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5 (1830) H bis Jod
Entstehung
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463
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Hypochondrie 463

Die Hypochondrie ist eine Verletzung der Function des Nervensystems des Unter-leibes, vorzüglich der großen Geflechte hinter dem Magen, als dem eigentlichenCentralnerven. Daher ist die Empfindlichkeit des Nervensystems krankhaft erhöht,sein Wirkungsvermögen aber geschwächt. Zugleich ist die Grenze, welche im Or-ganismus zwischen dem Nervensysteme des Unterleibes und dem des Gehirns undRückenmarks stattfindet, vermindert, sodaß Gefühle des Unterleibes zum Bewußt-st«, gelangen, welche im gesunden Zustande nicht empfunden werden, und sich zuentferntem Organen fortpflanzen. Die Störung in der Function des Nerven-systems des Unterleibes hat zunächst eine Schwäche und Abweichung der Verdauungzur Folge, welche gemeiniglich die ersten und meisten Zufälle der HypochondrieHervorbringen, von denen alsdann alle übrige abstammcn, sowie sich die krankhafteMleidenheit über den ganzen Organismus ausbreitet. Es entsteht also zuerstSpannen, Drücken und Ziehen unter den kurzen Rippen, bald auf der einen,bald aus der andern Seite, bald in der Herzgrube, langsame oder stockende Aus-leerung, Verhaltung der Blähungen, Auftreibung des Leibes, Mangel an Appetit,vermehrtes Drücken, überhaupt schlechteres Befinden nach dem Essen. In derFolge gesellen sich dazu Beklemmung des Athmens, unbeschreibliche Angst, Einge-nommenheit des Kopfes. Auch bei nüchternem Magen entsteht zuweilen Magcn-schmerz, Übelkeit oder Erbrechen. Auf Augenblicke, zumal nach geendigter Ver-dauung, ist dem Hypochondristen leicht, wohl und heiter; aber che man sichs ver-machet, treten die alten Beschwerden wieder ein. Die Störung des Nervenzustan-des hat auch auf das Gemüth der Kranken bedeutenden Einfluß. Sie sind baldschwermüthig, bald übertrieben lustig; mit ihrem körperlichen Zustande unaufhör-lich beschäftigt, achten sie auf jede ungewöhnliche Empfindung in ihrem Körper,eben weil sich jedes Gefühl ihnen lebhafter aufdringt. Jeden kleinen Zufall wollensie erklärt wissen; jedem schieben sie eine wichtige Krankheit unter; für jeden wün-schen sie ein Arzneimittel zu haben. In den Stunden der Angst sind sie furchtsam,verzagt, erwarten den Tod jeden Augenblick, werden fromm und sogar abergläu-bisch; fühlen sie sich wohl, so blasen sie, wie Unzer sagt, ihre Sünden wie kleineFederchen von sich ab. Manchmal überfällt sie die Angst so plötzlich, daß sie auf-springen müssen und nirgends Ruhe finden. Andre verlaßt ihr Gedächtniß zuwei-len so plötzlich, daß sie sich nicht auf ihren Namen besinnen können. Mitten in denernsthaftesten Gesprächen, selbst im Gebete kommen ihnen die lächerlichsten Dingevor; Andre bekommen plötzlich einen Trieb zu den seltsamsten Handlungen- derensie sich nur mit Mühe enthalten können. Veranlassende Ursachen zu dieser Krank-heit können alle die Dinge werden, welche die Function des Nervensystems des Un-terleibes verletzen, die Empfindlichkeit desselben krankhaft erhöhen, die Verdauungschwächen, und die Absonderungen des reproductiven Nervensystems von dem sen-sitiven vermindern. Dahin gehören vorzüglich übermäßige Anstrengung des Gei-stes durch zu vieles Studiren, sitzende Lebensart, schwelgerisches Leben, Über-maß in reizenden Getränken, besonders in Eaffce, und im Genüsse der physischenLiebe; aber auch Mangel an Übung der körperlichen und geistigen Kräfte, Müßig-gang und Langeweile. Hypochondrie ist keine gefährliche Krankheit. Der Hypo-chondrist glaubt zwar 6 Tage der Woche hindurch, alle Tage zu sterben, er hat ein^ elendes Dasein, ist sich selbst zur Last, den Seinigen und dem Arzte zur Plage.Die Hypochondrie kann nur schwer und langwierig geheilt werden, weil sie selbstder Heilung am meisten entgegenstrebt. Der Hypochondcist soll des überflüssigenMedicinirens sich enthalten, allein wenn der Poltergeist rege wird, möchte er lieberzehnerlei Mittel auf einmal nehmen; er soll seine Sinnlichkeit bezähmen, alleinsein empfängliches Nervensystem kann den Lockungen Eupido's nicht widerstehen;er soll sein Gemüth beherrschen, allein sein Gemüth wird vom Körper beherrscht;. er soll dem Sitzen, dem Studiren entsagen und sich körperliche Bewegung machen.