal des Häßlichen, desSchrecklichen, des Bösen geben. Das Ideal geht lediglich auf Vollkommenheit,mag sich diese nun im Guten oder Bösen, im Erhabenen oder Niedrigen, im Schö-nen (Anmuthigen)oder Häßlichen zeigen; die Einbildungskraft schafft durch dasselbeVerfahren einen Homer'schen Olymp und eine Dante'sche Hölle, einen Gott und ei-nen Teufel, einen Hain der Liebesgöttin und ein dunkles Reich, wo der Tod mit sei-nen Schrecknissen haust, eine Madonna und ein Zerrbild. Deßhalb sind die Aus-drücke: schönes Ideal, i>deale Schönheit und Ideal der Schönheit, die häufig ohneUnterschied für einander gebraucht werden, nichts weniger als gleichbedeutend. Das" Ideal der Schönheit ist das vollkommen Schöne, das schöne Ideal die allgemeinsteDarstellung der in der Idee irgend einer Wesengattung begründeten Schönheit, dieideale Schönheit eine solche, wo die Schönheit eines Gegenstandes durch das Jdea-lisiren erhöht erscheint. Gewissermaßen entgegengesetzt dem Ideal ist das Charak-teristische, welches begründet wird durch das Abweichende einer Bildung von derreinen Gattungsform. Jede dieser Abweichungen ist eine besondere Bestimmung,folglich eine Beschränkung des Ideals der Gestalt auf besondere Verhältnisse ihrerFormen zu einander und zum Ganzen. Indem aber das Ideal durch jede Abwei-chung von der Gattungsform an seiner ursprünglichen Reinheit Etwas einbüßt, ge-winnt es dadurch auf der andern Seite ebenso viel Charakter wieder, und befriedigtauf diese Weise den neben dem Jdealschönen auch bestimmte Bedeutung und Indi-vidualität (Eigenthümlichkeit) federnden Kunstsinn, der nicht bloß Schönheit, son-f dem auch Wahrheit verlangt. Diese Kunstwahrhcit wird bewirkt durch den AuS-' druck des Charakteristischen. Hieraus geht von selbst hervor, daß Wahrheit undEharaktcristik (s. d.) weder der ganz vollständige, noch auch der höchste Zweckder Kunst sei, sondern daß zu ihr noch die Idealität der Form und die Schönheit derDarstellung hinzukommen müsse. In keinem Falle darf die Wahrheit der Schön-heit ausgcopfert werden. Es muß also zwischen beide ein Mittel treten, daß dieWahrheit sich nicht anders als schön darstellen könne. Dieses Mittel ist das Ideal.Indem dieses alles bloß Individuelle und Zufällige hinwegräumt und nur das We-sentliche in sich aufnimmt, fällt auch zugleich Alles weg, was der Schönheit wider-streben könnte. So war es in der Plastik der Griechen, als deren Grundsatz undzugleich allgemeinen Charakter ihrer Werke man idealische Individualität (oder» schöne Darstellung des Ideals unter charakteristischen Bedingungen) annehmenmuß. Man unterscheidet überhaupt 2 Arten von Idealen. Durch Beziehungeiner Idee auf Begriffe entstehen Ideale der Vernunft, durch Beziehung einer-^dee auf Anschauungen Ideale der Einbildungskraft, auch vorzugsweise Idealegenannt. Von letztem war bisher die Rede. Nach seiner Eintheilung in fpecula-tive und praktische Vernunft stellte Kant 2 Ideale der Vernunft auf, das Idealder reinen Vernunft, worunter er die Vorstellung eines Wesens aller Wesen be-greift, und das Ideal der praktischen Vernunft, d. i. das höchste Gut, die Vor-.