462 Hyperbel Hypochondrie
den schon lyrischer. Die christlichen Hymnen sind größtenthcils ganz lyrisch undsprechen das Gefühl des Menschen aus, der sich zu dem Unsichtbaren voll InnernDranges zu erheben strebt. Sie werden gewöhnlich nur mit sigurirter Musik ge-sungen, denn die langsame und gleichförmig fortschreitende, oft auch im Singengedehnte Melodie des Chorals hemmt den feurigen Flug des Hymnus; daher auchdie meisten Lobgesängc in unfern Gesangbüchern, welche ihren Gegenständen nachdem Hymnus angehören, wenn sie für eine bestimmte Melodie gedichtet wordensind, in dem Tone des sanftem, ruhigem und gereimten Liedes zur Prosa herab-sinken. Wenige von Klopstock, Voß, Cramer, Herder, Lavater und einigen An- idem, z. B. diejenigen, welche auf die erhebende Melodie: „Wachet auf, ruft unsu. s. w.", gedichtet worden sind, machen eine Ausnahme.
Hyperbel, Hyperdole, s. Kegel. In der Rede: eine Figur(s.d.),welche eine Sache übertreibt, sie in einem übertriebenen Lichte oder Schatten dar-stellt, d. h. sie vergrößert oder verkleinert. Bewegte Gemüthsstimmung, Erregungder Einbildungskraft oder Laune, bedingen sie.— Hyperbolisch, übertrieben.
Hyperboracr. jenseits des Boreas wohnend, nannten die Alten alle un-bekannte Bewohner des Westen und Norden, von denen sie glaubten, daß sie stetsunter dem Einflüsse eines günstigen Himmels standen. Früher setzte man in diewestlichen Länder die Wohnung der Nacht und das Schattenreich, und die im ewigenDunkel wohnenden Cimmerier. Statt dessen fand man glückliche und ziemlichgesittete Völker, die einen goldreichen Boden bewohnten und nicht durch den kal-ten Nordwind Griechenlands beunruhigt wurden, gegen den die Alpen und Pyre-näen sie zu schirmen schienen. Da entstand die Sage von Völkern, die sich einer jsteten Gesundheit und eines langen Lebens erfreuten und als Lieblinge Apollo's,dem sie in fruchtreichen Ebenen mit Musik und Opfern dienten, geschützt vor demNordwinde, das glücklichste Leben führten. Bei ihnen herrschte ewiger Frühlingund ewige Jugend; ganze Jahrtausende verlebten sie in steten Festen und Lustbar-keiten. Nach und nach aber, als man die Westländer genauer kennen lernte, wardder Name Hyperboräer aus ihnen verdrängt und in den Norden verpflanzt.
Hyperion, s. Titanen.
Hypermnestra, s. Danaiden.
Hypnos, s. Somnus.
Hypochondrie (griech. ürio, unter, und/o«Py»§, der Rippen - undder Brustknorpcl; daher iHpoellonärium , die Gegend des Unterleibes, welcheunter den kurzen Rippen liegt), eine der schwierigsten Krankheiten. Ihr Sitz istim Unterleibe, besonders in der Gegend unter den kurzen Rippen; allein wenn siezu einem gewissen Grade angewachsen ist, äußert sie sich durch die mannigfaltig-sten und veränderlichsten Zufälle in dem ganzen Körper. Denn es werden wenigKrankheiten sein, über deren Zufälle nicht ein Hypochondrist ein Mal klagt. Erfühlt auch alle Leiden, die er klagt; er fehlt nur in dem Zucückschließen auf dieUrsachen dieser Zufälle. Bald fühlt er Drücken in der rechten Seite, und er glaubt,daß er Lcbervcrhärtung habe; bald klagt er über Schmerz in der Brust, und fürch-tet sich vor Lungenentzündung; ein ander Mal wird ihm der Kopf schwer, einge-nommen und schwindlich, und nichts ist gewisser, als daß ein Nervcnschlag aufdem Wege ist; plötzlich entsteht ein Klingen, Sausen und Brausen vor den LH- ^ ^ren, und er erwartet einen Blutschlagfluß; dann kommen Flecken vor den Augen,und der schwarze Staar soll ehestens Nachfolgen. Wenn er Herzklopfen bekommt,befürchtet er einen Heczpolypen; von etwas krampfhafter Beklemmung schließt erauf Brustwassersucht. Eine unbedeutende Pustel wird ihm zum unheilbarenKrebsgeschwüre, eine vorübergehende Verstopfung des Leibes zum Miserere, einwenig Durchfall zur Ruhr u. s. w. Alle diese Zufälle finden ihre Erklärung indem Wesen und dem Sitze der Krankheit, ihren Ursachen und Veranlassungen. ^